Deutschland: Neue IT-Abhängigkeiten – Telekom und SAP statt Amazon und Microsoft

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Eigentlich soll der deutsche Staat mit seiner IT und Digitalisierung unabhängiger von Konzernen werden. Denn zwangsläufig streben Letztere nach möglichst hohen Renditen, was langfristig immer den Steuerzahler belastet. Doch statt nach Wegen zu suchen, die Abhängigkeiten zu reduzieren, tauscht der Bund aktuell nur die Partner ein wenig aus. Statt z. B. auf Amazon oder Microsoft zu setzen, sollen nun in Deutschland für eine dreistellige Millionensumme die Telekom und SAP eine KI-Cloud für die öffentliche Verwaltung aufbauen.

Der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger vermarktet das als wichtigen Schritt zu mehr Souveränität, da man nicht auf US-Anbieter setze. Ganz anders bewerten das die Opposition und IT-Fachleute. Die mahnen ironisch, dass US-Konzerne nicht die Strategie gepachtet hätten, ihre Kunden von sich abhängig zu machen. Bedauerlicherweise würden europäische Anbieter das mindestens genauso gut beherrschen. Auch die Kooperation mit der Telekom und SAP bedinge also die Gefahr, zum Opfer von Lock-in-Effekten zu werden.

250 Mio. Euro sollen in die kommende KI-Cloud für die deutsche Verwaltung fließen. Jene soll zur „zentralen Schaltstelle für die öffentliche Verwaltung werden“, wie das Digitalministerium erklärt (via Netzpolitik). 70 % der geplanten Investitionssumme erhalten die Telekom-Tochter T-Systems und SAP. Und 30 % gehen an ein Konsortium um den Wiesbadener IT-Dienstleister SVA. Letzten Endes bereichern sich also eben nun deutsche statt US-Unternehmen an den Steuergeldern. Dabei profitiert SAP ohnehin schon und erhielt bereits im Haushaltsjahr 2025 rund 110 Mio. Euro für Lizenzen und weitere 71 Mio. für Produkte und Dienstleistungen.

Im Vergleich mit Microsoft sind das jedoch weiterhin Peanuts. 2025 zahlte der Bund 481 Mio. an die Redmonder für entsprechende Lizenzen.

Bund tauscht Abhängigkeiten von US-Konzernen gegen Abhängigkeiten von EU-Anbietern

Man kann sich aber berechtigterweise fragen, ob es so sinnvoll ist, die eine Abhängigkeit gegen eine andere zu tauschen. Fachleute fordern daher auch, dass Digitalisierung für Deutschland vielmehr heißen müsse, eigene Infrastrukturen aufzubauen und so langfristig die laufenden Kosten zu senken. Dafür brauche es direkt in der öffentlichen Verwaltung die IT-Kompetenzen. Nur so könne man die Abhängigkeiten von Wirtschaftsunternehmen verringern.

Die Free Software Foundation Europe argumentiert unter dem Motto „Public Money, Public Code“, ganz ähnlich. So vertritt man die Ansicht, dass über öffentliche Steuergelder finanzierte Software am Ende allen Menschen in Deutschland gehört und öffentlich einsehbar sein sollte. Derzeit würden aber stattdessen strukturelle Abhängigkeiten von proprietärer Software vorangetrieben. Mit Souveränität habe das leider so gar nichts zu tun.

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