Die 24-jährige Madeline Lawrence hält eigentlich nichts von Kapitalismus, arbeitet aber für einen VC. Uns hat sie erklärt, warum sie und ihre Generation anders tickt.
Die VC-Investorin Madeline Lawrence denkt kritisch über das, was sie tut.
Peak Capital
In ihrer Selbstbeschreibung auf Twitter steht: Madeline Lawrence, „young & naive, making rich men richer @ Peak Capital VC“. Im Grunde, erklärt die Investorin des niederländischen VC bei einem Mittagessen in Berlin-Mitte, sei das ein bittersüßes Eingeständnis. „Natürlich kann ich mir selbst eine schöne Geschichte darüber erzählen, wie gut und sinnvoll es ist, was ich tue“, sagt sie lächelnd. „Aber ich kann die Tatsache ja nicht ignorieren, dass das alles auch einen problematischen Aspekt hat.“ Eben jenen, dass Venture Capital nun mal immer irgendwie irgendwo reiche Männer reicher macht.
Startups suchen händeringend nach qualifiziertem Personal. So mancher Gründer greift deshalb zu ungewöhnlich hohen Prämien.
Stryze-Gründer Sebastian Funke verzweifelt an der Suche nach neuen Beschäftigten.Stryze
Investitionen steigen, aber Fachkräfte fehlen: Vor allem Tech- und Digital-Startups suchen derzeit händeringend nach gutem Personal. Um dieses für sich zu gewinnen, setzen Unternehmen auf ungewöhnliche Maßnahmen.
Wie die Wirtschaftswoche zuvor berichtete, zahlt Sebastian Funke, Gründer und CEO des Berliner E-Commerce-Spezialisten Stryze, Angestellten, die neue Kollegen werben, eine Geldprämie in Höhe von 10.000 Euro aus. Laut Wirtschaftswoche fehlen dem Unternehmen 40 neue Mitarbeiter – doch nicht jeder wird genommen und die richtigen Leute sind schwer zu finden.
Besonders Spezialisten für die Bereiche Marketing, Markenaufbau und Plattformen fehlen. Doch auch Buchhalter, Designer, Logistikmanager oder Lagerarbeiter werden gebraucht. Es gäbe überall Knappheit an Personal, so Funke. Selbst Werkstudenten überweist er eine Prämie von 500 Euro.
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Die Personalknappheit fällt in eine finanziell wenig problematischen Zeit für Startups: Selbst während der Corona-Krise sind Investitionen und Finanzierungssummen weiter gestiegen. Gründer aus der Hauptstadt etwa sammelten laut einer Studie von EY allein im ersten Halbjahr 2021 rund 4,1 Milliarden Euro ein und damit mehr als dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. An den Personalsorgen der Unternehmen ändert das nichts. „Die Suche nach Personal wird für uns zu einer Herausforderung, das Geschäftsmodell in der Geschwindigkeit nach vorn zu bringen, wie wir es gerne hätten“, so Funke.
Gehälter überzeugen nicht
Auch die Gehälter erschweren Gründern die Personalsuche. Wie die Wirtschaftswoche weiter berichtet, finden die meistern Gründer ihre Mitarbeiter zunächst in ihrem Freundeskreis oder an Universitäten. Wenn dieses Kontingent erschöpft ist, und die Anforderungen an Mitarbeiter wachsen, überzeugen die unterdurchschnittlichen Gehälter der meisten Startups nicht.
Neue Kandidaten haben oft höhere Anforderungen an Gehälter von gehen teilweise lieber zu Konzernen. Das hat bereits einige Startups dazu gezwungen, ihren Recruitingprozess zu optimieren – denn wenn dieser zu unübersichtlich oder unverbindlich ist, springen Bewerber schnell wieder ab. Stryze setzt zum Beispiel auf eine interne Weiterbildung in den ersten Wochen einer Neueinstellung, um das Teamgefühl zu stärken.
Gründer schließen Konzern-Mitarbeiter aus
Gründer versuchen, mit ‚Remote Work‘-Ausschreibungen Mitarbeiter anzulocken. Das funktioniert, laut Wirtschaftswoche zwar teilweise, bringt aber auch die Herausforderung mit sich, neue Mitarbeiter so zu integrieren, dass sie nicht bei dem nächstbesseren Angebot wieder abspringen. Gerade von Startups mit innovativen Geschäftsmodellen, wie Kryptowährungen oder Klimatechnologie, scheinen neue Mitarbeiter angelockt zu werden.
Trotz des Mangels zeigen sich Gründer jedoch wählerisch in der Auswahl ihrer Mitarbeiter. So schließen viele Startups Mitarbeiter aus Konzernen kategorisch aus, und schauen sich dort nicht nach neuen Talenten um. Der Gründer der Personalberatung Talenttree, Julian von Blücher, sagte gegenüber Wirtschaftswoche: „Gründer denken da aus ihrer Perspektive konservativ. Sie wollen meist nur Leute mit Start-up-Erfahrung.“
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Wieso der N26-Chef sein Geld in eine Rezepte-App steckt
Rezepte personalisieren und die Lebensmittel nach Hause schicken lassen: Valentin Stalf von N26 glaubt an das Startup Kitchenful zweier Ex-Rockets.
Valentin Stalf hat gemeinsam mit anderen Finanziers in das Food-Startup Kitchenful investiert.
John Philipps / Gettyimages
Aus dem kalifornischen Startup-Programm Y Combinator sind Erfolgsgeschichten wie Airbnb, Doordash und Stripe hervorgegangen. Deutsche Gründer werden dort nur selten angenommen. Die Macher der Berliner Rezepte-App Kitchenful haben im Accelerator in diesem Jahr ihr Produkt ausgebaut und auf den Markt gebracht. Im Anschluss bekam das Startup eine Finanzierung über knapp eine Million Euro vom Y Combinator, N26-CEO Valentin Stalf, David Fischer, Gründer des Lifestyle-Magazins Highsnobiety, Durstexpress-Chef Maik Ludewig sowie weiteren Angels.
Kitchenful stellt Nutzern personalisierte Rezeptvorschläge bereit und will vor allem Menschen mit Intoleranzen oder unkonventionellen Ernährungsweisen ansprechen, etwa Veganer. Die App speichert dabei ab, ob die Kunden bestimmte Lebensmittel nicht essen oder Vorlieben haben, ob sie mit ihrer Ernährung ein Ziel ansteuern, beispielsweise Abnehmen oder mehr Energie haben wollen, wie viel Zeit sie sich fürs Kochen nehmen und wie hoch das Budget ist. Anhand dessen generiert Kitchenful wöchentlich für jede Person vier Menüs. Die Datenbank habe sich das Startup aus Blogs und eigenen Rezeptideen erstellt, so Mitgründer Christian Schiller im Gespräch mit Gründerszene.
Rezepte aussuchen, Lebensmittel liefern lassen
Im nächsten Schritt können sich die Nutzer die Lebensmittel liefern lassen. „Kitchenful kümmert sich darum, dass die Zutaten schnell und zuverlässig geliefert werden“, so Schiller. Das Berliner Startup kooperiert dazu mit Bringdiensten wie Rewe, Amazon Fresh und Gorillas. Kitchenful reserviere regelmäßig Termine bei den Partnern, damit die Kunden nicht mehrere Tage warten müssen, sagt der Gründer. Auch die Auswahl der Lebensmittel und Marken übernimmt das Startup – basierend auf den Angaben, die die Nutzer zu Beginn gemacht haben.
Die Kitchenful-Gründer Christian Schiller (l.) und Christian Hartung haben 2012 gemeinsam bei Rocket Internet gearbeitet und sind seitdem eng befreundet.
Kitchenful
Für ihren Rezept-Service und die logistische Organisation verlangen die Gründer monatlich 9,99 Euro. Die Kosten für die Lebensmittel und die Liefergebühren übernehmen die Kunden. Kitchenful finanziert sich über die Abogebühr und eine Provision, die die Firma von den Lieferpartnern einbehält. Startups wie Kptncook, das im Februar von Miele übernommen wurde, bieten einen ähnlichen Service an. Anders als Kitchenful ist der Service von Kptncook kostenlos, nur für zusätzliche Features wie eine Wochenplanung zahlen Nutzer.
„Die meisten Kunden nutzen uns im wöchentlichen Rhythmus“
Schiller rechtfertig den Preis gegenüber Gründerszene mit der personalisierten Kuratierung und dem Fokus auf verschiedene Ernährungsgewohnheiten. Wie viele Leute die App regelmäßig nutzen, will er nicht sagen. Nach Testanläufen in den USA während des Y Combinators ist der Service im Sommer in Deutschland gestartet, bislang nur in Berlin und München. „Die meisten Kunden nutzen uns im wöchentlichen Rhythmus“, beschreibt Schiller seine Zielgruppe. Momentan seien das vor allem Paare und Familien. Laut Schätzungen von Airnow Data haben mehr als 2.000 Apple-Nutzer das Tool bislang heruntergeladen.
Schiller und sein Mitgründer Christian Hartung kennen sich aus ihrem gemeinsamen Jahr bei Rocket Internet. Schiller übernahm daraufhin die Geschäftsführung vom Rocket-Venture Pricepanda, einem Preisvergleichsportal in Asien. Als das Startup eingestellt wurde, wechselte Schiller als Vice President Product zu Hellofresh und blieb dort für vier Jahre. Hartung heuerte nach Rocket Internet als Deutschlandchef beim Fintech Payleven an und gründete später das 3D-Studio Vojd
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So wurde aus dem Traum von der Luxushandtasche ein Shop für DIY-Sets
Selbernähen statt teuer kaufen: Mit dieser Idee gründete eine 26-jährige Pfälzerin ihr eigenes Handtaschen-Startup Bags & Pieces.
Kunden und Kundinnen von Bags & Pieces können Lederhandtaschen mithilfe eines Do-It-Yourself-Sets selbst herstellen – ganz ohne Nähmaschine.
Bags & Pieces
Als die Pandemie kam, sah Vivian Edel ihre Chance zu gründen. Die Idee der 26-Jährigen: Kunden und Kundinnen können Lederhandtaschen mithilfe eines Do-It-Yourself-Sets selbst herstellen, dafür ist keine Nähmaschine nötig. Praktisch in Pandemiezeiten, wenn man viel Zeit zuhause verbringt.
Etwa 900 DIY-Taschen hat Edel nach eigenen Angaben schon verkauft, insgesamt habe sie damit innerhalb von sechs Monaten einen Umsatz von 120.000 Euro erzielt. Den Erfolg erklärt sie sich damit, dass sie ein Nischenprodukt anbietet, das vor allem bei Bastel- und Modeinteressierten ankommt: „Die Nähcommunity hat ein angestaubtes Image, obwohl Kleidung, die man selbst näht, total stylisch sein kann. Gefehlt haben aber immer hochwertige Accessoires wie Ledertaschen“, sagt Edel. Bisher war die Auswahl an DIY-Taschen klein und hatte eher einen alternativen Touch, vielfach wurden etwa Taschen angeboten, die aus Jeansresten genäht sind. Konkurrenz für Edel gab es also kaum. Die Herausforderung ihrer DIY-Idee war: Die Tasche musste als Fashion-Statement durchgehen und durfte nicht zu sehr nach Bastelei aussehen.
Während Corona hat die Eventmanagerin plötzlich Zeit
Die Corona-Pandemie war der Grund, dass die Pfälzerin überhaupt erst die Chance ergriff, ihr Herzensprojekt umzusetzen. Eigentlich arbeitet Edel als Eventmanagerin, als durch das Virus die Aufträge ausblieben, machte sie aus der einstigen Nebentätigkeit ihre Hauptbeschäftigung: „Für mich war es Glück im Unglück, weil ich endlich die Zeit hatte, mich meinem Projekt voll und ganz zu widmen.“ Die Idee entstand so: Als Edel sich ihre erste Designerhandtasche kaufte, auf die sie lange hingespart hatte, wollte sie herausfinden, ob man sich eine solche Tasche auch für weniger Geld selbst nähen könnte.
Vivian Edel hat Bags & Pieces gegründet.
Bags & Pieces
Daraufhin eignete sich die Münchner Gründerin Wissen über das Lederhandwerk an, konstruierte eine Tasche am Computer, kaufte Werkzeug und laserte in einer offenen Werkstatt den Prototypen. „Dieses Gefühl, als ich die fertige Tasche in meinen Händen hielt, war unbeschreiblich“, erinnert sie sich. „Ich dachte: Das will ich auch anderen zugänglich machen.“ Edel suchte nach passenden Materialien und Techniken bei Lieferanten, die sie oft belächelten. „Keiner von denen hat die Idee wirklich verstanden. Da kommt eine junge Frau und will, dass ihre Kunden die Taschen selbst zusammensetzen – das war ihnen völlig neu“, erzählt sie.
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Aktuell gibt es ihre DIY-Box ab 59 Euro für drei verschiedene Taschenmodelle, Bags & Pieces verkauft aber auch andere Lederaccessoires zum Selbermachen wie Brillenetuis und Schlüssel- oder Kofferanhänger. Dabei kann man nicht nur die Farbe, sondern auch die Lederart auswählen. Bestseller ist die Crossbody-Bag. Durch die Nachfrage musste Edel ihr Lager von der Einliegerwohnung im Elternhaus in Morlautern bei Kaiserslautern in neue Räume verlagern. Ihre Mutter sei mittlerweile fest in den Betrieb eingebunden, vier weitere Stellen sollten noch besetzt werden, sagt sie. Edel will ihr Produkt so bald wie möglich auch auf Messen zeigen und auf der Plattform Pinterest, wo sich Näh-, Bastel- und Modeinteressierte austauschen. Momentan arbeitet sie schon am nächsten Set: einer DIY-Box für Gürtel.
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