Fitbit Air im Test: Unsichtbares 24/7-Tracking ohne Display

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Seitdem die Google Pixel Watch 4 hier seinerzeit für den Test eingetrudelt ist, habe ich sie nur noch sehr selten vom Handgelenk genommen. Zu gut der Sitz, zu gut das Zusammenspiel mit meinem Pixel-Smartphone und ja, meiner Meinung nach handelt es sich hier auch weiterhin um die – nur für mich persönlich – aktuell beste Wear-OS-Smartwatch. Für mich ist sie aber eben auch deswegen so gut, weil ich mich mittlerweile sehr in die Fitbit-App eingegrooved habe, oder wie sie nun heißt: Google Health. Doch nicht immer möchte ich zwingend eine Uhr am Arm haben, wenngleich ich parallel schon gerne jede Aktivität und so Werte wie meinen Puls, Schlaf, etc. aufgezeichnet haben möchte. Bei meinem Alter und auch dem Gewicht ist so etwas nicht unbedingt aus den Augen zu lassen.

Mit dem Fitbit Air hat Google da nun etwas am Start, das für knapp 100 Euro als reines Armband am Handgelenk getragen wird. Da drunter versteckt lagert eine platte Kapsel mit allen möglichen Sensoren, die eine moderne Smartwatch oder ein Smartband sonst auch so beinhaltet, nur eben alles ohne Display. Das Versprechen: Eine kontinuierliche Aufzeichnung und Auswertung aller Fitness- und Gesundheitsdaten für mindestens eine Woche, schnelles Aufladen der Kapsel per Ladepuck und nur dann eine Abo-Verpflichtung, wenn man die Premium-Dienste vom Health-Coach in der App nutzen möchte.

Google hat mir das Air in der Farbe Obsidian-Schwarz zukommen lassen und ich habe mal für mich getestet, ob dieses 24/7-Healthtracking ohne Display etwas für mich ist, oder ob mir am Ende doch etwas fehlt. Gleich vorweg: Direkt aufgefallen ist mir – und das ist hier positiv zu bewerten – dass keinerlei Benachrichtigungen vom Smartphone eingehen. Wer das unbedingt benötigt, sollte sich woanders umschauen. Was mich hingegen dann doch etwas ärgert, ist, dass sich das Fitbit Air nicht die Weckzeiten vom Smartphone zieht, sondern man innerhalb der Health-App dann eigene Weckzeiten anlegen muss. Hier könnte aber ein zukünftiges Update noch nachbessern – ich hoffe zumindest darauf. Denn immerhin hat das Band einen kleinen Vibrationsmotor verbaut, der dezent vibrierend für Unterstützung beim Aufwachen sorgen soll.

Von der Haptik des Fitbit Air bin ich sehr angetan, wenngleich das vielleicht auch am Minimalismus liegen mag. Die Kapsel mit Google-G als Logo lagert sicher und fest im schmalen Rahmen, in den dann auch das Band direkt eingelassen ist. Möchte man ein anderes Band verwenden, dann wird einfach die Kapsel in das neue Band eingesetzt, hier gibt es keine Scharniere oder andere Mechanismen, die man überwinden muss. Die Schnalle am Kapselhalter ist aus Edelstahl und entsprechend robust, das Band wird per Klettverschluss stufenlos dem Handgelenk angepasst. Das alles wirkt bisher sehr gut umgesetzt, nichts wackelt oder dergleichen.

Das Festziehen des Armbands ist minimal frickelig, da das Band selbst ja über die Kapsel gezogen wird, statt wie bei einer Smartwatch durch die Schnalle und dann zurück ans Armband geklettet. Will heißen: Ihr zieht das Armband durch die Schnalle, drückt dann am besten mit einem Finger der ziehenden Hand die Kapsel auf das Handgelenk und zieht parallel das Band weiter über die Kapsel hinweg, bis ihr es ankletten könnt. Klingt aber definitiv gelesen schwieriger, als es am Ende dann wirklich ist.

An der Unterseite der Kapsel befinden sich gut sichtbar zahlreiche Sensoren und auch die beiden Ladepins, an denen sich der magnetische Ladepuck dann bidirektional andocken lässt. Das heißt also, dass es egal ist, wie herum ihr das Band an den Puck anlegt, es wird auf jeden Fall sofort magnetisch gehalten und aufgeladen. Nach rund 90 Minuten ist das Air dann auch komplett aufgeladen, laut Google sollen schon 5 Minuten Ladung ausreichen, um das Band einen vollen Tag nutzen zu können. Während meiner bisherigen Testperiode scheinen sich die von Google angegebenen Werte für die Nutzung mit einem vollen Akku jedenfalls zu bestätigen. Ich lade das Air einmalig am Sonntagabend auf, lege es dann wieder an und kann es die komplette Woche hindurch nutzen, ohne mir Sorgen darüber machen zu müssen, dass der Akku leergeht. Eine kleine LED an der Seite informiert euch zudem völlig unaufdringlich über den aktuellen Akkuzustand – wenn rot, dann wird bald das Laden unabdingbar.

Dank des geringen Gewichts fällt das Tragen des Fitbit Air zudem kaum auf, weshalb es mich auch weder beim Schlafen noch beim Duschen (ich habe es beim ersten Mal Duschen tatsächlich komplett vergessen, dass ich es trage) stört. Damit war dann auch die Wasserbeständigkeit bestätigt, bis zu 50 m Tiefe gibt Google hier als Maximalwert an – „wasserabweisend bis 50 Meter“.

Ohne die nötige Software ist aber der beste Tracker nichts wert. Google setzt hier seit Langem schon auf die Fitbit-App, die ja nun aber zu Google Health umgetauft wird. Zudem fungiert der sogenannte Health Coach als intelligenter Assistent, sofern ihr Nutzer von Fitbit Premium für 8,99 Euro im Monat seid. Google hatte mir den Coach hier nun schon einige Zeit angeboten, um ihn ausgiebig zu testen, und in Verbindung mit dem Air habe ich ihn nun auch mal etwas ausgiebiger genutzt. Das Konzept basiert auf Gemini, wurde aber laut Google durch medizinische Gremien dahingehend eingeschränkt, als dass der Coach sich wirklich ausschließlich auf eure Gesundheit und Fitness bezieht – ein Fitness-Agent also gewissermaßen.

Neben all den üblichen Messwerten und Statistiken bekommt ihr dann nämlich auch noch regelmäßig Kommentare und Tipps vom Coach eingestreut, mit denen euch geholfen werden soll, noch gesünder und fitter durch den Tag zu kommen. Zudem lassen sich nun auch Mahlzeiten per Foto und KI-Erkennung tracken, das klappte in meinen Tests bisher aber noch eher so durchschnittlich gut. Ein klassisches Käsebrötchen mit Ei und Salat darauf wurde direkt als Produkt von Starbucks erkannt und bewertet und mit seinen dort hinterlegten Kalorien und Co. eingetragen. Hier wäre es schon angenehmer, wenn die einzelnen Zutaten erkannt und entsprechend eingetragen werden. Die jeweiligen Portionsgrößen können ja auch mehr geraten als zuverlässig eingetragen werden.

Aus Käsebrötchen mit Ei wird in der KI-Erkennung aktuell noch ein teurer Bagel vom Kaffeehaus

Hier kann man aber auch anders an das Problem herantreten und dem Coach per Sprache mitteilen, was man gerade zu sich genommen hat oder auch, welche Sporteinheit man vielleicht gerade getätigt hat, bei der man seine Smartwatch oder das Fitbit Air gerade mal nicht umhatte. So habe ich dem Coach dann einfach per Spracheingabe meine einzelnen Frühstücksinhalte heruntergebetet, die KI ermittelt anschließend die etwaigen Kalorien und bietet mir noch an, die jeweiligen Portionsgrößen nachträglich anzupassen, falls etwas nicht passen sollte:

Fakt ist aber auch, dass der Coach an sich aktuell noch sehr träge in seinen Antworten reagiert. Für Hektiker, die „mal eben schnell“ darüber etwas eintragen lassen möchten oder sich anderweitig mit dem Coach austauschen wollen, wäre das mit Sicherheit nichts. Hier wird sich aber hundertprozentig in Zukunft mit neuen Modellen, etc. auch noch etwas tun, da bin ich mir sicher.

Der Health Coach agiert zudem auch als Berater, gibt euch also anhand der gemessenen Werte und Aktivitäten regelmäßig Tipps, wie ihr zu euren von euch festgelegten Zielen kommen könnt. Nach einer viel zu kurzen Nacht rät er beispielsweise zu eher moderaten Anstrengungen, viel Frischluft und Tageslicht, findet dann aber auch Lösungen, wenn man stattdessen für den Folgetag dennoch eine Trainingssession geplant hatte. Das sind am Ende aber eben alles auch Funktionen und Angebote, die man als Normalnutzer nicht zwingend braucht und sich darum nun auch nicht mit aller Macht zu einem Premium-Abo verleiten lassen muss. Mit Blick auf die Preise der Mitbewerber von Whoop, sollte dann aber vielleicht dennoch klar sein, dass man hier definitiv günstiger mit dem vollen Angebot unterwegs ist.

Wie eingangs erwähnt, nutze ich das Air aktuell hauptsächlich allein, unabhängig von der Pixel Watch. Das liegt aber mehr daran, dass mir eben hauptsächlich an den Tracking-Features gelegen ist als an Benachrichtigungen und der Uhrzeit. Das Schöne ist aber, dass ihr rein theoretisch, sofern die Smartwatch-Funktionen dann doch nicht fehlen dürfen, beide Geräte parallel nutzen könnt. Sie werden auch beide in der Health-App synchronisiert, sodass es dort zu einem Abgleich der Daten kommt, entsprechend auch nichts doppelt eingetragen wird. Für mich persönlich ergibt sich aber einfach nicht der Mehrwert vom Tragen beider Geräte gleichzeitig, da schließlich auch die Pixel Watch für sich allein schon alles Notwendige tracken würde – nur eben mit deutlich weniger Akkulaufzeit.

Zum Thema Akku noch einmal: Möchte man wissen, wie voll der Akku vom Air aktuell noch in etwa ist, dann reicht ein doppeltes Antippen auf der Oberseite der Kapsel. Anschließend leuchtet die kleine LED an der Seite kurz auf: weiß blinkend, wenn der Akku zwischen 20 % und 100 % liegt; rot blinkend, wenn der Akkustand unterhalb von 20 % liegt und durchgehend rot, wenn das Gerät quasi leer ist. Sollte der Akku nur noch für knapp einen Tag durchhalten, informiert euch das Band auch über den Umstand über die App.

Ich bin aktuell tatsächlich sehr gerne mal viel lieber mit dem minimalistischen Air am Arm unterwegs als mit einer regelmäßig über alles informierenden Watch, deren Akkulaufzeit natürlich auch eine ganz andere ist. Das gleichzeitige Tragen ergibt sich mir persönlich bislang nicht, aber das muss eben jeder für sich selbst entscheiden. Gegenüber Whoop bekommt man hier aber meines Erachtens nach eine definitiv lohnenswertere Alternative, deren KI-Coach schon jetzt eine Menge richtig macht und dem Träger des Armband hier und da auch nützliche Tipps einstreut. Für unter 100 Euro kann man da meiner Meinung nach sehr gut auf ein Display verzichten. Für mich wäre es nun eigentlich nur noch notwendig, die am Smartphone eingestellten Weckzeiten auch mit dem Band synchronisiert zu bekommen, ohne in der App erst zusätzliche Zeiten eintragen zu müssen.

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