Wer sich heute fit fühlen will, kommt an Dashboards für die eigenen Körperwerte kaum vorbei. Oura und Whoop stehen für viele stellvertretend für den Trend der Selbstoptimierung und die schielen nun auf das Parkett der Börse. Die Bewertungen liegen dabei in Höhen von rund 10 Milliarden Dollar bis 11 Milliarden Dollar, was etwa dem Zehnfachen des Umsatzes entspricht.
Oura verlangt für den aktuellen smarten Ring 429 Euro und konnte bereits über 5,5 Millionen Exemplare absetzen. Damit rangiert das Unternehmen in den USA laut Marktforschern direkt hinter Schwergewichten wie Apple und Google. Whoop setzt hingegen auf ein Modell ohne Display am Handgelenk und zählt über 2,5 Millionen Mitglieder, wie das Wall Street Journal berichtet.
Für Anleger weckt das Ganze jedoch Erinnerungen an Fitbit. Die Pioniere starteten damals mit ähnlichen Marktwerten, verloren aber massiv an Boden, als All-in-One-Smartwatches den Markt überrollten. Am Ende kaufte Google den Laden für einen Bruchteil der ursprünglichen Bewertung.
Oura und Whoop versuchen sich durch Premium-Ansätze abzuheben, indem sie Herzfrequenzvariabilität oder Hauttemperatur in konkrete Erholungswerte übersetzen. Da beide ohne Display auskommen, fungieren sie oft als Ergänzung zur Apple Watch oder als dezente Alternative für Leute, die nicht noch einen weiteren Bildschirm am Körper tragen wollen.
Das Problem bei der Hardware bleibt wohl die geringe Marge, wie es im Bericht weiter heißt. Selbst Buden wie Peloton, die zeitweise wie Softwarefirmen bewertet wurden (ihr erinnert euch sicher an den „Corona-Boom“), stießen schnell an ihre Grenzen. Die Gewinnspannen sind schmal, da die Kosten für die Gewinnung neuer Kunden hoch ausfallen.
Wer Nutzer dauerhaft an ein Abo binden will, muss ständig investieren, um Abwanderungen auszugleichen. Oura fährt derzeit massive Werbekampagnen, was wiederum auf die Bilanz drückt. Zudem schläft die Konkurrenz nicht. Samsung drängt in den Ring-Markt und günstigere Tracker können grundlegende Daten wie den Ruhepuls oft ohne Zusatzkosten erfassen. Ich denke außerdem, dass auch Samsung bald so ein einfaches Ding ohne Display anbietet, um Whoop und Co. Kunden abzujagen.
Ob der Massenmarkt bereit ist, dauerhafte Abogebühren zu zahlen, um sich den eigenen Schlaf erklären zu lassen, bleibt abzuwarten. Analysten prognostizieren bereits ein Plateau für den Absatz smarter Ringe in den USA ab dem Jahr 2028. Ein Ausweg wäre da wohl die die medizinische Zertifizierung, damit Ärzte die Daten offiziell nutzen können, doch dieser Weg ist langwierig und streng reguliert.
Wenn das Wachstum erst einmal nachlässt, dürften auch die hohen Bewertungen schnell einknicken. Zum Vergleich: Garmin, ein profitables und etabliertes Unternehmen, lediglich mit dem Fünf- bis Sechsfachen des Umsatzes bewertet. Wellness und Gesundheitstracking sind zwar ein lukrativer Markt für Gutverdiener, aber noch lange kein Selbstläufer für die breite Masse. Und bei mir selbst? Nun ja, ich laufe „ja nur“ (draußen und auf meinem Laufband). Habe quasi seit Version 1 eine Apple Watch und mein (noch) zu hohes Gewicht nimmt seit Anfang 20210 eine Waage von Withings auf.
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