Kult-Geländewagen unter Strom: Mercedes macht die G-Klasse zum Elektroauto — mithilfe des Flaggschiffes EQS

Ihre kantige Grundform ist der G-Klasse bis heute erhalten geblieben. Genauso wie der Produktionsstandort Graz.
Ihre kantige Grundform ist der G-Klasse bis heute erhalten geblieben. Genauso wie der Produktionsstandort Graz.

Daimler AG

  • Die Mercedes G-Klasse ist bei ihrer Zielgruppe immer noch sehr beliebt. Allerdings wünschen sich Städter immer öfter einen Elektroantrieb. Mit der Elektroversion will Daimler ab 2024 zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
  • Optisch werden die beiden charakteristischen Merkmale des G gewahrt: die kantige Grundform und die runden Scheinwerfer. Sie dürfte aber den typischen EQ-„Grill“ und ein durchgehendes Leuchtband am Heck bekommen.
  • Der Leiterrahmen der aktuellen Modellgeneration soll genug Platz bieten für die großen Batterien. Deshalb bleibt dem EQG die technische Basis erhalten. Die Antriebstechnik übernimmt er dagegen voraussichtlich vom EQS.

Auch vier Dekaden nach ihrer ersten Präsentation hat Daimlers „Gelände-Klasse“ aus Graz nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Und das, obwohl sie in den letzten Jahren eine einschneidende Transformation durchgemacht hat. Aus dem spartanischen Allradler und Gebrauchsgegenstand von Förstern und Bergjägern ist über die Jahre ein luxuriöses Statussymbol geworden. Das Kultauto ist daher mittlerweile eher auf dem Berliner Ku’damm und dem Hamburger Jungfernstieg als in den Alpen heimisch und vor allem bei Rappern und Profifußballern beliebt.

Angesichts der verschärften Abgasnormen und des auf Klimaschutz bedachten Zeitgeists, muss sich die G-Klasse in den kommenden Jahren erneut anpassen, um ihr Überleben zu sichern. Vor allem die bollernden V8-Motoren der beliebten AMG-Modelle dürften in den europäischen Großstädten einen zunehmend schweren Stand haben. Die aus der Zeit gefallenen Triebwerke dürften bei Mercedes aber sowieso bald Geschichte sein, denn die Schwaben wollen in Europa schon 2030 nur noch reine E-Autos anbieten.

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Der letzte Mercedes könnte eine G-Klasse sein

Daher soll auch der kastenförmige Geländewagen bald unter Strom gesetzt werden. Daimler-Chef Ola Källenius hatte bereits Ende 2019 angekündigt, dass dieser eine reine Elektroversion bekommt, anstatt eingestellt zu werden. Der Schwede ist sich der großen Bedeutung der Baureihe für sein Unternehmen bewusst und sagte schon damals: „So wie ich das sehe, ist der letzte Mercedes, den wir bauen, eine G-Klasse!“

Von offizieller Seite gab es bezüglich des Projekts seitdem wenig zu vernehmen. Das britische Fachmagazin Autocar berichtete aber kürzlich, dass Anfang September auf Daimlers Stand auf der Münchner IAA eine Überraschung stehen soll: Ein vermutlich recht seriennahes Concept Car. Dieses soll einen konkreten Ausblick auf das Design der EQG genannten Serienversion geben. Laut der hauseigenen Elektrostrategie soll diese schon 2024 an den Start gehen. Die Präsentation des neuen Modells könnte jedoch schon ein Jahr früher stattfinden.

Zu den Erkennungszeichen der elektrischen EQ-Familie gehört der schwarze, geschlossene Grill. Im Bild das Topmodell EQS.
Zu den Erkennungszeichen der elektrischen EQ-Familie gehört der schwarze, geschlossene Grill. Im Bild das Topmodell EQS.

Daimler AG

Überarbeitetes Design im typischen EQ-Stil

Die Namensgebung macht es bereits deutlich: Die G-Klasse der Zukunft soll ein Teil der elektrischen EQ-Modellfamilie werden. Die Verwandtschaft mit EQA, EQC, EQS und Co. wird vor allem am Bug und dem Heck erkennbar sein.

Vorne ist es denkbar, dass der EQG einen angedeuteten und komplett geschlossenen Grill erhält, den er mit allen bisherigen Elektromodellen der Stuttgarter gemeinsam haben würde. Die typischen Rundscheinwerfer und die kantige Grundform werden ihm aber wohl erhalten bleiben, da der über die Jahre gewachsene Kultstatus sonst zu großen Teilen verloren gehen würde. Hinten dürfte ein durchgehendes Leuchtband im typischen EQ-Stil für einen bewusst modernen Touch sorgen.

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Modellbezeichnungen wurden bereits geschützt

Über den Innenraum des EQG ist noch so gut wie nichts bekannt. Angesichts der vergleichsweise hohen Preise und der gehobenen Positionierung des Modells wird sich der Autobauer hier aber wohl nicht lumpen lassen und die neuste Ausbaustufe des markentypischen MBUX-Bediensystems einbauen. Möglicherweise findet auch der riesige Hyperscreen des EQS in angepasster Form seinen Weg in den E-Geländewagen.

Von der elektrischen Oberklasse-Limousine wird der EQG wahrscheinlich auch die Antriebstechnik übernehmen. Daimler ließ sich nämlich im vergangenen Frühjahr beim „Amt der Europäischen Union für Geisteseigentum“ die beiden Modellbezeichnungen EQG 560 und EQG 580 schützen. Die beiden Varianten werden sich nicht nur leistungstechnisch, sondern auch bei der Kapazität der Batterien und somit auch in Sachen Reichweite unterscheiden.

Die Form dürfte hohe Reichweiten vereiteln

Das vorläufige Topmodell EQG 580 kommt voraussichtlich wie der EQS 580 mit zwei E-Motoren, die gemeinsam 523 PS und 855 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung stellen. Falls der klassische Leiterrahmen der aktuellen G-Klasse genug Platz dafür bietet, könnte er auch die größte Batterie der Elektro-Limousine übernehmen, mit einer Speicherkapazität von fast 108 kWh.

Mit einer Füllung schafft der EQS dank ihr nach der WLTP-Norm bis zu 770 Kilometer, was ihn zum aktuellen Reichweiten-Weltmeister unter den E-Autos macht. Er ist aber gleichzeitig auch das aerodynamisch effizienteste Serien-PKW der Welt, was man von der kompromisslos kantigen und in ihrer Grundform aus den Siebzigern stammenden G-Klasse wohl kaum behaupten kann. Deshalb dürfte dem EQG auch mit dem großen Lithium-Ionen-Akku früher der Saft ausgehen.

Die elektrische G-Klasse könnte wie der kleine Bruder EQB am Heck ein durchgehendes Leuchtband bekommen.
Die elektrische G-Klasse könnte wie der kleine Bruder EQB am Heck ein durchgehendes Leuchtband bekommen.

Daimler AG

Der Leiterrahmen bleibt der E-Version erhalten

Obwohl der Geländewagen mittlerweile luxuriös ausgestattet und vor allem auf den Boulevards internationaler Metropolen anzutreffen ist, hat er sein Talent abseits befestigter Straßen nicht verloren. Während der EQS und dessen SUV-Derivat auf Daimlers neuen Elektro-Plattform MEA aufbauen, wird der EQG das technische Grundgerüst der aktuellen G-Klasse auftragen. Mit dem Elektroantrieb könnte deren Offroad-Kompetenz nochmals gesteigert werden.

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Dank der im Fahrzeugboden platzierten Stromspeicher wird nicht nur die Gewichtsverteilung ausgeglichener – Gleichzeitig macht sich im Gelände und speziell an Böschungen auch das hohe und unmittelbar anstehende Drehmoment positiv bemerkbar, welches einzeln auf alle vier Räder verteilt werden kann. So könnten auch Offroad-Enthusiasten und Landbesitzer die G-Klasse für sich wiederentdecken und gleichzeitig der E-Mobilität verfallen.

Lärmgeplagte Städter dürften sich währenddessen eher darüber freuen, dass eines der Lieblingsmodelle der Autoposer plötzlich nahezu lautlos unterwegs ist und nicht mehr gewohnt aggressiv vor sich hin bollert. Auf anderen Märkten, wie beispielsweise den arabischen Emiraten, werden die V8-Motoren der klassisch angetriebenen AMG-Modelle dagegen noch länger Krach machen dürfen. Doch auch dort wird irgendwann Schluss mit den großvolumigen Verbrennern sein.

Die AMG-Versionen der G-Klasse dürften auf weniger strengen Weltmärkten noch länger angeboten werden.
Die AMG-Versionen der G-Klasse dürften auf weniger strengen Weltmärkten noch länger angeboten werden.

Daimler AG

Kleiner Bruder des Taycan: Mit dem „Cajun“ könnte Porsche den Angriff auf Teslas Model 3 wagen

Kleiner Bruder des Taycan: Mit dem „Cajun“ könnte Porsche den Angriff auf Teslas Model 3 wagen

  • Profielfoto Elias Holdenried

Der Ende 2019 eingeführte Elektro-Sportler Taycan kommt bei den Kunden gut an.
Der Ende 2019 eingeführte Elektro-Sportler Taycan kommt bei den Kunden gut an.

Porsche AG

  • Auch Porsche ist auf lange Sicht dazu gezwungen, seine Palette zum überwiegenden Teil auf elektrisch angetriebene Modelle umzustellen. Bis 2030 soll der E-Anteil am Absatz auf 80 Prozent gesteigert werden.
  • Das englische Magazin Autocar berichtet, dass auch eine elektrische Mittelklasse-Limousine geplant ist. Diese soll auf der gemeinsam mit Audi entwickelten PPE-Plattform stehen.
  • Als potenzielle Gegner werden das Tesla Model 3 und der BMW i4 anvisiert. Allerdings dürfte das möglicherweise „Cajun“ genannte Modell etwas teurer sein. Porsche möchte schließlich seinen Markennamen nicht verramschen.

Porsche hat sich bei der Transformation hin zur E-Mobilität ambitionierte Ziele gesetzt. Bis 2030 sollen rein elektrisch angetriebene Autos bereits achtzig Prozent des Gesamtabsatzes ausmachen. Entgegen anfänglicher Vorbehalte einiger Markenfans ist der elektrische Erstling der Zuffenhausener, der viertürige Sportwagen Taycan, recht erfolgreich angelaufen. Trotz der Corona-Pandemie und deren wirtschaftlichen Folgen konnte das Modell das anvisierte Ziel von 20.000 verkauften Einheiten im vergangenen Jahr sogar minimal übertreffen.

Der Name Cajun steht im Raum

Aber natürlich kann es der Taycan an der Elektro-Front nicht alleine richten. Wie das britische Magazin Autocar berichtet, plant der Sportwagenbauer offenbar eine elektrische Mittelklasse-Limousine, die ab circa 2024 gegen den BMW i4 und das Tesla Model 3 antreten soll. Preislich dürfte sie jedoch schon allein wegen des klangvollen Markennamen etwas höher angesiedelt sein.

Laut dem Automagazin soll für die elektrische Limousine der Name „Cajun“ wieder ausgegraben werden. Porsche hatte sich diese Modellbezeichnung bereits vor rund zehn Jahren für ein unterhalb des Cayenne angesiedeltes SUV mit Verbrennungsmotor schützen lassen. Letztendlich wurde das Modell jedoch Macan getauft. Die Entscheidung zum Bau einer weiteren Elektro-Limousine wäre recht naheliegend, schließlich hat Porsche mit der neuen, zusammen mit Audi entwickelten PPE-Plattform bald ein passendes Grundgerüst in petto.

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Audi und Porsche arbeiten zusammen

Autocar zitiert in seinem Artikel einen namentlich nicht genannten Porsche-Ingenieur, dessen Ausführungen einen konkreten Hinweis gegeben haben. „Die modulare Auslegung der PPE-Plattform macht es uns möglich, unser Angebot an Elektro-Fahrzeugen um eine ganze Reihe verschiedener Modelle zu erweitern. Sie ist auf eine normale, aber auch höhere Bodenfreiheit zugeschnitten. Eine zweite Limousine ist eine Möglichkeit“, sagte er gegenüber dem britischen Medium.

Die zweite Generation des Mittelklasse-SUV Macan wird als erster Porsche den elektrischen Premium-Baukasten nutzen. Deren Marktstart haben die Schwaben für 2023 anvisiert. In Ingolstadt wird auf derselben Basis derzeit an dem Audi-Pendant Q6 e-tron gearbeitet, das schon nächstes Jahr auf den Markt kommen dürfte. Zudem plant die Marke mit den vier Ringen die klassischen Limousinen A6 e-tron und A4 e-tron, die einige Monate nach dem Macan erhältlich sein dürften.

Heck- und Allradantrieb möglich

Technische Details des Cajun sind bisher noch nicht nach außen gedrungen. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Basisversion des voraussichtlich in Leipzig gebauten Modells einen einzelnen E-Motor an der Hinterachse bekommt und so mit einem reinen Heckantrieb vorfährt. Die gehobeneren Allradversionen bekommen ein zusätzliches Aggregat an der Vorderachse. Dieses Konzept hat sich bereits beim Taycan und den anderen rein elektrischen, auf der kleineren MEB-Plattform aufbauenden Elektro-Modellen des VW-Konzerns bewährt. Die PPE-Plattform soll mit ihrer Allradlenkung besonders agil sein und dank des 800 Volt-Bordnetzes schnellere Ladevorgänge ermöglichen.

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Wenn das Ersparte beim Amtsgericht landet: Das kann passieren, wenn ihr den Negativzinsen eurer Bank nicht zustimmt

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Wenn das Ersparte beim Amtsgericht landet: Das kann passieren, wenn ihr den Negativzinsen eurer Bank nicht zustimmt

  • Profielfoto Business Insider Deutschland

Eine Bankkarte der Sparkasse
Eine Bankkarte der Sparkasse

picture alliance / Kirchner-Media/Wedel | Kirchner-Media/Wedel

Der Bundesgerichtshof hat jüngst entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen.

In Düsseldorf hat die Sparkasse 2,43 Millionen Euro beim Amtsgericht wegen „Annahmeverzugs“ der Negativzinsen hinterlegt. Geld von fünf Kunden, die sich nicht zurückgemeldet hatten.

Was jetzt mit dem Geld passiert, wie es die Sparer zurückbekommen und ob auch beim Amtsgericht Negativzinsen fällig werden, hat die „FAZ“ analysiert.

Der Bundesgerichtshof hat jüngst entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen. Die vorausgesetzte stillschweigende Zustimmung benachteilige Kunden unangemessen. Viele Banken drehen wegen fehlender Erträge an der Gebührenschraube und ändern ihre AGBs entsprechend. 

Welche Folgen es hat, wenn sich ein Bankkunde nicht auf die Aufforderung der Bank zurückmeldet oder ihr nicht nachkommt, hat die „FAZ“ untersucht.

2,43 Millionen Euro beim Amtsgericht hinterlegt

In Düsseldorf, so die „FAZ“, wolle die Sparkasse gerade Negativzinsen für über 3500 Kunden mit großen Einlagen durchführen. Demnach habe die Sparkasse nach mehrmaliger Aufforderung die Konten von fünf Kunden gekündigt, die sich nicht zurückgemeldet hatten. Die verbliebenen 2,43 Millionen Euro habe die Sparkasse wegen „Annahmeverzugs“ beim Amtsgericht hinterlegt und auf ein Konto bei der Bundesbank überwiesen.

Was passiert nun mit dem Geld? Das Geld zurückzubekommen sei „etwas umständlich“, sagte der Rechtsprofessor Tobias Tröger der „FAZ“. Und: „Das Recht der Bankkunden auf Auszahlung der hinterlegten Einlagen erlischt nach 30 Jahren.“ Sollte das Geld bis dahin nicht abgeholt werden, lande es in der Staatskasse, wie das Amtsgericht und die Sparkasse gegenüber der „FAZ“ bestätigten.

Das Amtsgericht in Düsseldorf verwies darauf, sofern die Sparkasse auf das Recht der Rücknahme verzichte, könnten die Kunden sich direkt an die Hinterlegungsstelle wegen der Herausgabe wenden. Sie könnten ihr Geld dann zurückbekommen, sofern sie sich entsprechend legitimierten.

Werden auch beim Amtsgericht Negativzinsen fällig?

Bleibt die Frage, ob Negativzinsen auch beim Amtsgericht fällig werden? Das Amtsgericht in Düsseldorf sagte auf Anfrage der „FAZ“, für die hinterlegten Beträge würde seitens des Gerichts weder eine positive noch eine negative Verzinsung fällig.

Jedoch teilte die Bundesbank auf Anfrage der „FAZ“ mit, sie werde dem Amtsgericht für die hohen Beträge Negativzinsen in Rechnung stellen. Möglicherweise würden diese am Ende dann doch den Sparern als „Auslagen“ berechnet, glaubt Rechtsprofessor Tröger. Auf die Sparer käme die Höhe der Zentralbankzinsen zu, aktuell minus 0,5 Prozent. Das Amtsgericht Düsseldorf, so die „FAZ“, habe eingeräumt, dass die Kosten, sofern sie anfielen, gegebenenfalls als „Auslagen des Verfahrens“ von der hinterlegten Masse „in Abzug gebracht werden“.   

Mit Material der DPA

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