
Microsoft hat im Rahmen seiner K2-Qualitätsoffensive bedeutende Verbesserungen für das Startmenü in Windows 11 angekündigt. Dieses Versprechen hat man kürzlich auch gehalten. Ich habe mir daher in Build 26300.8553 aus dem Experimental Channel das neue Startmenü für euch etwas genauer angesehen. Die neuen Optionen sind erfreulich, werfen aber auch die Frage auf: Warum hat das so lange gedauert?
Microsofts K2-Offensive: Nutzerwünsche erneut relevant
Microsoft hat mit der sogenannten K2-Initiative versprochen, auf die zahlreichen Beschwerden und Wünsche seiner Nutzer einzugehen: Betroffen sind insbesondere fehlende Funktionen, die in Windows 10 noch vorhanden waren, sowie Änderungen, die gegen den ausdrücklichen Willen vieler User eingeführt wurden. Ein erstes konkretes Beispiel zeigt sich bereits beim Widgets-Icon in der Taskleiste: Das automatische Öffnen der Widgets beim Darüberfahren mit der Maus ist nun standardmäßig deaktiviert. Wer die Widgets öffnen möchte, muss jetzt aktiv darauf klicken.
Das neue Startmenü: Modular und deutlich flexibler
Das eigentliche Herzstück der neuen Änderungen ist das Startmenü. Microsoft macht es künftig deutlich modularer und gibt Nutzern die Möglichkeit, einzelne Bereiche vollständig ein- oder auszuschalten. Das Startmenü besteht bisher aus drei Hauptsegmenten, nämlich angepinnte Apps, dem empfohlenen Bereich und der App-Liste. Alle drei lassen sich künftig unabhängig voneinander vollständig deaktivieren.
Die neuen Einstellungen sind entweder über die Windows-Einstellungen oder per Rechtsklick auf das Startmenü → „Startmenü-Einstellungen“ erreichbar. Dort finden sich jetzt drei neue Schalter:
- Angepinnte Apps deaktivieren: Wer das Raster mit den angehefteten Apps nicht benötigt, kann es einfach abschalten.
- Empfohlener Bereich deaktivieren: Zuletzt verwendete Apps, vorgeschlagene Dateien sowie Tipps und Empfehlungen von Microsoft lassen sich mit einem einzigen Schalter ausblenden.
- App-Liste deaktivieren: Auch die vollständige App-Liste im Startmenü kann abgeschaltet werden. Was dann übrig bleibt, ist lediglich ein Hinweis, über den man die Einstellungen wieder öffnen kann.
Setzt man alle Schalter um, kann man tatsächlich ein komplett leeres Startmenü bekommen. Microsofts Startmenü sieht solche Bearbeitungsoptionen tatsächlich vor, denn Drittanbieter-Tools wie Windhawk erlauben schon lange die Modifizierung des bestehenden Windows 11-Startmenüs, ohne es durch andere Programme komplett ersetzen zu müssen. Die Community hatte Microsofts nun implementierte Änderungen also bereits schon lange umgesetzt, aber nun gibt es immerhin auch eine offizielle Lösung.
Startmenü mit Windhawk modifizieren
Drei Ansichtsmodi und optionales Smartphone-Widget
Das Startmenü unterstützt weiterhin drei Ansichtsmodi: Rasteransicht, Listenansicht und die Kategorieansicht. Auf der rechten Seite findet sich zudem das optionale Phone Link-Widget, das die Verknüpfung mit dem eigenen Smartphone ermöglicht und Akkustand sowie einige Benachrichtigungen vom Smartphone anzeigt.
Ebenfalls neu: Die Startmenü-Größe lässt sich jetzt manuell festlegen. Es gibt drei Optionen, nämlich „klein“, „groß“ und automatisch. Standardmäßig wählt Windows die Größe automatisch basierend auf der Bildschirmgröße. Wer jedoch möchte, kann das kleine Startmenü auch auf einem großen Monitor erzwingen oder umgekehrt. Die Größe des nach 25H2 eingeführten Startmenüs hatte bei vielen Nutzern für Kritik gesorgt.
Zuletzt wurde die Option hinzugefügt, Benutzername und Profilbild im Startmenü auszublenden. Besonders für Bildschirmaufnahmen und Präsentationen ist das eine praktische Ergänzung.
Wo noch Verbesserungsbedarf besteht
So erfreulich die neuen Optionen sind. Es gibt auch hier Kritikpunkte. Der Übergang zwischen dem normalen Startmenü und der Suchansicht wirkt weiterhin abrupt und könnte von einer flüssigen Animation profitieren. Die Größen dieser beiden Ansichten sind nämlich unterschiedlich.
Außerdem lässt die Kategorieansicht noch zu wünschen übrig. Apps wie Telegram, Obsidian, Marvins DJ Master oder der Affinity Publisher landen derzeit in der Sammelkategorie „Andere“, obwohl sie problemlos in sinnvollere Kategorien wie „Kommunikation“ oder „Kreativität“ eingeordnet werden könnten. Das Problem: Microsoft nutzt dafür ironischerweise keine KI-gestützte Erkennung und orientiert sich auch nicht einmal an den Microsoft-Store-Kategorien, wo Entwickler dies sogar für ihre eigenen Apps angeben müssen. Stattdessen gibt es eine vorgegebene, fest einprogrammierte Liste, die für jede bekannte Anwendung eine Kategorie vorgibt. Ist eine App nicht in dieser Liste, landet sie automatisch unter „Andere“. Dieses Problem besteht seit der ersten Ankündigung des neuen Startmenüs im Jahr 2025 und dürfte sich erst mit der Zeit bessern, wenn Microsoft die Liste sukzessive erweitert. Oder man lässt sich eine innovativere Lösung dafür einfallen.
Zwei Schritte zurück, ein Schritt vor
Microsoft hört wieder ausnahmsweise auf das Feedback seiner Nutzer. Davon darf man sich natürlich nicht die Welt erwarten, aber die Bemühungen rund um das Startmenü, den Modern Standby, die Taskleiste, den CFR sowie den Windows Explorer bezeugen immerhin ein aktuelles, wiedergefundenes Engagement für die Plattform. Die neuen Startmenü-Anpassungen dürften mit Windows 11 26H2 gegen Ende des Jahres 2026 für alle Nutzer verfügbar werden. Bis dahin können Insider im Experimental Channel bereits loslegen.