
Der einstige Leiter der Windows‑Sparte bei Microsoft, Steven Sinofsky, blickt in einem Beitrag auf Twitter mit gemischten Gefühlen auf Apples neues MacBook Neo. Er bezeichnet Apples neuen Laptop als „Paradigmenwechsel“ und sieht darin eine späte Bestätigung seiner Ideen, die er bereits vor über einem Jahrzehnt mit Windows 8 und dem Surface RT verfolgt hatte. Seine Reaktion ist dabei weniger triumphierend als vielmehr melancholisch, weil sie ihn an eine Vision erinnert, die aus seiner Sicht technisch funktionierte, aber am Markt scheiterte.
Sinofsky beginnt mit uneingeschränktem Lob für das MacBook Neo. „Alle Kompromisse sind völlig akzeptabel und bleiben von mir unbemerkt.“, schreibt er. Besonders betont er die langfristige Bedeutung dieses Ansatzes. Das Neo müsse sich nicht radikal weiterentwickeln, sondern lediglich auf seinem hohen Niveau bleiben. Seine Überzeugung fasst er in einem Satz zusammen, der viel über sein Denken verrät: „Neo doesn’t have to get better. It just has to stay excellent.“
Diese Einschätzung führt ihn unweigerlich zurück zum Surface RT. Auch dieses Gerät war ein Laptop mit einem Smartphone‑Chip, preislich im Bereich von 599 bis 699 Dollar angesiedelt und für alltägliche Aufgaben gedacht. Er bezeichnet das Surface RT als das MacBook Neo von 2012, allerdings war das Surface RT seiner Zeit voraus. Er analysiert darin auch, ob man damit Fehler gemacht hatte. War das Surface RT nur seiner Zeit voraus oder war es auch „falsch“?
So when I thought about Windows 8 over the past dozen years, I quite often settled on being early AND wrong or too much too soon when I didn’t want to feel that bad.
But today I’m using Neo and thinking about Windows 8 and Surface, and I have to admit I’m struggling with that conclusion.
Sinofsky widerspricht der gängigen Erzählung, dass die Hardware von Surface RT zu schwach oder unreif gewesen sei. Das Surface RT mit Nvidia‑Tegra‑Chip, 2 GB RAM und bis zu 64 GB Speicher habe problemlos Office‑Anwendungen und Web‑Browsing bewältigt. Es war nicht zu früh für die Hardware, auch nicht für die Touch-basierte Software. Das eigentliche Problem war das Ökosystem und das neue App-Modell, das Microsoft versuchte, seinen unwilligen Nutzern aufzudrängen und das erkennt er jetzt.
Where we were wrong was in moving the ecosystem to a new app model fast enough that was safer, more reliable, more power efficient. A lot of people rebelled about this.
Microsoft habe bewusst versucht, sich vom klassischen x86‑Windows‑Modell zu lösen, weil dieses für eine andere Ära ausgelegt gewesen sei. Der Widerstand von Entwicklern und Nutzern gegen diesen radikalen Schnitt habe jedoch den Erfolg verhindert. Gleichzeitig verteidigt er die damalige Strategie entschieden: „From the day we announced ARM we sought to separate the x86 Windows world and be new.“ Für ihn war Windows on ARM nie als Nebenlösung gedacht, sondern als langfristiger Ersatz.
In seinem Fazit wird deutlich, wie sehr ihn diese verpasste Chance noch beschäftigt. Er schreibt: „I type this today with these emotions and there’s no escaping my ‘certainty’ that had we kept going and been able to round the corner with developers to build new apps we would have been in the same spot Neo is today in just a few years.“ Sinofsky ist überzeugt, dass Microsoft mit genügend Durchhaltevermögen eine ähnliche Produktfamilie hätte aufbauen können, inklusive klassischer Laptops, All‑in‑One‑Desktops und mobiler Geräte mit Mobilfunkanbindung.