#DHDL – Standsome: Produkt vor Zahlen zahlt sich nicht aus

Das Gründerteam von Standsome machte etwas, das man in der Gründer-Show bisher nur selten gesehen hat. Denn wo normalerweise im Pitch selbst nur Problem und Lösung von den Startups vorgestellt werden, nannte das Dreiergespann direkt einmal eine wichtige Kennzahl. Die meisten KandidatInnen lassen dies für den Frage-Antwort-Teil nach dem Pitch, viele wohl auch deshalb, weil ihre bisherigen Zahlen oft noch nicht so wahnsinnig hoch ist.

Im Fall von Standsome werden jedoch 1,5 Millionen Euro Umsatz genannt, eine stattliche Summe für ein noch recht junges Unternehmen. Entgegen der Regel fragen die Löwen jedoch direkt schon nach, denn das wollen sie sich natürlich notieren. Vor allem Carsten Maschmeyer will es genau wissen, so erfahren die ZuschauerInnen noch die Gesamtzahl der KundeInnen und, dass der Umsatz des Vorjahres 900.000 Euro betragen hatte, der Gewinn in diesem ersten Jahr mit 120.000 Euro jedoch wesentlich höher war als mit 10.000 Euro im letzten Geschäftsjahr. Logisch, dass das weitere Fragen aufwirft, die die GründerInnen damit beantworten, dass man wohl in Personal investiert hätte und plane, den Umsatz in diesem Jahr gar nicht so groß weiter zu steigern, dafür aber profitabler zu werden.

Hier stecken direkt zwei Fehler, die man sich bei einem Investorenpitch besser nicht erlauben sollte: Zum einen ist die Begründung etwas sehr dünn. Denn in Personal zu investieren, um dann anschließend profitabler zu sein, obwohl man nicht viel mehr Umsatz einplant, klingt zunächst einmal wenig überzeugend. Personalkosten durch Neuanstellungen sind schließlich monatliche Kosten, die immer wiederkehren. Wächst die Mitarbeiterzahl im Unternehmen bei wenig wachsendem Umsatz, wird es zunächst also wohl eher weniger statt mehr profitabel werden. Hier sollte man also unbedingt etwas konkreter werden und vielleicht die Gebiete oder sogar konkreten Stellen nennen, die man neu geschaffen hat, und wie diese dann mehr zur Profitabilität beitragen, als sie kosten.

Zum anderen ist es nun wirklich keine gute Idee, so klar zu sagen, dass man nicht wirklich weiter an einer Umsatzsteigerung arbeitet. Das Argument, dass man in die eigenen Strukturen investiert hat, um profitabler zu werden, kann zwar Sinn machen, in aller Regel zeichnen sich die wirklich deutlichen Effekte einer erfolgreichen Skalierung erst nach einem weiteren kräftigen Wachstum ab. Ohne weitere Erläuterungen wirken die Ausführungen des Gründers also zunächst einmal eher wie Ausreden, was angesichts des eigentlich tollen finanziellen Erfolgs doch sehr schade ist.

Doch das Team ist noch längst nicht vom Haken: Nachdem Nico Rosberg ihr Produkt, eine Art Mini-Möbelstück, um bequem im Stehen zu arbeiten, ausprobiert hat, legt Carsten Maschmeyer erneut einen Finger in die Zahlenwunde: er geht auf die Bewertung ein und rechnet den Multiple auf den Gewinn aus. Tatsächlich stehen so die GründerInnen plötzlich gar nicht mehr so gut da: Ihr vorgeschlagener Deal von 400.000 Euro für 15% ergibt eine Unternehmensbewertung von etwas über 2,6 Millionen Euro. Das ist etwas 1,7 Mal der Umsatz in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Tatsächlich ist dies keine besonders hohe Zahl, allerdings rechnet der Löwe nicht diesen, sondern den Gewinn-Multiple aus. Dieser liegt bei den zuletzt erzielten 10.000 Euro Gewinn beim satten Faktor 260. Kurz danach steigt er aus.

Nun kann man natürlich sagen, dass die wenigsten Startups in frühen Phasen überhaupt Gewinn machen, und dass es daher unfair ist, diesen überhaupt in die Berechnungen in dieser Tragweite mit einzubeziehen. Prinzipiell ist dem auch so, allerdings könnte dem Team hier wieder das vorherige Argument des nur geringfügig geplanten Wachstums auf die Füße gefallen sein: Denn wenn man Gewinn statt Umsatzwachstum erzielen will, kann es gut sein, dass Investoren einen schnell mal daran messen. Startups sollten in solchen Situationen so zahlensicher sein, dass sie hier widersprechen oder zumindest genauer erklären, wie ihre Bewertung zu Stande kommt und warum sie diese Methode oder Berechnungsart für angemessener halten.

Die Antwort der GründerInnen fiel anscheinend jedoch dem Schnitt zum Opfer, falls dieses Thema noch vertieft wurde. Doch Ralf Dümmel schneidet noch ein weiteres Zahlenthema an, schließlich waren Verkaufs- und Herstellungspreise noch gar nicht zu Sprache gekommen. Hierbei kommt dann auch heraus, dass das für die Herstellung der Möbel verwendete Holz aus Russland kommt, man aber schon einen neuen Lieferanten in Finnland ausfindig gemacht hat. Dies sorgt generell für Sorge, denn die Löwen befürchten arge Lieferschwierigkeiten für Holz. Leider stimmt das Standsome-Team hier nur zu – falls es weitere Ausführungen gab, erfahren die ZuschauerInnen diese ebenfalls nicht. An dieser Stelle hätte man zum Beispiel  noch Chancen gehabt, wenn man zugesicherte Holzmengen oder bereits vertraglich vereinbarte Lieferungen hätte nennen können, um die Befürchtungen etwas abzuschwächen.

Stattdessen wirkt es so, als ob man nun wieder auf das Produkt zurück kommt, denn es werden die Vorteile des Zusammenklappens und später auch noch ein Folgeprodukt vorgestellt. Was in diesem Fall wahrscheinlich dem Schnitt geschuldet ist, kommt in der Realität leider viel zu häufig vor: GründerInnen erzählen immer wieder über ihr Produkt und wie toll es ist, statt auf die Kritikpunkte der Investoren einzugehen, die auf Geschäftsmodell und Zahlen abzielen.

Denn auch, wenn es viele nicht wahr haben wollen: auch das überzeugendste, schönste und beste Produkt kann nicht ausbügeln, wenn man seine Zahlen nicht schlüssig argumentieren kann. Nicht einmal, wenn man zusätzlich sogar eine wirklich gute Kennzahl nennen kann.

Tipp: Alles über die Vox-Gründershow gibt es in unserer großen DHDL-Rubrik.

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#DHDL – ichó: Ein emotionales Thema, aber schwierige Zahlen

Ein prominenter Fürsprecher und Investor, ein hoch-emotionales und wichtiges Thema, das gleich mehrere Löwen zu Tränen rührt, und vielversprechende erste Ergebnisse: das Trainingssystem von ichó, das Demenzkranken helfen soll, die Krankheit zumindest zu verzögern, ließ bei seinem Auftritt in “Die Höhle der Löwen” wirklich niemanden kalt. Am Ende gab es jedoch nicht einmal ein Angebot, geschweige denn einen Deal. Was hat nicht gepasst?

Schon der Anfang war sehr ungewöhnlich, denn nicht ein Gründer oder eine Gründerin, sondern ein Investor eröffnet den Pitch von ichó in der Höhle. TV-Hundetrainer und Autor Martin Rütter trat auf, denn er hat durch seine an Demenz erkrankte Mutter ein besonderes Verhältnis zum Thema, mit dem sich das Startup, um das es gehen soll, beschäftigt. Der Prominente hat aber eben auch in das Startup investiert, was die gesamte Konstellation direkt einmal zu etwas Besonderem macht.

Für andere Startups mag das direkt einmal die Frage aufwerfen, ob man seine Alt-Investoren mit zu Gesprächen für das nächste anstehende Fundraising nehmen sollte. Das ist in der Tat ein heikles Thema, und wie so oft lautet die Antwort: es kommt darauf an.

Nämlich zum einen auf die Persönlichkeit des Investors. Eine Person außerhalb des GründerInnen-Kernteams – egal ob nun Investor, wichtiger Mitarbeiter oder sonstiger Experte – sollte wenn nur als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, aber auf keinen Fall das Gespräch allzu sehr leiten. Denn dann könnte schnell der Eindruck entstehen, dass es einen “heimlichen Chef” des Unternehmens gibt, der oder die aber nicht operativ tätig ist. Auch lässt es die eigentlichen GründerInnen ungewollt und oft unverhältnismäßig schwach dastehen. Die Rollen sollten also klar verteilt sein: Der Alt-Investor oder die Alt-Investorin ist unterstützender Berater, steht zur Verfügung, wenn die potenziellen neuen Investoren bestimmte Fragen haben sollten, versucht aber, möglichst im Hintergrund zu bleiben und die GründerInnen das Gespräch führen zu lassen.

Und daraus ergibt sich direkt die nächste Frage: warum sollten BestandsinvestorInnen überhaupt bei einem solchen Gespräch dabei sein? Oder noch konkreter: Welche speziellen Fragen könnten ein neuer Investor an sie haben?

Im Fall bei “Die Höhle der Löwen” war Martin Rütter stark involviert, hatte eine persönliche Verbindung zum Thema und seine Mutter hatte auch an einer entsprechenden Reportage teilgenommen. Eine solch starke Fürsprache beeindruckt natürlich.

Tatsächlich kann es auch dann wichtig sein, einen solchen Investor mit zum Gespräch zu nehmen, wenn er entsprechen viele Anteile hat. Das erfahren wir in diesem Fall nicht konkret, allerdings legt das Startup auf Carsten Maschmeyers Frage hin die grobe Struktur der Beteiligten am Unternehmen offen: es gibt insgesamt 5 Investoren, die als “strategisch” bezeichnet werden. Die GründerInnen halten noch 64% zusammen. Gibt es nun einen Investor mit zum Beispiel 20%, kann es neuen Investoren schon wichtig sein, mit ihm oder ihr genauer ins Gespräch zu kommen, um zu schauen, wer da so viel Einfluss hat.

Auf die Eröffnung des Cap Tables hin steigt Nils Glagau aus, weil dieser ihm zu unübersichtlich erscheint. Tatsächlich kommt so etwas auch gar nicht so selten vor und ist auch absolut nachvollziehbar. Denn jeder Beteiligte, jede Person mehr in der Gesellschafterversammlung, könnte, wenn es hart auf hart kommt und eine wichtige Entscheidung getroffen werden muss, ein Risiko darstellen. Denn zu einer Gesellschafterversammlung müssen alle Gesellschafter unter Einhaltung einer Frist eingeladen werden. Ist das Thema dafür jedoch zu dringend, müssen alle der form- und fristlosen Einladung zustimmen. Erreicht man also auch nur einen Einzelnen Gesellschafter nicht, ist es völlig egal, ob dieser nur 1% hält: sämtliche so gefassten Beschlüsse sind nicht gültig. Das Risiko dafür steigt also mit der Anzahl der Gesellschafter, das kann man nicht wegargumentieren.

Tatsächlich war hier auch das Signal-Wort “strategisch” unter Umständen gar nicht so schlau gewählt. Denn unter einem strategischen Investor versteht jeder etwas anderes. Viele GründerInnen wollen damit nur ausdrücken, dass ihre Investoren noch irgendeinen Vorteil abseits des Geldes bringen, für Investoren kann es im Extremfall aber auch bedeuten: Da mischt sich noch jemand ein, da hat eventuell jemand seine eigene Agenda. Tatsächlich gibt es in der Startup-Welt einige solcher Begriffe, die für verschiedene Beteiligte unterschiedliche Bedeutungen haben könnten, wenn man sich also nicht ganz sicher ist, sollte man bei solchen Adjektiven etwas aufpassen.

Insgesamt führten die Löwen verschieden Ausstiegsgründe an, ein großer war auch der hohe Grad an Ungewissheit, denn es gab noch keine eigenen Studien und der geplante Weg zur Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen ist normalerweise unglaublich lang. Auch waren sich alle Beteiligten einig, dass das junge Unternehmen noch wesentlich mehr Geld benötige würde, wie viel genau, war aber wegen der Unsicherheitsfaktoren noch schwer abzuschätzen. Carsten Maschmeyer war dann schließlich nicht so ganz überzeugt von der Team-Zusammensetzung, vor allem die medizinische Fachkompetenz fehlte ihm hier.

So musste ichó am Ende ohne Angebot das Studio verlassen, und es zeigte sich wieder einmal, dass Emotionen und Sinn hinter einem Startup-Vorhaben zwar für viel Lob und ungeteilte Aufmerksamkeit sorgen können, dass aber auch hier jegliches Abweichen von einer klaren Planung, einem detaillierten Risiko-Management und einem klaren Cap Table gut argumentiert werden müssen.

Wie die Löwen kann man dem Team und seinen Investoren aber nur wünschen, dass das Thema die Aufmerksamkeit und Unterstützung, die es verdient, auch weiterhin bekommt.

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#Interview – “Macht unbedingt mit, traut euch, euch zu bewerben”

#Interview

Flasher aus Graz setzt auf “intelligente, leuchtende Armbänder”. Nun wagt sich das Team in “Die Höhle der Löwen”. “Wir sind selbst große Fans des TV-Formats und wollten ehrlich gesagt schon immer mal ins Fernsehen”, sagt Gründerin Ines Wöckl.

“Macht unbedingt mit, traut euch, euch zu bewerben”

Montag, 19. September 2022VonTeam

Auch in der zwölften Staffel der Vox-Gründer-Show “Die Höhle der Löwen” treten wieder etliche Gründerinnen und Gründer vor die Jury. In der vierten Folge der aktuellen Staffel sind unter anderem Alexander Rech und Ines Wöckl, die Gründer:innen von Flasher, zu Gast. Das Startup aus Graz setzt auf “intelligente, leuchtende Armbänder”, Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Gründerin Wöckl das Unternehmen einmal ganz kurz vor.

Welches Problem möchtet Ihr mit Flasher lösen?


Gerade Fahrradfahrer:innen oder andere Mikromobilitäts-Nutzer:innen, am E-Scooter oder E-Bike, werden vor allem von zwei Problemen bedroht: Zuerst gibt es Mängel in Sachen Handzeichen. Solche sind am Fahrrad etwa in der Nacht oder bei Regen schlecht sichtbar. Besonders am E-Scooter sind sie praktisch unmöglich. Wer schon einmal versucht hat, einhändig E-Scooter zu fahren, weiß genau, wie wackelig das ist. Genau deshalb geben etwa in Österreich nur 2 % der Scooter Fahrer*innen überhaupt ein Handzeichen. Zweite Gefahrenquelle ist allgemein die Sichtbarkeit. Neben den schlecht sichtbaren Handzeichen und der Tatsache, dass Radfahrer:innen generell unauffälliger sind als größere Fahrzeuge, können Mikromobilitäts-Nutzer:innen starke Bremsmanöver gar nicht effektiv signalisieren. Aber auch Fußgänger:innen sind bei Dunkelheit oft unsichtbar. Kurzum geht es uns darum, Sichtbarkeit, Stabilität und Sicherheit von Mikromobilität-Nutzer*innen zu erhöhen.

Warum habt Ihr Euch entschieden, bei “Die Höhle der Löwen” mitzumachen?


Wir sind selbst große Fans des TV-Formats und wollten ehrlich gesagt schon immer mal ins Fernsehen. Deshalb war klar, dass wir uns irgendwann ohnehin für die Show würden bewerben müssen. Dann war da noch die Frage, ob wir uns besser bald oder lieber erst später bewerben sollten. Wir haben uns gedacht, solche Ziele sollte man gleich anpacken und der Versuch hat dann gleich gefruchtet. Die Teilnahme war und ist für uns ein großer Schritt und wir sind selbst schon gespannt auf die Ausstrahlung.

Wie nervös wart Ihr kurz vor Eurem TV-Pitch?


In den letzten Minuten vor Start der Show haben wir nur mehr die Eingangstür zur Höhle der Löwen fokussiert und waren einfach zu 100 % konzentriert. Nervöser waren wir eher noch im Vorlauf zum Drehtag. Da waren wir auf jeden Fall aufgewühlt und haben gehofft, dass der Pitch und die Requisiten wie geplant laufen – und dass wir uns kein Covid einfangen. Dann hätte der Dreh nicht stattgefunden und die ganze Vorbereitung wäre umsonst gewesen.

Euer Tipp an andere Gründer:innen, die mit einem Auftritt bei “Die Höhle der Löwen” liebäugeln?


Unser Tipp wäre: macht unbedingt mit, traut euch, euch zu bewerben und überlegt vorher wirklich gut, was ihr von welchem Löwen gerne hättet.

Wo steht Flasher in einem Jahr?


Anfang Dezember diesen Jahres bekommen die ersten Kund:innen ihre Produkte, das schaffen wir trotz der aktuellen Chipkrise. Trotzdem ist es mit der ein oder anderen Extra-Challenge verbunden, ein Hardwareprodukt zur aktuellen Zeit effizient auf den Markt zu bringen. Ab jetzt und auch im nächsten Jahr machen wir uns daran, Flasher einem möglichst großen Publikum zugänglich zu machen. Wir arbeiten bereits an Produktvariationen für Kund:innen, durch die wir das ermöglichen wollen. Im Business-Bereich arbeiten wir ebenfalls bereits an Produkten mit individuell auf Unternehmen zugeschnittener Software, das heißt ein Teil der nächsten Schritte ist auf jeden Fall Forschung- und Entwicklungsarbeit. Unternehmensintern streben wir nach einer Zukunft mit einem größeren Team, neuen Produkten und vielen zufriedenen Kund:innen. Wir sind guter Dinge, dass das schon in einem Jahr so laufen wird.

Tipp: Alles über die Vox-Gründer-Show gibt es in unserer DHDL-Rubrik.

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#StartupTicker – +++ Social Chain Group +++ Die Höhle der Löwen +++ Tomorrow +++ Dryad +++

#StartupTicker

#StartupTicker Löwen-Firma Social Chain in Schwierigkeiten “Die Höhle der Löwen”-Startups scheitern öfter Tomorrow schafft Transparenz bei Gehältern Dryad sammelt 10,5 Millionen ein

    Social Chain Group     Die Höhle der Löwen     Tomorrow     Dryad

Donnerstag, 25. August 2022VonTeam

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir einen kompakten Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Donnerstag, 25. August).

#STARTUPTICKER

Social Chain


“Umsatzeinbruch, Kursverfall, Corona-Deals: Die Social Chain der TV-Stars Ralf Dümmel und Georg Kofler ist in Schwierigkeiten, ihre Börsenstory zerbröckelt” – berichtet das Manager Magazin. Von der Wachstumsstory sei inzwischen kaum noch etwas übrig. “Der Börsenkurs ist seit Mitte November um gut 80 % eingebrochen.” Mehr im Manager Magazin

Die Höhle der Löwen


Schlechte Aussichten: “Die Gründershow geht in die zwölfte Staffel. Bei Zuschauern ist sie beliebt. Doch die Bonitätsauskunft Creditsafe stellt den Start-ups kein gutes Zeugnis aus” – heißt es im Handelsblatt. Nach Berechnungen von Creditsafe ist das Insolvenzrisiko sogar “deutlich höher als in der Wirtschaft allgemein”. Mehr im Handelsblatt

Tomorrow


Transparente Gehälter: “Das Startup Tomorrow macht vor, wie man transparente Gehälter schafft” – berichtet Business Punk. Im Artikel heißt es: “Bei Tomorrow werden die einheitlichen Level der Vergütung transparent kommuniziert. Wir kommunizieren nicht die Gehälter Einzelner, sondern den gesamten Gehaltsprozess – inklusive Zahlen. Mehr bei Business Punk

Dryad


Große Nummer: eCapital, Toba Capital, Semtech und Time Ventures investieren 10,5 Millionen Euro in Dryad. Das IoT-Startup, das 2020 von Carsten Brinkschulte gegründet wurde, entwickelt ein System zur ultrafrühen Erkennung von Waldbränden. Mit diesem System soll es sogar möglich sein, entlegene Waldgebiete zu überwachen. Mehr über Dryad

Was ist zuletzt sonst so passiert? Hier entlang zu den #StartupTicker-Ausgaben der vergangenen Tage

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#DHDL – 2bag: Chemie schlägt Vertriebswege

Immer wieder wird behauptet, dass letztendlich vor allem auch der menschliche Faktor entscheidet, in wen professionelle Geldgeber ihr Vertrauen setzen. Dass eben nicht immer alles perfekt laufen muss vor Investoren, denn diese wollen auch etwas von dem “echten” Menschen sehen. Viele Investoren gehen wohl während des Due Diligence-Prozesses auch gerne mal ein Bierchen mit den GründerInnen trinken, um dies zu erreichen. Doch es kann auch andersrum sein, und UnternehmerInnen fühlen sich bei einem bestimmten Investor einfach am Besten aufgehoben. So wie im Fall von 2bag.

Es ist immer wieder schön, wenn Investoren um GründerInnen buhlen. Und im Fall von 2bag wärmte sich wohl so einigen Zuschauern der ersten Folge der neuen Staffel von “Die Höhle der Löwen” so richtig das Herz: Nicht nur traten hier mit 17 Jahren zwei extrem junge Gründer vor die erfahrenen Investoren, auch schafften sie es, von allen Löwen ein Angebot zu bekommen – und das auch praktisch zu genau den Konditionen, die sie sich erhofft hatten: 20.000 Euro für 10 % ihrer Unternehmensanteile. Nur Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel taten sich zusammen und boten 40.000 Euro für 20 %.

Schon der Pitch saß, denn obwohl Nils Glagau, der gebeten wurde, bis 10 zu zählen, dies relativ schnell tat, erreichte er gerade einmal die 7. Denn da kam von den Gründern schon ein “Danke, reicht schon” denn sie hatten ihre Fahrradtasche bereits in einen Rucksack verwandelt.

Und auch der sonst so gefürchtete Frageteil konnte sie nicht schocken, denn sie schienen auf alles eine Antwort zu haben. Judith Williams war dann auch schnell so beeindruckt, dass sie das erste Angebot machte. Doch auch sonst kam Bewegung in die Löwen, Carsten Maschmeyer redete mit Ralf Dümmel und Nils Glagau lobte die faire Bewertung.

Diese wird wahrscheinlich auch einen Einfluss auf die Angebotsfreudigkeit der Löwen gehabt haben, und so schlossen sich auch Dr. Georg Kofler und Nils Glagau bald an und boten den Gründern ebenfalls ihren Wunsch-Deal an.

Es begann dann auch das, was sich wohl alle GründerInnen im Fundraising wünschen: der Spieß wurde umgedreht, statt den beiden jungen Gründern pitchten nun die Investoren und versuchten sich als die jeweils idealen Partner darzustellen.

Ob Nils Glagau wusste, dass sein Satz “Denkt an die Chemie, an den Spirit” später der Prägende dieses Investoren-Wettkampfes werden würde? Zumindest forderte er mit seinem Hinweis, der jüngste unter den anwesenden Löwen zu sein, seine Investoren-KollegInnen wohl ordentlich heraus. Denn Carsten Maschmeyer konterte unmittelbar, dass er auch der unerfahrenste sei, und sollte später noch einmal besonders seine und Ralf Dümmels Erfahrung in den Vordergrund rücken.

Doch die Altersdebatte war damit noch nicht erledigt: Nils Glagau legte nach mit dem Verweis auf Eltern, die die Sprache ihrer Kinder oft gar nicht mehr verstehen, da die Generation oft völlig unterschiedliche Wörter benutzen. Dies lässt wiederum Judith Williams nicht auf sich sitzen, und ist fest davon überzeugt, alle entsprechenden Wörter zu kennen. Doch der Orthomol-Chef bleibt unbeirrt, ist sich sicher, derjenige der fünf zu sein, der mit den Gründern am meisten auf einer Wellenlänge ist.

Und so wird er auch von den Gründern im Telefonat mit ihrem Mentor auf die Frage genannt, wer denn am meisten für ihr Unternehmen zu brennen scheint. Aber auch Judith Williams scheint Eindruck gemacht zu haben, und die Vertriebsmöglichkeiten des Duos aus Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel ebenso.

Die Gründer brauchen also Entscheidungshilfe und lassen die Löwen abermals um sie pitchen mit der Nachfrage, was denn jeweils ihr stärkstes Argument für sich als Partner wäre. Und wieder legen sich die erfahrenen Geldgeber für die noch minderjährigen Gründer ins Zeug, als ob es um den Jahrhundert-Deal ginge. Nils Glagau betont den nachhaltigen Markenaufbau, das Duo seine Vertriebswege und auch Möglichkeiten wie Teleshopping, Judith Williams wird etwas allgemeiner und gesteht auch jedem ihrer Konkurrenten um diesen Deal gute Möglichkeiten zu. Nur Dr. Georg Kofler weigert sich, weitere Argumente für sich vorzubringen, hält aber sein Angebot aufrecht. Hier scheint vielleicht ein bisschen die allgemein übliche – und auch durchaus verständliche – Haltung von Investoren durchzuscheinen, dass sie sich schon wünschen, dass Gründer sich auf sie vorbereiten.

Beim erneuten Rückzug der Gründer zur Beratung wird deutlich: die Vertriebswege des Löwen-Duos sind überzeugend, aber Nils Glagau hat einen Sympathie-Punkt getroffen. Und offensichtlich einen recht starken. Und der Satz “Ich weiß nicht, ob ich uns im Teleshopping sehe” scheint so etwas wie die Vorentscheidung zu sein: der jüngste Investor der Runde bekommt den Zuschlag mit den jüngsten Gründern der DHDL-Geschichte. Denn die beiden haben verstanden, was viele weitaus ältere GründerInnen oft noch lernen dürfen – und das nicht selten sehr schmerzhaft: Nicht nur für den Investor muss sich die Partnerschaft gut und richtig anfühlen, auch von Gründerseite sollte die Chemie stimmen.

Tipp: Alles über die Vox-Gründershow gibt es in unserer großen DHDL-Rubrik.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben):  TVNOW / Bernd-Michael Maurer

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