#Gastbeitrag – So unterscheiden sich das deutsche und nordische Startup-Ökosystem

Als Venture Capitalist aus Dänemark habe ich in den letzten Jahren umfassende Einblicke in die Dynamik zwischen dem deutschen und dem nordischen Startup-Ökosystem bekommen. Beide Regionen bieten einzigartige Vorteile und stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen. 

Das Startup-Ökosystem in Deutschland – Europas größter Volkswirtschaft – hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark entwickelt, angetrieben durch eine bessere Regulierung, Zugang zu Kapital und eine akademische Infrastruktur, die Unternehmertum fördert. In den nordischen Ländern hingegen sehen wir weiterhin ein sehr starkes Engagement seitens LPs für Technologie, Innovation und zunehmend dynamische Tech-Hubs in und außerhalb der Hauptstädte wie Stockholm, Kopenhagen und Helsinki.

Auch wenn Größe und Entwicklungsstand der Ökosysteme noch recht unterschiedlich sind – ich sehe viele Synergien und Verbindungen. 

Viel Kapital für Innovation und Unternehmertum in den nordischen Ländern 

Die nordischen Länder – Finnland, Schweden und Dänemark – sind traditionell für ihr großes Engagement bei Investments für Innovationen und Entrepreneurship bekannt, d.h. ein großer Prozentsatz des BIP fließt in Private Equity und Venture Capital Investitionen: Die nordischen Länder investieren zwischen 0,76 % und 0,83 % ihres BIP in Startup-Unternehmen. Dies zeugt von einem starken Engagement für die Förderung von Innovationen und die Unterstützung von Gründern.

Seit vielen Jahren unterstützen die nordischen Staatsfonds das Startup-Ökosystem intensiv; Fonds wie EIFO, Sam Invest/Ami und Investinor sind Katalysatoren für ihre jeweiligen Ökosysteme. Hingegen werden in Deutschland nur 0,31 % des BIP für Startup-Investitionen ausgegeben. Damit liegt Deutschland nicht nur unter den nordischen Investitionsquoten, sondern auch unterhalb des europäischen Durchschnitts von 0,46 %. 

Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland mehr Wachstumskapital für Startups und Scale-ups. 

Deutsche Startups sind Vorreiter im B2B-Bereich / Digitalisierung des Mittelstandes 

Das Deutsche Ökosystem ist besonders stark im Bereich Vertical SaaS – nicht zuletzt sicherlich, weil Deutschland im Bereich Mittelstand und Industrie sehr stark aufgestellt ist. Darüber hinaus sehen wir in Deutschland geraden einen starken Aufschwung bei KI-basierten Startups, insbesondere im B2B-Sektor. Dieser Trend macht den Standort Deutschland für uns als Investor immer attraktiver. Die größte Chance für Innovation und Wachstum in Deutschland wird in meinen Augen die Digitalisierung des deutschen Mittelstands sein.

Zudem gibt es in meinen Augen großes Potential für technische Startups und Universitäts Ausgründungen. Deutschlands zahlreiche Universitäten und Forschungseinrichtungen schaffen eine starke Bildungslandschaft, allen voran technische Universitäten wie die TU München, das Karlsruher Institut für Technologie und die RWTH Aachen. Viele Studenten gründen während ihres Studiums ihr erstes Unternehmen. Die Hälfte aller Startups in Deutschland wird derzeit von ihren Hochschulen bei der Gründung unterstützt. 

Wir freuen uns darauf, mit deutschen Unternehmern und Investoren zusammenzuarbeiten, um den Mittelstand in Deutschland – und darüber hinaus – zu digitalisieren.

Nordische Startups – global ausgerichtet seit Tag 1

Die internationale Ausrichtung von Startups in den nordischen Ländern, insbesondere in Dänemark, ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Entwicklung und Skalierung von Startups. Skandinavische Startups sind vom ersten Tag an global ausgerichtet, was es ihnen ermöglicht, auf weltweiten Märkten zu agieren und zu wachsen. Diese globale Denkweise wird durch ein hohes Maß an Innovation und eine positive Haltung gegenüber Startups im nordischen Raum verstärkt. 

Zusätzlich unterstützen die Regierungen der nordischen Länder Startups aktiv durch viele Programme und Initiativen, was die Rahmenbedingungen für ihren Erfolg weiter verbessert. Die enge Vernetzung innerhalb der nordischen Startup-Szene erleichtert zudem den Zugang zu Wissen, Ressourcen und potenziellen Partnern, was die internationale Expansion von Unternehmen effektiv unterstützt.

Während das deutsche Startup-Ökosystem dem Nordischen sicherlich ein Jahrzehnt voraus ist – und hauptsächlich organisch mit Ökosystemen um Rocket Internet, Zalando und dergleichen wuchs, verfügt Dänemark mit rund 20.000 Startups pro Jahr über eine der dynamischsten Startup-Szenen in Europa. Die Szene konzentriert sich zwar weitgehend auf Kopenhagen, wo etwa 40 % dieser Unternehmen angesiedelt sind, aber auch in der Stadt Aarhus entstehen interessante Unternehmen, was dem dänischen Ökosystem eine weitere Dimension verleiht. In den nordischen Ländern sind Fintech (z. B. Klarna, Pleo) und digitale Unterhaltung (z. B. Supercell, King) traditionell stark vertreten.

Brücken bauen, oder: Was wir voneinander lernen können

Als dänischer VC, der in den nordischen Ländern und in Europa investiert und viel Zeit in Deutschland verbracht hat, denke ich, dass wir uns stärker zwischen den Ökosystemen vernetzen sollten: Mehr Austausch, gegenseitige Besuche – bei Konferenzen und Events – und darüber hinaus natürlich auch mehr gemeinsame Investitionen. 

Ich sehe viele Möglichkeiten für mehr Co-Investments und  mehr Zusammenarbeit – zwischen VCs und Gründern, und nicht zuletzt zwischen LPs. Es wäre schön, wenn sich auch die LPs stärker vernetzen würden, denn sowohl das nordische als auch das deutsche Ökosystem haben starke, sich ergänzende Assets.

Wir lernen viel von deutschen Gründer:innen und -Investor:innen – wir freuen uns darauf, ihr Partner zu sein, wenn es darum geht, den Weg in die nordischen Märkte zu ebnen. Besonders begeistert sind wir vor allem darüber, was wir in den Bereichen B2B, Vertical Saas, Fintech, DevOps, Industrie 4.0 und Manufacturing, Logistics sehen und was die Zukunft hier zu bieten hat. 

Über den Autor


Carsten Salling ist General Partner bei Dreamcraft Ventures. Vor seiner Zeit bei Dreamcraft war Carsten in Führungspositionen bei der dänischen Armee und bei Maersk (ein globales Schifffahrts- und Logistikunternehmen) tätig – und hat umfangreiche Erfahrung in den Bereichen Innovation und BizDev. Carsten ist Absolvent der Danish Army Officers Academy und der Copenhagen Business School.

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Foto (oben): Shutterstock

Ein dänisches Startup druckt Tiny Houses im 3D-Drucker – so sehen sie von innen aus

Das Unternehmen 3DCP will den Hausbau revolutionieren.

Das Unternehmen 3DCP will den Hausbau revolutionieren.

3DCP Group

Wohnungsbau ist teuer und aufwendig. Ein dänisches Startup versucht das zu ändern und entwickelt die Hausbau-Technik der Zukunft. Statt mit einem Betonmischer, drucken die Dänen mithilfe eines 3D-Druckers einfach ein gesamtes Haus. Hier könnt ihr das neueste Projekt bestaunen.

Ein dänisches Startup druckt Tiny Houses im 3D-Drucker – so sieht ein Haus von innen aus


3DCP Group

In Dänemark ist ein neues Haus mit Hilfe eines 3D-Druckers entstanden.


3DCP Group

So sieht es aus.


3DCP Group

Der 3D-Druck-Hausbau hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen, da Startups wie die 3DCP Group, die hinter diesem neuen Haus stecken, weiterhin die Alternative zum traditionellen Hausbau erforschen.


3DCP Group

Das Drucken von Gebäuden mag wie ein futuristisches Konzept erscheinen, aber die Technologie ist bereits einsetzbar und wird genutzt, um Häuser zu bauen.


Casey Dunn

Gebäude, die mit 3D-Druckern hergestellt wurden, gibt es jetzt auf der ganzen Welt, von einem Luxushaus in Austin, im US-Bundesstaat Texas …


BOTO Friddet

… zu einem Schulgebäude in Madagaskar …


3DCP Group

… bis zu diesem neuen Tiny Home in Dänemark namens House 1.0.


3DCP Group

Es gibt in Europa bereits einige Häuser aus 3D-Druckern.


Im Jahr 2021 zog ein Paar für etwa 1.400 US-Dollar pro Monat in ein Haus aus gedrucktem Beton in Eindhoven in den Niederlanden.


3DCP Group

Aber im Gegensatz zu dem 1.012 Quadratmeter großen Haus in den Niederlanden steht der Neubau der 3DCP Group in Dänemark auf zierlichen 398 Quadratmetern.


3DCP Group

Das Haus war der „Proof of Concept“ der 3DCP Group, um der Gemeinde und den Investoren zu zeigen, dass die Technologie im kalten und nassen Klima der Region bewohnbare Gebäude schaffen kann.


3DCP Group

Und das Projekt – der erste Bau des Startups – war ein Erfolg, sagte Mikkel Brich, Mitbegründer und Chef der 3DCP Group.


3DCP Group

„Es sieht nicht so beeindruckend aus, wenn man auf der Straße daran vorbeifährt, aber eigentlich ist es ein ziemlich großer Sprung für die Baubranche und die Zukunft des Bauens“, sagte Brich.


3DCP Group

Um die kleine Wohneinheit zu schaffen, setzte 3DCP den BOD2-Drucker des benachbarten dänischen Bautechnologieunternehmens COBOD ein.


Im Gegensatz zu den meisten traditionellen Bauprojekten dauerte die Planung von Haus 1.0 nicht Jahre oder Monate.


3DCP Group

Da das Startup COBOD-Mitarbeiter mit einem Hintergrund im 3D-Druck benötigte und ausleihen musste, hatte die 3DCP Group stattdessen nur fünf Wochen Zeit, um das Haus zu entwerfen und zu bauen.


3DCP Group

Das Team arbeitete 18 Stunden am Tag, um das Projekt abzuschließen.


3DCP Group

Doch während der fünfwöchigen intensiven Arbeit war der Drucker nur 22 Stunden aktiv.


3DCP Group

Die Verwendung eines 3D-Druckers anstelle traditioneller Hausbaumethoden ermöglicht es Unternehmen, Häuser schneller und effizienter zu bauen.


3DCP Group

Notwendige Dinge wie Elektro- und Sanitärinstallationen wurden fertiggestellt, während das Haus gedruckt wurde.


3DCP Group

Und da das Drucksystem flexibel ist, konnte das Team das Haus während des Druckens neu zeichnen und neu gestalten.


3DCP Group

Weniger als ein ganzer Drucktag mag schnell erscheinen.


3DCP Group

Aber laut Brich hätte die gesamte Einheit innerhalb von zehn Stunden gedruckt werden können, wenn das Gebäude nicht den dänischen Bauvorschriften entsprechen müsste.


3DCP Group

Trotz der schnellen Bearbeitungszeit und der langen Arbeitstage hat das Projekt „alle Erwartungen übertroffen“ und sogar mehrere Premieren für die aufstrebende Bautechnologiebranche geschaffen.


3DCP Group

Haus 1.0 wird gekrönt mit dem weltweit ersten 3D-gedruckten Dach …


3DCP Group

… und ist laut Brich die erste Einheit, die mit echtem Beton gedruckt wird.


3DCP Group

„Ich habe auf der Baustelle wahrscheinlich zehn oder 15 Mal geweint. Wir sind die Ersten, die das machen, also geht das Zeug kaputt“, sagte Brich und erklärte, dass die Betonmischung die Pumpe des 3D-Druckers während des Projekts dreimal lahmlegte.


3DCP Group

Der Bau dieses einzigartigen Hauses war eine Gemeinschaftsleistung.


3DCP Group

Die lokalen Bewohner boten reichlich kostenlose Hilfe und Materialien für das Projekt an, darunter Beton, Elektroarbeiten und halfen mit ihrer Arbeitskraft.


3DCP Group

Brich schätzt, dass die Errichtung des Tiny Homes rund 100.000 US-Dollar gekostet hätte, wenn sie keine kostenlose Hilfe angenommen hätten.


3DCP Group

Und zu seiner Überraschung hat sich das Tiny Home inzwischen zu einem weltweiten Erfolg entwickelt.


3DCP Group

Das Haus wurde im März fertiggestellt und vor Kurzem für ein begeistertes Publikum geöffnet. Besucher kamen aus Ländern wie den USA, Singapur, Australien und Guatemala.


3DCP Group

„Wir nutzen die Faszination Zukunft“, sagte Brich. „Das ist fast Science-Fiction.


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Im Inneren sieht das Gebäude anders aus als jedes traditionelle Tiny House.


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Es ist mit geschwungenen Wänden gefüllt, die wie gesprenkeltes Sahnehäubchen auf einer Torte aussehen, ein Look, der ohne Drucker nur schwer zu schaffen ist.


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Dieses unverwechselbare Erscheinungsbild, kombiniert mit der Effizienz des Druckers, ist der Grund, warum Brich und andere 3D-Druck-Enthusiasten glauben, dass die Technologie im Vergleich zu herkömmlichen Hausbaumethoden effizienter und kostengünstiger einzigartige Häuser schaffen kann.


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„Der Drucker hat keine Gewerkschaft. Er braucht keine Rauchpause“, sagte Brich.


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Die Anhänger des 3D-Drucks machen kühne Versprechungen über die Zukunft des Hausbaus, aber das Konzept steckt noch in den Kinderschuhen …


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… weswegen die Technik noch nicht so umweltfreundlich oder günstig ist, wie sie eines Tages sein soll.


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Brich glaubt jedoch, dass dieses Drucksystem in den nächsten fünf bis zehn Jahren den Preis von Häusern um 50 Prozent senken könnte.


3DCP Group

Bis dahin macht 3DCP auch vor kleinen Häusern nicht halt.


3DCP Group

Das Unternehmen arbeitet jetzt mit der Gemeinde zusammen, um 3D-gedruckte Studentenwohnheime und ein Gemeinschaftsgebäude zu bauen.


3DCP Group

Das Projekt ist noch nicht offiziell bestätigt, aber wenn es bestätigt wird, könnte es „die Grenzen dessen, was man mit 3D-Druck machen kann, wirklich verschieben“, sagt Brich. „Das wird den 3D-Druck auf die nächste Stufe heben.“

Dieser Artikel wurde von Klemens Handke aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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