#Interview – “Habt Geduld, bleibt kritisch. Denkt groß! Lasst euch nicht abschrecken”

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Alexander Piutti, Gründer von SPRK. Das Startup tritt an, “die Lebensmittelverschwendung zusammen mit allen Teilnehmern der Lieferkette signifikant zu reduzieren und langfristig zu vermeiden”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Ich stehe in der Regel früh auf, mache vor dem Frühstück die Tagesplanung und bearbeite die ersten Mails. Im Sommer drehe ich oft mit dem Mountainbike eine Runde durch den Wald, genieße die Natur und die wunderbare Morgenstimmung, das ist immer ein top Start in den Tag – egal wie das Wetter ist. Gegen 9 Uhr startet der Austausch: zum Beispiel per Daily Stand-up mit dem Team oder bei Gesprächen mit Partnerinnen und Partner der Lieferkette sowie der Abnehmerseite. Oder es stehen Telefonate an mit strategischen Partnerinnen und Partnern sowie Investorinnen und Investoren.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?


Familie. Das erdet mich. Zwei kleine Kinder zuhause – das ist der komplette Tapetenwechsel und macht mir den Kopf frei. Das sind ein paar Stunden digitaler Detox. Danach geht’s in der Regel nochmal an den Schreibtisch. 

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?


Eine Erfahrung, die ich nicht nur bei der Gründung von SPRK.global gemacht habe, sondern auch schon bei vorherigen Unternehmungen ist, dass es immer vier Dinge braucht: Begeisterung, als Voraussetzung zur Partner- und Kundengewinnung – sonst kann man auch niemanden auf die Reise mitnehmen, Beharrlichkeit (‘persistance’) – also, jede Menge Steine umdrehen und das übergeordnete Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, Flexibilität – oft kommt es anders als man denkt und last but not least: Geduld, was auch nach vielen Jahren Unternehmertum noch immer nicht zu meinen Stärken zählt. Bis zur Gründung von SPRK.global war es eine lange und spannende Reise – von der Idee bis zur Umsetzung sind gut vier, fünf Jahre vergangen. In der Zeit habe ich unzählige Gespräche mit unterschiedlichen Stakeholdern aus der Lebensmittelbranche geführt, aber auch mit kommerziellen und gemeinnützigen Abnehmerinnen und Abnehmern. Das sind sehr unterschiedliche Zielgruppen. Dazu braucht es quasi eine Art Getriebe im Kopf, um die unterschiedlichen Agenden und Bedürfnisse der Zielgruppen übereinander zu bekommen. Ich habe enorm viel gelernt – auch über mich selbst – und auf Basis der Rückmeldungen den Ansatz immer wieder hinterfragt und mit den Partnerinnen und Partnern optimiert, bis ich wusste: So klappt es! 

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


In der Phase vor der Gründung ist es alles entscheidend, Vertrauen mit den Entscheiderinnen und Entscheidern aufzubauen. Lebensmittelverschwendung ist ein sensibles Thema und es braucht Empathie für den Gegenüber als Teil der Lieferkette. Keiner hat ein vollständiges Bild, wir setzen es langsam zusammen. Das heisst gerade zu Beginn: Meetings, Meetings, Meetings – bis die Annahmen validiert sind, das innovative Business-Modell auf Herz und Nieren geprüft und bestätigt ist und man für sich selber klärt: Lohnt sich der Aufwand? Das meine ich auch finanziell – aber eben nicht ausschließlich. Bis zur Gründung habe ich die Idee von SPRK aus eigener Tasche finanziert. Ich habe als Familienvater jahrelang auf Einkommen verzichtet, es gab viele Gespräche am Küchentisch, bei denen es darum ging, wie lange das noch gehen soll. Und damit bin ich beim zweiten Aspekt: Den Nerven. Gründen ist unfassbar aufregend, aber auch nervenaufreibend. Zum Glück ist SPRK nicht das erste Business, das ich auf die Beine stelle – daher konnte ich oft auf meine Erfahrung zurückgreifen und in kritischen Phasen immer wieder reflektieren, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. 

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Ich denke ich habe in den Jahren keinen Fehler ausgelassen, wirklich. Anfangs habe ich mich auf Leute eingelassen, die sich gut verkauft haben, letztlich aber nicht lieferten, was sie versprochen hatten. Das gefährdet das Vorhaben. Daher: Lieber mehr Zeit mitbringen, um das Team, Partnerinnen und Partner sowie Investorinnen und Investoren in Ruhe kennenzulernen und so ein stabiles Venture aufzubauen. Das ist mitunter eine schwierige Abwägung: schnell sein versus in Ruhe abwägen. Langfristig schafft die Ruhe aber Qualität und Sicherheit – und zahlt sich aus. 

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?


Super wichtige Frage, die uns auch aktuell besonders beschäftigt. Denn wir wachsen und suchen in verschiedenen Bereichen neue Kolleginnen und Kollegen, vor allem im Bereich IT-Development für unsere kuratierte Marketplace Plattform. Ein gutes Netzwerk ist Gold wert, aber wir stellen auch fest, dass es ruhig noch mehr Portale geben könnte, auf denen Jobs im Tech- & Impact-Bereich vorgestellt werden. Letztlich kommt es im persönlichen Kennenlernen darauf an, ob man zusammenpasst und das gleiche Verständnis für das Business hat. Spirit und Persönlichkeit sind am Ende wichtiger, als die eine Fähigkeit bei der man (noch) kein Häckchen setzen kann im Lebenslauf. 

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Habt Geduld, bleibt kritisch. Denkt groß! Lasst euch nicht abschrecken. Geht die wirklich großen Probleme an, da ist volles Potenzial. Hinterfragt euer Modell und baut auf die Expertinnen und Experten, die sich in eurem Business-Bereich auskennen – z. B. frühzeitig einen guten Beirat aufbauen als Advisory Board zu den einzelnen Facetten, die euer Venture braucht. Das gibt euch Rückenwind und Glaubwürdigkeit. Und natürlich: Habt den Mut, mit euren Ideen rauszugehen. Gerade im Bereich Impact gibt es noch viele spannende Lücken, die es zu füllen gilt. 

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Google Suite inkl. Google Drive. Das ist eine hammer Erleichterung für alle. Gemeinsames Arbeiten online, sowohl intern wie extern. So werden zum Beispiel keine unterschiedlichen Textversionen mehr als Dokument per Mail verschickt, was insbesondere bei komplexen Themen und größeren Teilnehmergruppen nicht funktioniert. Also, in Prozesse investieren, um synchronisiert zu arbeiten und schnell zu bleiben. Das hilft dem Venture, ein ‘edge’ aufzubauen und diesen auch zu halten. 

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?


Uns ist regelmäßiger Austausch auf Augenhöhe super wichtig und auch, dass der Spaß nicht zu kurz kommt – und das meinen wir ernst. Unser Vorhaben ist ambitioniert und anspruchsvoll. Es gibt niemanden im Markt, den wir als Vorbild nehmen können. Wir sind Pioniere. Es ist wichtig, gemeinsame Erfolge zu feiern und nicht einfach weiter zu hasten von Etappenziel zu Etappenziel. Rauf und runterschalten, je nach Situation. Da ist es wieder, das Getriebe. 

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Young Sohn ist als Co-Founder der XTC Extreme Tech Challenge und als ehemaliger Präsident von Samsung Electronics nach unserem weltweit ersten Platz bei der XTC in 2020 (Kategorie Smart Cities) bei uns als Investor eingestiegen. Danach hat sich auch eine wunderbare Beziehung aufgebaut, wofür ich sehr dankbar bin. Dies nur als Beispiel. Also, nichts ist unmöglich. Man muss die Dinge gedanklich einfach zulassen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch wirklich passieren. Think big! 

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): SPRK

#Interview – “Wir glauben fest, dass Confidential-Computing zu einem riesen Thema wird”

#Interview

Bei Edgeless Systems aus Bochum im Ruhrgebiet dreht sich alles um Confidential Computing. “Mit unserer Technologie können Daten im verschlüsselten Zustand und präzise nachvollziehbar verarbeitet werden”, sagt Gründer Felix Schuster.

“Wir glauben fest, dass Confidential-Computing zu einem riesen Thema wird”

Dienstag, 22. Juni 2021VonAlexander Hüsing

Das Bochumer Unternehmen Edgeless Systems, das 2020 von Felix Schuster (ehemals Microsoft) und Thomas Tendyck (ehemals G Data) gegründet wurde, entwickelt eine “hochsichere relationale Datenbank für die Cloud”. Durch eine Kombination aus “sicherer Hardware und innovativem Software-Engineering” verspricht das Startup dabei “echte Ende-zu-Ende Verschlüsselung und Verifizierbarkeit”. Acequia Capital, Inventures, die Six Group und einige Business Angels investierten zuletzt 1,45 Millionen Euro in die Jungfirma aus dem Ruhrgebiet.

Das Startup setzt beim Markteintritt auf eine Open-Source-Strategie. “Auf der Basis werden wir die klassischen Open-Source-Geschäftsmodelle verfolgen, also bezahlte Premium-Features und SaaS-Angebote”, sagt Gründer Schuster. Im Mini-Interview mit deutsche-startups.de spricht er außerdem über Potenziale, Kundenakquise und das Ruhrgebiet.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Edgeless Systems erklären?


Mit unserer Technologie können Daten im verschlüsselten Zustand und präzise nachvollziehbar verarbeitet werden. Das hilft mit vielen Problemen in den Bereichen Datensicherheit und Datenschutz – also gegen Hacker und Missbrauch von Daten. Man weiß genau was mit den Daten passiert und weiß wer darauf Zugriff hat. Oder noch einfacher: Wir entwickeln die sicherste Datenbank der Welt.

Welches Problem genau wollt Ihr mit Edgeless Systems lösen?


Mit Confidential-Computing können Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt und verifizierbar verarbeiten werden. Das birgt enormes Potenzial – gerade in der Cloud oder bei KI. Die nötige Hardware ist schon breit verfügbar – es fehlt noch die Software. Wir entwickeln Open-Source-Software, die Confidential-Computing leicht nutzbar, skalierbar und integrierbar macht.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet Edgeless Systems ein Erfolg?


Wir glauben fest, dass Confidential-Computing zu einem riesen Thema wird, weil es einfach viele Probleme bei Datensicherheit und -schutz an der Wurzel packt. Innerhalb des aktuell noch relativ kleinen Markts sehen wir uns sehr gut aufgestellt: Wir haben ein super Team, hervorragende Technologie und starke Partner wie Intel. Bei Microsoft war ich zum Beispiel einer der Ersten, die an dem Thema Confidential-Computing gearbeitet haben.

Die Corona-Krise traf die Startup-Szene zuletzt teilweise hart. Wie habt ihr die Auswirkungen gespürt?


Natürlich hatte die Krise die üblichen Auswirkungen auf den Office-Betrieb. Daneben haben die Reisebeschränkungen auch Vieles effizienter gemacht. Die meisten Kunden- und Investorengespräche konnten wir per Zoom erledigen und so viel Zeit sparen. Unsere In-House-Konferenz OC3 war als reines Online-Event einfacher zu organisieren und war mit einigen hundert Teilnehmern erfolgreicher als gedacht. Negative Auswirkungen etwa bei der Partner- und Kundenakquise haben wir nur zu Beginn der ersten Welle wahrgenommen.

Ihr konntet gerade 1,45 Millionen Euro einsammeln. Wofür braucht ihr das Geld?


Aktuell besteht unser Team hauptsächlich aus Entwicklern und Ingenieuren. Da wollen wir weiter wachsen. Daneben wollen wir die Themen Marketing und Vertrieb stärker in den Fokus rücken und uns entsprechend verstärken.

Wo steht Edgeless Systems in einem Jahr?


Unser aktuelles Ziel ist es mit Hilfe von Open-Source zum sichtbarsten Startup im Bereich Confidential-Computing zu werden und Standards zu setzen. In einem Jahr wollen wir einer der zentralen Spieler in dem Bereich sein und erste kommerziell erfolgreiche Produkte auf Basis unseres Open-Source-Ökosystems am Markt haben. Wir gehen auch davon aus, dass wir in einem Jahr erste große Projekte sehen werden, die mit Hilfe unserer Tools umgesetzt wurden – zum Beispiel Ende-zu-Ende sichere KI-Pipelines die Daten aus vernetzten Fahrzeugen verarbeiten.

Reden wir zudem noch über das Ruhrgebiet. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?


Wir haben uns für den Standort entschieden, weil es ein paar starke Vorteile gibt: Niedrige Lebenshaltungskosten, ein relativ entspannter Wohnungsmarkt und super ausgebildete Entwickler von den Unis in Bochum, Duisburg/Essen und Dortmund. Im Ruhrgebiet gibt es nicht so viel Konkurrenz um die Talente und man kann sich auch als junges Startup schnell einen Namen machen. Gerade Bochum mit seinem Cybersecurity-Schwerpunkt zieht Top-Studenten an und ist mittlerweile auch bei internationalen Investoren bekannt. Recruiting von außerhalb kann aber aufgrund des immer noch recht schlechten Rufs des Ruhrgebiets auch schwierig sein – nicht jeder zieht z.B. gerne von Berlin oder London hierher.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Bochum aus?


“Klein aber fein” beschreibt die Szene bei uns in Bochum ganz gut. Gerade wir Cyber-Security-Startups pflegen einen engen persönlichen Kontakt. Jeder kennt jeden. Vor Corona kam es schonmal vor, dass gefühlt alle CEOs zusammen in der Ostkurve beim VfL standen.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?


Mehr interessante Büroflächen; eine weitere Verbesserung der Ausbildung an den Unis – da geht noch mehr; und natürlich mehr Zusammenarbeit zwischen Städten und Einrichtungen.

Themenschwerpunkt Ruhrgebiet

#Ruhrgebiet: Gemeinsam mit dem ruhrHUB berichtet deutsche-startups.de regelmäßig über die Startup-Szene im Ruhrgebiet. Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Digital-Gründer – mehr im Startup Guide Ruhrgebiet. Das Buch “Wann endlich grasen Einhörner an der Emscher” wiederum erzählt die spannendsten Startup- und Grown-Geschichten aus dem Ruhrgebiet.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Edgeless Systems

#Interview – Talentspace: Vom Event-Veranstalter zum Software-Unternehmen

Das Berliner Startup Talentspace, das 2017 an den Start ging, wandelte sich im Zuge der weltweiten Corona-Pandemie vom Event-Veranstalter zum Software-Unternehmen. “Seit dem Launch unserer Plattform veranstalten wir keine eigenen Events mehr, sondern sind ein reines SaaS-Geschäft: Universitäten, Unternehmen und andere Veranstalter nutzen Talentspace, um ihre eigenen Events und Aktivitäten über unsere Plattform umsetzen”, sagt Gründer Marco Eylert, der das Startup gemeinsam mit Jason Reich und Markus Dücker gegründet hat, zum Pivot.

Anderen Gründer:innen, die vor einem Pivot stehen, rät Eylert: “Seid flexibel und hört darauf, was eure – potenziellen – Kunden wirklich brauchen werden. Es geht weniger darum, dass Ihr eure Ideen verwirklicht, sondern vielmehr darum, etwas zu erschaffen, das mit den Needs eurer Kunden zusammenspielen kann”. Inzwischen wirken 40 Mitarbeiter:innen für das junge Unternehmen, das von 468 Capital, Axel Springer Plug and Play und Avala Capital finanziell unterstützt wird.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Talentspace-Macher Eylert außerdem über Remote Work, oberflächliche Gespräche und die Internationalisierung von Talentspace.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Talentspace erklären?


Mit Talentspace haben wir einen digitalen Raum geschaffen, in dem Arbeitgeber und Bewerber zusammenkommen, sich austauschen und zueinander finden können, und das sogar nachhaltiger, effizienter und zielführender als das bei klassischen Messen und Formaten möglich war. Unsere virtuelle Plattform bietet verschiedene Formate und Funktionen, bei denen die Interaktion im Mittelpunkt steht – und als Konsequenz finden Bewerber durch Talentspace besser einen Job und Unternehmen effizienter die passenden Mitarbeiter.

Hat sich das Konzept, das Geschäftsmodell, in den vergangenen Jahren irgendwie verändert?


Ja, und zwar grundlegend. Wir sind Ende 2017 mit Talentspace gestartet und für die ersten Jahre mit der Organisation von Karriere-Events hauptsächlich analog unterwegs gewesen. Wir haben zwar schon begonnen, klassische Events durch Technologie weiterzuentwickeln, haben diese aber noch selber europaweit umgesetzt. Der erste Lockdown wirkte dann wie ein Brandbeschleuniger für die Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells: Da physische Veranstaltungen ausfallen mussten, haben wir all unsere Insights und Energie in die Entwicklung der Plattform gesteckt.

Was war die größte Herausforderung, was die größte Schwierigkeit bei diesem Wandel?


Die größte Herausforderung war es, unser Geschäftsmodell in kürzester Zeit vom Eventveranstalter zum Software-Unternehmen zu entwickeln – sowohl was die Entwicklung des Produkts, die Weiterentwicklung der Kundenbeziehungen, aber auch die Zusammenstellung des Teams betraf. Für viele Unternehmen war das Benutzen der Plattform erstmal neu, aber wir konnten sie schnell von den Vorteilen überzeugen.

Welchen Tipp gibst du anderen Gründern, die vor einem Pivot stehen?


Seid flexibel und hört darauf, was eure – potenziellen – Kunden wirklich brauchen werden. Es geht weniger darum, dass Ihr eure Ideen verwirklicht, sondern vielmehr darum, etwas zu erschaffen, das mit den Needs eurer Kunden zusammenspielen kann. Versucht daher nicht, eure Idee auf Biegen und Brechen durchzukriegen, sondern seid flexibel und offen für die Zeichen der Zeit. Habt ihr eine Entscheidung erstmal getroffen, dann arbeitet auch daran, diese schnell und konsequent umzusetzen.

Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell jetzt?


Seit dem Launch unserer Plattform im Herbst 2020 veranstalten wir keine eigenen Events mehr, sondern sind ein reines SaaS-Geschäft: Universitäten, Unternehmen und andere Veranstalter nutzen Talentspace, um ihre eigenen Events und Aktivitäten über unsere Plattform umsetzen – und das kann von großen Karrieremessen, internen Mobilitäts-Events bis hin zu Assessment Center oder Firmenpräsentationen alles sein. Unsere Kunden zahlen uns dafür eine jährliche Lizenzgebühr. Wir bieten also im Grunde die technische Infrastruktur dafür, dass Unternehmen und Bewerber sich online kennenlernen können.

Die Corona-Krise traf die Startup-Szene zuletzt teilweise hart. Wie habt ihr die Auswirkungen gespürt?


Der Beginn der Pandemie war schon krass, da wir aus dem offline-Geschäft mit einem Umsatzrückgang von 100 % zu kämpfen hatten. Durch unsere schnelle Reaktion und die Umstellung des Geschäftsmodells auf online, sind wir im ersten halben Jahr aber mit einem blauen Auge ziemlich gut weggekommen. Die Zeit ab Sommer 2020 hatte es dann in sich: Eine Finanzierungsrunde von renommierten VCs, schnelles Wachstum, ein vergrößertes Team und neue Kunden weltweit. Schade war es schon, dass wir die Erfolge nicht gemeinsam feiern konnten, da natürlich auch unser Büro dicht ist. Doch ehrlich gesagt funktioniert das kollektive remote Arbeiten so gut, dass wir unsere Firma mittlerweile auf “Remote-first” umgestellt haben.

Wie ist überhaupt die Idee zu Talentspace entstanden?


Meine Mitgründer und ich kannten Karriere-Events schon aus unserer Uni-Zeit, gruselten uns aber vor den Goodybags und oberflächlichen Gesprächen. Diese Veranstaltungen waren immer ineffizient und am eigentlichen Ziel vorbei, da man kaum Einblicke in die Firmen, Jobs und Karrieremöglichkeiten bekam. Wir wollten eigene Formate durch die Integration von Technologie besser machen und die einzelnen Touchpoints sowohl für die Unternehmen als auch für die Teilnehmer*innen relevanter machen. Damit haben wir dann angefangen.

Wie hat sich Talentspace seit der Gründung entwickelt?


Auch das lässt sich am besten wohl mit dem Pivot im letzten Jahr beschreiben. Während wir in den ersten 2,5 Jahren ein gut wachsendes, profitables Business mit den analogen Events aufgebaut haben, war die Reichweite von offline-Events natürlich begrenzt: so haben wir in der ersten Phase unserer Firma rund 50 Veranstaltungen mit insgesamt 300 Unternehmen und knapp 10.000 Teilnehmern durchgeführt. Das hat sich stark verändert: Allein seit dem Sommer 2020 sind jetzt mehr als 1.600 Unternehmen und über hunderttausend Leute bei Veranstaltungen auf Talentspace miteinander in den Austausch gekommen. Wir helfen durch die Umstellung auf digitale Events also heute schon deutlich mehr Unternehmen und Bewerbern beim Recruiting als jemals zuvor.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Talentspace inzwischen?


Seit dem Launch im letzten Jahr sind wir dann auch kräftig gewachsen auf mittlerweile knapp 40 Mitarbeiter. Zudem werden wir es in diesem Quartal schaffen, erstmals die siebenstellige Umsatz-Marke zu knacken.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Im letzten November haben wir auch einmal die Tücken der digitalen Welt erfahren müssen. Mitten in einem großen Live-Event ging plötzlich nichts mehr und alle Verbindungen brachen weg. Wir hatten zunächst keine Ahnung, was los war und wie wir das Problem schnell fixen konnten – recht schnell erfuhren wir dann auch warum. AWS hatte einen riesigen Ausfall und legte gefühlt das halbe Internet lahm. Da war für uns dann auch wenig zu machen.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Wir haben wahrscheinlich vor allem den Mut gehabt, die Pandemie nicht einfach aussitzen zu wollen, um unser offline-Geschäft zu retten. Stattdessen haben wir diese als Chance begriffen, uns auf unsere online-Plattform zu fokussieren und die Entwicklung dieser zu beschleunigen. So sind wir direkt all-in auf die Entwicklung und den Launch der Plattform gegangen. Das hat sich rückblickend echt bezahlt gemacht.

Wo steht Talentspace in einem Jahr?


In einem Jahr wollen wir nicht nur unsere Internationalisierung in die USA weiter vorangetrieben haben, sondern vor allem die erste Anlaufstelle für die Interaktion im gesamten virtuellen Recruitingprozess von Unternehmen werden – also vom Kennenlernen bei Recruiting-Events, über Interviews, Assessment-Center bis hin zum Onboarding.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Talentspace

#Podcast – “Wir sehen in jedem Marktsegment einen maximalen Inflow of Money”

#Podcast

Der Düsseldorfer Kapitalgeber Crosslantic Capital. investiert zwischen 10 und 50 Millionen Euro in Unternehmen. Sascha van Holt, Managing Partner bei Crosslantic Capital.spricht im Interview unter anderem über Quick Commerce, die Strategie von Tiger Global und halbstündige Meetings in London.

“Wir sehen in jedem Marktsegment einen maximalen Inflow of Money”

Mittwoch, 2. Juni 2021Vonds-Team

In unserem Interview-Podcast ist diesmal Investor Sascha van Holt von Crosslantic Capital zu Gast. Der Düsseldorfer Kapitalgeber investiert zwischen 10 und 50 Millionen Euro in Unternehmen, die mindestens 10 Millionen Umsatz machen.

Im Gespräch mit Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, spricht van Holt, der zuvor etwa bei SevenVentures tätig war, unter anderem über Herausforderungen im E-Health-Segment, Kontaktpflege, Quick Commerce, die Strategie von Tiger Global, Positionierungen von Venture Capital-Gebern, das Trendthema Nachhaltigkeit, halbstündige Meetings in London, Gründerinnen und SPACS.

Unser Sponsor

Die heutige Ausgabe wird präsentiert vom ruhrHUB, dem digitalen Knotenpunkt für Startups, Unternehmen und Digital Natives im Ruhrgebiet. Auch in diesem Jahr veranstaltet der ruhrHUB wieder den ruhrSUMMIT. Das größte B2B-Startup-Event Deutschlands findet am 29./30. Juni wieder in hybrider Form statt. Analoge Komponenten in der Bochumer Jahrhunderthalle treffen dabei auf digitale, interaktive Elemente auf der Event-Plattform und garantieren so, ein Hybrid-Event der besonderen Art. Mehr Infos gibt es unter www.ruhrsummit.de. Du möchtest mit deinem Startup auf dem ruhrSUMMIT sichtbar sein und Unternehmen und Investor*innen auf dein Produkt, deinen Service aufmerksam machen? Dann bewirb dich bis zum 7. Juni für einen digitalen Startup Pitch und überzeuge das internationale Publikum von deiner Vision! Gefragt ist hier ein englischer Pitch (3 Minuten plus 4 Minuten Q&A). Das Bewerbungsformular für die digitale Pitch Stage findest du unter: www.ruhrsummit.de/start-up-bewerbung.

#Interview – “Die emotionale Achterbahnfahrt in den ersten Monaten ist anstrengend”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Für die unzähligen Ups und Downs innerhalb nur eines Tages ist ein dickes Fell und Stressresistenz zwingend erforderlich. Das habe ich anfangs unterschätzt, ist gleichzeitig aber auch der geile Kick während der Gründung”, sagt Matthias Potthast von Relevo.

“Die emotionale Achterbahnfahrt in den ersten Monaten ist anstrengend”

Freitag, 21. Mai 2021Vonds-Team

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Matthias Potthast, Gründer von Relevo. Das Münchner Startup bietet Mehrwegverpackungen für To-Go Essen an. “Neben unseren nachhaltigen Verpackungen bieten wir ein bequemes Netzwerk an Rückgabe-Stationen inklusive hygienischer Spüllogistik an”, teilt die Jungfirma mit. So soll Müll vermieden werden, bevor er überhaupt entsteht.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Raus aus dem Bett, 10 bis 15 Minuten Workout, Yoga oder Dehnen, kurz duschen, AirPods rein und mit dem Bike ins Büro.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?


Mit dem Mountainbike noch kurz auf den Isar-Trail oder in die Berge zum Feierabend-Skitouren gehen. Das klappt nur leider viel zu selten, daher meist lecker was kochen oder To-Go holen – in der Relevo selbstverständlich – und früh ins Bett.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?


Die emotionale Achterbahnfahrt gerade in den ersten Monaten ist äußerst anstrengend und sehr Energie raubend. Für die unzähligen Ups und Downs teilweiße innerhalb nur eines Tages ist ein dickes Fell und Stressresistenz zwingend erforderlich. Das habe ich anfangs unterschätzt, ist gleichzeitig aber auch der geile Kick während der Gründung.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Mit Relevo wollten wir am 16. März 2020 starten und hatten alles für unseren Go-Live vorbereitet und waren entsprechend voller Vorfreude. Bis am Freitag dem 13. März der erste Lockdown verkündet wurde und somit erst einmal alles auf Eis lag. Die folgenden Wochen waren sehr zäh und voller Ungewissheit, noch mehr als eh schon. Die “Ruhe-Phase” hat uns allerdings zu einem Pivot gezwungen, in dem wir unser Geschäftsmodell entschlacken konnten und durften anschließend Anfang Juni mit voller Power richtig durchstarten, auf heute ein Team von über 30 MitarbeiterInnen innerhalb von nur 10 Monaten.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Ich stand vor einem wichtigen Mitarbeitergespräch bzgl. Vertragsverlängerung. Aufgrund meines vollen Terminkalenders musste das Gespräch verschoben werden und fand schlussendlich telefonisch zwischen Tür und Angel statt. Leider habe ich dabei entscheidende Details nicht korrekt rüberbringen können und meine Kommunikation war einseitig und ohne Empathie. Das klärende Gespräch in Person hat dann die Wogen wieder geglättet, aber meine Learnings: persönliche Themen werden ausschließlich persönlich besprochen.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?


Eine starke Vision und authentische Kommunikation ist für uns im Recruiting extrem wichtig. Als Impact Startup ziehen wir ganz viele Initiativbewerbungen von MitarbeiterInnen mit intrinsischer Motivation an. Und entsprechend ist für uns auch im Hiring-Prozess der persönliche Fit und die gemeinsam geteilte Vision für einen nachhaltigen Impact entscheidend.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Nicht alles, was blinkt ist auch Gold und nicht jeder, der sich Experte nennt ist auch hilfreich. Fokussiere dich auf dein Kern-Geschäftsmodell, sag nein zu allem, was nicht direkt auf deine First-Principles einzahlt und lass dich nicht von deiner klar definierten Vision ablenken. Und die besten Experten teilen häufig ihr Know-How und ihre Unterstützung auch ohne finanzielle Gegenleistung, Du musst dich nur trauen zu fragen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Slack und G-Drive sind für uns der Dreh und Angelpunkt. Hierüber läuft alles und wir können in Echtzeit kooperativ arbeiten.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?


Zum Glück sind wir alle durchweg positive Menschen, die für eine positive Sache brennen. Da ist die gute Stimmung ein Selbstläufer, klingt kitschig, ist allerdings so. Dazu hilft sicherlich auch das ein oder andere Feierabend-Bier auf unserer Sonnenterrasse.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Wir konnten nach nur fünf Monaten mit dem STWNO eines der größten Studentenwerke Deutschlands für unsere Mehrweglösung gewinnen. „Leider“ wollten sie nur drei Wochen später live gehen, was uns zu schlaflosen Nächten und durchgearbeiteten Wochenenden getrieben hat. Am Tag des Go-Lives waren wir dann doch ready, der Bayerische Rundfunk für einen TV-Beitrag im Anflug und 2 Stunden vor Start ging plötzlich unsere App nicht. Am Ende war es nur ein kurzzeitiges Serverproblem und alles lief bestens. Wir bekommen allerdings noch heute beim Gedanken daran Schweißausbrüche.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Relevo

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies