DJI Osmo Pocket 4: Mini-Gimbal-Kamera mit Tracking-Funktionen ausprobiert

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DJI hat mit der Osmo Pocket 4 seine Mini-Gimbalkamera jüngst überarbeitet. Man hat hier eher konsequent weiterentwickelt. So bleibt das gewohnte Grundkonzept sowie diverse Spezifikationen recht ähnlich zum Vorgänger-Modell. Für viele ist die Smartphone-Kamera inzwischen die Kamera der Wahl. Trotzdem und vor allem aufgrund der Gimbal- und Tracking-Funktionen habe ich in den vergangenen Wochen dennoch mal einen ausführlichen Blick auf die Pocket 4 geworfen. Im Drohnenbereich begleitet mich seit einigen Jahren eine DJI Mini 3 Pro.

Vorab ein kurzer Einwurf zu den (wichtigsten) technischen Daten. Herzstück der Osmo Pocket 4 ist weiterhin ein 1-Zoll-CMOS-Sensor. Zusammen mit einer f/2,0-Blende soll dieser auch ordentliche Low-Light-Aufnahmen erlauben. DJI wirbt mit bis zu 14 Blendenstufen Dynamikumfang und 10-Bit D-Log. 4K mit 240 fps für Zeitlupe seien möglich, reguläre 4K-Aufnahmen erfolgen mit bis zu 60 FPS. Beim Tracking setzt man auf ActiveTrack 7.0, um Motive auch mit Zoom zu verfolgen. Ebenfalls sei eine Gestensteuerung möglich. Die Pocket kommt jetzt mit einem internen Speicher von 107 GB, die Datenübertragung soll mit bis zu 800 MB/s erfolgen.

Für meinen Testbericht liegt mir die Creator Combo mit diversem Extra-Zubehör vor. Da sich die Combo-Versionen nur durch das Zubehör unterscheiden, sind die meisten Eindrücke auch auf die Essential Combo übertragbar.

Ausgepackt, angefasst & eingerichtet

Die Abmaße der DJI Pocket 4 sind durchaus kompakt. Auf die Waage bringt die Gimbal-Kamera 190 Gramm. Der Unterschied zu den knapp 180 Gramm beim Vorgängermodell dürfte zu verschmerzen sein, zumal DJI die verbaute Akku-Kapazität (auf 11,95 Wh) nach oben geschraubt hat. Die Verarbeitung der Pocket wirkt wertig.

Gewichtstechnischer Natur liegt die kompakte Kamera wirklich super in der Hand. Da der Griff aber nur sehr kurz ist, fand ich die Handhabe mit Akkugriff oder dem Griff (mit Gewinde) insgesamt angenehmer. Auch bei kürzeren Nutzungsdauern ist das ganze wesentlich ergonomischer als das Filmen mit einem modernen Smartphone – vor allem im Querformat.

Die Einrichtung der DJI-Mimo-App ging flott und problemlos von der Hand. Die App hat die Pocket 4 direkt erkannt. Per Bluetooth koppeln, zack das war’s. Bei Verbindung mit der Smartphone-App kann ich direkt alle Aufnahmen in die Smartphone-Galerie holen. Über diverse Übersetzungsfeinheiten in die deutsche Sprache sehen wir mal großzügig hinweg. Einen Account-Zwang gibt es nur für die Produktaktivierung im Zuge der Ersteinrichtung.

Die Osmo Pocket 4 & ihr Zubehör im Praxistest

Das Einschalten über das Drehen des Displays oder alternativ per Knopfdruck ist intuitiv. Ist das Display im Querformat offenbaren sich weitere Tasten zum Zoomen sowie eine Taste, die sich mit benutzerdefinierten Aktionen belegen lässt. So ist es möglich, die Kamera wirklich gezielt auf die eigenen Use-Cases zuschneiden. Sehr schön als „Pocket-Neuling“ ist für mich die gewohnte Handhabe, wie bei einem Gimbal fürs Smartphone aus dem Hause DJI. Die meisten Shortcuts und Kniffe (z. B. zum Zentrieren des Gimbals) sind hier identisch – förderlich fürs Muscle Memory. Auch die Bedienung mit Wischgesten ist sehr intuitiv, wenngleich das Touch-Display doch sehr klein ist und manchmal die Bedienung doch etwas frickelig wird. Das meiste erledigt man ohnehin per Joystick oder aber die Gimbal-Kamera durch ihr Tracking komplett eigenständig.

Für ihre Abmaße kann die Osmo Pocket 4 durchaus mit ansehnlichen Aufnahmen des 1-Zoll-Sensors punkten. Auch schwierige Lichtsituationen, etwa bei Gegenlicht oder in der Dämmerung, meistert die Pocket 4 erstaunlich gut. Die Sensorgröße merkt man dann vor allem bei Aufnahmen mit Tiefenschärfe oder auch bei der allgemeinen Bildschärfe an – da kann man eben mit Kameras von höherer Größenordnung, oder auch diversen Smartphones schlicht nicht mithalten.

Die Farbgebung der Osmo Pocket ist bei Standard-Einstellungen doch häufig sehr hell. Farben fallen oftmals knalliger aus, als in der Realität. Nachsteuern kann man mit diversen Film-Looks. Gerade von den Standard-Settings hätte ich mir da aber eher eine realistischen sowie neutralen Look gewünscht. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es eine große Schnittmenge an Interessenten gibt, die diesen „Social-Media-Look“ vorziehen. Der Dynamikumfang der Aufnahmen ist jedenfalls gigantisch.

Aufnahme-Modi, wie das Sperren der Neigung, erlauben Aufnahmen ohne viel Nachzudenken. Genau in diesem Bereich liegen die Stärken der Pocket 4. Man hat die Kamera in der Hand, kann sich aber dennoch dem Moment an sich widmen, da man nicht auf die Flucht des Bildes, oder gar das Motiv, achten muss. Denn wie man es von diversen anderen DJI-Produkten kennt, wird das aktive Tracking von Motiven (zuverlässig) unterstützt. Nur selten habe ich mit dem Joystick für das Gimbal nachgesteuert. Auch sonst ist die Software von DJI durchdacht, etwa was das Anfertigen von Panorama-Aufnahmen oder auch Zeitraffern angeht. Zudem können Aufnahmen auch mit einer Geste gestartet sowie auch gestoppt werden. Für die ausgeklügelten Tracking-Mechanismen sowie Aufnahmemodi dürfte aber wohl auch für die meisten Use Cases die Pocket 3 ausreichen. Weiterhin gibt es Gimbal-Endpunkte, sodass keine 360-Grad-Drehungen möglich sind. So ist das Schwenken von -235 Grad bis 58 Grad möglich, ein Neigen von – 120 Grad bis 70 Grad und die Drehung der Kamera um die horizontale Längsachse erfolgt mit -45 bis 45 Grad.

Mit dem Gimbal erlaubt die Pocket 4 ruhige Aufnahmen, die nahezu wie ein Gleiten durch die Luft wirken. Bewegungen werden aber nicht völlig geplättet und so merkt man, auch beim einfachen Gehen, der Aufnahme dann durchaus an, dass die aufnehmende Person nicht stillstand. Rennt man durch die Gegend, dann kommt die Aufnahme durchaus ordentlich ins Wanken. Es ist eben auch keine Actionkamera, was man nicht nur an der Robustheit merkt.

Weitere Notizen und Anmerkungen

  • Bei Videoaufnahmen (und auch beim Aufladen) merkt man schon nach kurzer Zeit, dass die Pocket – auch ohne sommerliche Temperaturen, bereits spürbar warm wird.
  • In puncto Bildaufnahmen möchte ich positiv die Unterstützung für Live-Fotos anmerken. Die funktionieren auch problemlos und ohne weiteres Zutun in Google Fotos sowie der Fotos-App unter iOS.
  • Anders als bei meiner DJI Mini 3 Pro wird für Aufnahmen im Hochformat nicht das Kamera-Modul gedreht, sondern gecroppt – die maximal mögliche Qualität des Sensors bleibt dadurch für vertikale Aufnahmen aus.
  • Das integrierte Mikrofon liefert eher flache Tonaufnahmen. Das ist aufgrund von der Bauform absolut verständlich, dass man da keine Hi-Res-Audioaufnahmen mitbringt, aber DJI gleicht das mit einer super Integration der DJI-Mic-Serie (verbindungs- und softwareseitig) gut aus.

Das Aufladen geht tatsächlich rasend schnell vonstatten. Voraussetzung ist hier ein Netzteil mit Power Delivery (mit bis zu 65 Watt), was in jedem gut sortierten Tech-Haushalt ohnehin nicht fehlen sollte. In einer knappen halben Stunde konnte ich den Akku (mit etwas Restkapazität) der kleinen Kamera (wie versprochen) wieder vollständig befüllen. Zur Akkulaufzeit fehlen mir bisher Langzeitwerte. Teils kann man zuschauen, wie die Prozente purzeln, bei 4K-Footage sind jedoch dennoch knapp 3 Stunden problemlos möglich – ganz ohne den Zusatzakku.

Da passt auch der integrierte Speicherplatz von knapp 107 GB ganz gut ins Bild. Jener bietet Platz für knapp 4 h an 4K-Inhalten und reicht daher für mehrtägige Reisen oder Events locker. Klar, kann man eine microSD-Karte verwenden, die wird aber vermutlich bei den meisten Nutzern (der Zielgruppe) dauerhaft im Gerät verbleiben, denn das Übertragen der Inhalte aufs Smartphone ist super einfach und echt flott. (Unpraktisch ist lediglich, dass die Kamera sich nur schützt, wenn das Album aktiv ist. Schaltet man in der App um, wird die Kamera auch im liegenden Zustand versucht auszufahren.) Die App fungiert zudem auch als praktische Fernsteuerung, wenn die Pocket etwa auf einem Stativ aufgebaut ist.

Zwei, drei Worte noch zum Zubehör. DJI bietet da ja reichlich Komponenten für die Pocket an, die aufgrund ihrer Mechanismen, doch durchaus ausgeklügelt sind. So lässt sich das Fülllicht problemlos magnetisch befestigen und dann auch über die Software, sprich den Touchscreen steuern. Die Standard-Combo reicht für viele sicherlich. Hier ist lediglich der Gewindegriff (praktisch für einen etwas längeren Griff), das Armband und ein Tragebeutel mit dabei (der ist für eine Dreingabe doch sehr brauchbar, wenngleich die Tragetasche aus der Creator-Combo etwas hochwertiger unterwegs ist.)

Fazit?

Unterm Strich ist die Osmo Pocket 4 wohl eher Evolution, statt Revolution. Man hat an diversen Stellen Optimierungen vorgenommen und ein rundes Gesamtpaket für eine kompakte Kamera geschnürt, die als Reisegefährte immer in der Tasche mit dabei sein kann – auch wenn wir mit einem Smartphone meist potente Kameras mit uns durch die Gegend tragen. Aufnahmen mit der Pocket 4 sind super einfach und für mich bietet sie definitiv einen Mehrwert gegenüber Aufnahmen mit dem Smartphone, wenngleich die Bildqualität mit diversen Top-Flaggschiffen da nicht mithalten kann. Punkten kann die Pocket aber mit ausgeklügelten Aufnahme- sowie Tracking-Modi. Praktisch, weil ich nicht ständig den Bildausschnitt im Blick haben muss und mich nicht bücken oder strecken muss, um mit der Pocket auch spannende Blickwinkel einzufangen. Ich kann die Kamera wesentlich ergonomischer halten – und das bequemer über eine längere Zeit hinweg. Das Ganze kostet mit einem Preis von 499 Euro aber durchaus eine Stange Geld. Weiteres Zubehör schlägt separat, bzw. im Rahmen von Bundles mit weiteren Kosten zu Buche.

Nutzer einer Pocket 3 können diese aber sicherlich ohne Bauchschmerzen oder FOMO weiternutzen. Spannender könnte da, wenn dann die DJI Pocket 4P werden, die in Sachen Bildqualität und mit dedizierter Tele-Linse nochmals eine Schippe drauflegen dürfte.

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