Mit „Pragmata“ von Capcom konnte ich in den Trailern nie so recht etwas anfangen. Es fiel mir schwer, zu durchschauen, was für eine Art von Spiel der Titel überhaupt sein wird. Der auf mich steril wirkende Cyber-Look ließ mich ebenfalls eher kalt. Inzwischen habe ich „Pragmata“ dann aber tatsächlich getestet und muss meine Meinung revidieren. Das Spiel bietet überraschend viel Herz und Charme sowie eine Mischung aus Retro-Gameplay-Wurzeln und innovativen Kniffen.
„Pragmata“ sollte ursprünglich bereits 2022 auf den Markt kommen, wurde dann aber mehrfach verschoben. Mancher Leser hatte deswegen vermutlich bereits Zweifel, überhaupt jemals in den Genuss dieses Titels zu kommen. Die Story des Spiels selbst ist zumindest zu Anfang weniger turbulent: Die Menschheit baut auf einer Mondbasis das Erz Lunum ab, welches in der nicht allzu fernen Zukunft eine Art Universal-Rohstoff darstellt. Aber irgendwas ist schiefgelaufen, denn als der Astronaut Hugh Williams die Basis erreicht, sind keine Menschen mehr zu finden. Dazu trennt ein Beben ihn vom Rest seiner Crew und verletzt ihn schwer.
Rettung naht in Form einer Androidin, welche Hugh Diana tauft. Sie rettet ihm nicht nur das Leben, sondern hilft ihm, sich anderer Roboter zu erwehren, die weniger freundlich auftreten. So kann sie sich in deren Systeme einhacken und ihm helfen, Verwundbarkeiten auszunutzen. Gemeinsam versuchen Hugh und Diana jetzt, das Rätsel um die verschwundene Besatzung der Mondbasis zu lüften und mit der Erde Kontakt aufzunehmen.
Mein Test-System:
- CPU: AMD Ryzen 7 9800X3D
- CPU-Kühler: Noctua NH-D15 G2
- Motherboard: MSI Tomahawk Wi-Fi AMD X670E
- RAM: 64 GByte G.Skill Trident Z5 Neo RGB DDR5-6000 CL30
- Grafikkarte: Nvidia GeForce RTX 5080
- SSD: Kingston Fury Renegade 2 TByte WD_Black SN850 1 TByte
- Externer Zusatzspeicher: SanDisk Extreme Portable SSD mit 8 TByte
- Netzteil: be quiet! Power Zone 2 (1.000 Watt)
- Tower: be quiet! Dark Base Pro 901 (White)
„Pragmata“ erinnert im Gameplay teilweise an die PS3-Ära
So viel zur Grundgeschichte von „Pragmata“, die euch gar nicht weiter spoilern will. Denn tatsächlich hält einen die Story bei diesem Third-Person-Action-Adventure wirklich bei Laune. Das Gameplay ist dabei im Übrigen eine recht ungewöhnliche Mischung aus Alt und Neu. So bietet das Spiel keine offene Spielwelt, sondern verschiedene Abschnitte, die allerdings alle von einem zentralen Hub aus erreicht werden. Dadurch habt ihr auch die Chance, in bereits durchkämmte Areale zurückzukehren. Die Kämpfe leben dabei von der Kombination aus Hacking (Diana) und anschließend zielgerichteter Shooting-Mechaniken (Hugh). Das ist ein cooler Twist, den man so in anderen modernen Spielen kaum noch findet.
Genau dieser eigene Gameplay-Dreh, gekoppelt mit eher linearen Abschnitten, erinnert mich persönlich dann eben an manche Games aus der PS3- und Xbox-360-Ära. Ihr steuert dabei sowohl Dianas Fähigkeiten als auch Hugh parallel. Klingt überfordernd, läuft aber schnell intuitiv ab. Zumal es schnell nicht nur darum geht, andere Roboter auszuknipsen, sondern auch Türen durch das Lösen kleinerer Rätsel zu lösen, Minen zu umgehen oder Raketenbeschuss abzuwenden, indem ihr den Zunder per Hacking postwendend an den Absender zurückschickt.
Der erwähnte Hub dient dabei im Übrigen nicht nur als Schlüsselpunkt, um neue und alte Areale zu besuchen, sondern er erlaubt es euch auch, eure Fähigkeiten mit Upgrades zu versehen. Es erwarten euch neue Hacking-Kombinationen, mehr Waffen und natürlich Steigerungen eures Schadens. Obgleich die Story auf einer Mondbasis spielt, erkundet ihr durchaus unterschiedliche Areale, die beispielsweise von Hologrammen und Strukturen aus einer Art 3D-Drucker auf Steroiden stammen. So abwechslungsreich wie das Gameplay sind die Umgebungen jedoch nicht, eine gewisse Vorliebe für das manchmal etwas glatte Sci-Fi-Flair solltet ihr also schon mitbringen. Die Geschichte ist dabei zwar manchmal ein wenig absurd, wird aber durch das Zusammenspiel der beiden liebenswerten Hauptfiguren zusammengehalten. Das hat jetzt nicht die Tiefe von „Persona 5“ oder „Baldur’s Gate 3“, hält einen aber exzellent bei der Stange.
Die RE Engine spielt ihre Stärken aus
Wie schon „Resident Evil Requiem„, so nutzt auch „Pragmata“ Capcoms eigene RE Engine. Mit meiner GeForce RTX 5080 konnte ich sowohl DLSS 4.5 (erzwungen über die Nvidia-App) als auch Multi-Frame-Generation nutzen. Zudem steht Pathtracing zur Verfügung, was aber wie üblich massiv die Performance absaugt. „Normales“ Ray-Tracing ist hier mindestens zu empfehlen, denn ohne die Aktivierung leidet die Beleuchtung im Spiel, ähnlich wie schon in „Resident Evil Requiem“, massiv. Auch Pathracing macht dann noch einmal einen erheblichen Unterschied.
Das „Pragmata“ besonders von Pathtracing profitiert, liegt daran, dass die Science-Fiction-Spielwelt besonders viele künstliche und reflektierende Oberflächen nutzt. Zumal auch DLSS Ray-Reconstruction bei Pathtracing greift – beim „normalen“ Ray-Tracing hingegen nicht, was etwas blöde gelöst ist. So konnte ich mit Ray-Tracing locker stabile 60 fps erreichen, selbst in nativer 4K-Auflösung ganz ohne DLSS. Bei Pathtracing kam ich ohne das Upscaling nicht aus und selbst der Performance-Modus wollte keine stabilen 60 fps hergeben. Lösung? Entweder die Qualität reduzieren oder in den Ultra-Performance-Modus wechseln. MFG bringt hier nicht wirklich etwas, da die native Bildrate zu oft unter 60 fps rutscht. Das ist eher eine Technik, die ich euch anrate, strebt ihr z. B. nach 120 fps.
So oder so gibt es bei „Pragmata“ auch auf High-End-PCs ab und an ein leichtes Stottern, wenn ein größeres Areal nachgeladen werden muss. Ansonsten ist das Art-Design immer noch nicht zu 100 % mein Geschmack und mir etwas zu glatt, aber speziell die Charaktere sehen wirklich gut aus. Die Animationen wirken hingegen ab und an etwas hölzern. Die Sprachausgabe steht im Übrigen nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch zur Verfügung, was auch für alle Bildschirmtexte gilt.
Mein Fazit
„Pragmata“ ist ein interessantes Spiel, dessen eigenständiger Gameplay-Twist mit der Mischung aus Hacking und Ballern an Titel der PS3-Ära erinnert. Die moderne Technik auf Basis der RE Engine macht eine gute Figur und die etwas zweckmäßige aber aufgrund der Dynamik der Hauptcharaktere charmante Geschichte tut ihr Übriges, um dieses Erlebnis im Gedächtnis bleibenzulassen.
Wie die Games der PS3-Ära hat „Pragmata“ aber auch so seine Ecken und Kanten. In der ersten Spielhälfte häufen sich manchmal etwas gleichförmige Feuergefechte, weil es dauert, bis der Upgrade-Zyklus in Gange kommt. Auch ist die Story manchmal einen Tick zu absurd. Und auch die kleinen Plattforming-Abschnitte wirken eher ungelenk als auflockernd.
Doch die smarten Kämpfe, das Protagonisten-Duo und der eigenständige Gameplay-Dreh lassen „Pragmata“ aus dem Einheitsbrei hervorstechen. Capcom stampft hier ein neues Franchise aus dem Boden, das hoffentlich seine Fans findet.
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