Wer in Deutschland schon einmal versucht hat, Sozialleistungen wie die Grundsicherung im Alter zu beantragen, der weiß unter Umständen: Das ist kein Spaziergang, sondern oft ein bürokratischer Hürdenlauf. Allein in Berlin sind laut Google knapp 100.000 Menschen auf diese Unterstützung angewiesen. Die seitenlangen Papierformulare seien allerdings so abschreckend, dass schätzungsweise 40 bis 60 Prozent der Berechtigten erst gar keinen Antrag stellen. Und wer es doch versucht, scheitert oft an den Details: Über 90 Prozent der Erstanträge trudeln fehlerhaft oder unvollständig bei den Behörden ein, was die Bearbeitungszeit auf bis zu fünf Monate aufbläht.
Hier will das CityLAB Berlin nun gemeinsam mit Google.org ansetzen. Im Rahmen des Projekts Beyond Forms haben Fellows von Google und das Team des Innovationslabors sechs Monate lang an einer Lösung geschraubt. Das Ergebnis ist ein KI-gestützter Prototyp für Smartphone und Desktop, der den klassischen Formular-Wahnsinn durch einen einfachen, dialogbasierten Assistenten ersetzen soll.
In der Praxis funktioniert der Assistent über drei Säulen. Zuerst klärt ein Eligibility-Checker, ob überhaupt ein Anspruch auf die Grundsicherung besteht. Danach kommt das Feature Document-First zum Zug: Statt Daten abzutippen, fotografiert man Dokumente wie Mietverträge oder Kontoauszüge einfach mit dem Smartphone. Die integrierte KI liest die Daten automatisch aus und trägt sie in das Formular ein. Zu guter Letzt hilft ein KI-Chatbot in verständlicher Sprache aus, wenn beim Ausfüllen Fragen aufkommen. Erste Tests zeigen laut den Entwicklern, dass sich die Fehlerquote bei der Antragstellung dadurch von 90 auf bis zu 50 Prozent fast halbieren könnte.
Das Projekt soll keine Berliner Insellösung bleiben. Der Prototyp ist von Grund auf als Open-Source-Lösung konzipiert und dient als technische Blaupause für Kommunen in ganz Deutschland. Am 7. Juli 2026 wird der Assistent auf dem Hoffest des Regierenden Bürgermeisters in Berlin präsentiert, am 10. Juli erfolgt die offizielle Übergabe des Codes an das CityLAB, das die Integration in die Berliner Verwaltung dank der zweijährigen Google-Förderung weiter vorantreiben soll.
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