Diese futuristischen Fertig-Tinyhouses kosten 77.000 Dollar und können in Großbritannien bereits bestellt werden

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Diese futuristischen Fertig-Tinyhouses kosten 77.000 Dollar und können in Großbritannien bereits bestellt werden

Während der Pandemie waren Fertig-Tinyhouses plötzlich heiß begehrt. Wie auch bei Wohnmobilen stieg das Interesse während des Lockdowns sprunghaft an. Ein Unternehmen aus Singapur will aus diesem Trend nun Kapital schlagen und seine Produkte nach Europa bringen. Nestron heißt die Marke und fasst den futuristischen Look ihrer kleinen Häuschen in einem Instagram-Post wie folgt zusammen: „Elon Musk baut Raketen, wir bauen Nester!“

Ihre Tinyhouses sind mittlerweile ein „weltweites Phänomen“ geworden – so formulierte es zumindest Choco Toh vom Marketing-Team im Dezember bei der US-Ausgabe von Business Insider. Die Häuser seien ein solcher Erfolg gewesen, dass die Website von Nestron angesichts der „überwältigenden“ Nachfrage mehrfach in die Knie ging.

Nun haben die Köpfe hinter Nestron Großbritannien als nächsten Markt auserkoren. Genauer gesagt die englische Stadt Northampton, etwa 100 Kilometer nördlich von London. Toh zufolge will Nestron zehn Verkäufe abschließen, bevor sie wirklich in Europa an den Start gehen. Das Unternehmen schätzt aber, dass es bereits bis Ende des Jahres mehr als 100 Häuser in Großbritannien verkaufen wird. „Wir glauben, dass es mit dem Anstieg der Marketingaktivitäten nach unserem Debüt fast 100.000 potenzielle Käufer in Großbritannien gibt, was unseren lokalen Distributoren ein explosives und kontinuierliches Wachstum bescheren wird“, schreibt Toh in einer E-Mail.

Aktuell erschweren die Störungen im weltweiten Handelsverkehr auf dem Seeweg und die überlasteten Häfen Nestrons internationale Expansion. Doch bevor wir uns anschauen, wie das Unternehmen mit diesen Problemen umgegangen ist, werfen wir erstmal einen Blick in den Cube One und den Cube Two, die je nach Konfiguration zwischen 34.000 und 77.000 US-Dollar kosten.

Ein Blick ins Innere der futuristischen Fertig-Tinyhouses von Nestron

Ein Blick ins Innere der futuristischen Fertig-Tinyhouses von Nestron


  • Gestatten: Der Nestron Cube One. Das günstigere Tinyhouse-Modell des Unternehmens aus Shanghai geht in Großbritannien an den Start und soll zwischen 34.000 und 52.000 US-Dollar kosten.


    Und es geht noch deutlich futuristischer: Der Cube Two könnte auch Teil einer Marskolonie sein. Preislich bewegt er sich etwas höher, zwischen 59.000 und 77.000 US-Dollar.


    Die Preise variieren stark – je nach Zusatzausstattung, die von Solarzellen über beheizte Fußböden bis hin zu weiteren Smart-Geräten reicht.


    Nestron hat beide Tinyhouses lange vor seinen Expansionsplänen vorgestellt, seitdem aber die Größe angepasst: Der Cube One ist um etwa 1,5 Quadratmeter gewachsen, der Cube Two sogar um 2,3.


    Werfen wir einen Blick in den etwa 14,5 Quadratmeter großen Cube One.


    Wie in jedem normalen Haus verfügt das Wohnzimmer über einen Esstisch und ein Sofa, während das Schlafzimmer einen Beistelltisch, einen Kleiderschrank und natürlich ein Bett bietet.


    Im Badezimmer des Cube One findet ihr neben der Toilette auch die Dusche, einen Handtuchhalter und ein Waschbecken – alles in einem Bereich.


    Auf Annehmlichkeiten wie die futuristische Beleuchtung, Ablagen, elektrische Jalousien und einen Lautsprecher müsst ihr nicht verzichten. Und natürlich ist auch eine Klimaanlage eingebaut.


    Nun zum etwas größeren Cube Two. Das Tinyhouse ist an den gegenüberliegenden Enden mit zwei Betten ausgestattet und kann drei bis vier Personen beherbergen.


    Aber der Esstisch im Cube Two ist deutlich größer…


    … und es gibt Dachfenster für mehr natürliches Licht. So könnt ihr nachts selbst im Haus die Sterne beobachten.


    Beide Modelle sind isoliert und verfügen durch Nestrons „Canny“, einem System mit künstlicher Intelligenz, auch über Smart-Home-Funktionen


    Ihr fragt euch vielleicht, wie Nestron seine Fertig-Tinyhouses in einem Stück nach Europa schaffen will.


    Trotz dieser „Basis“ kam es bei Nestron, wie bei anderen Unternehmen auch, zu Verzögerungen.


    Aber anstatt seinen Kunden zusätzliches Geld für den sofortigen Versand zu berechnen, pausierte Nestron zunächst den Versand, bis die Kosten wieder gesunken sind.


    Trotz dieses Umwegs waren die Versandkosten immer noch höher als erwartet – zum Teil, weil das Unternehmen und seine Distributoren immer noch den Zeitplan für das Europadebüt einhalten wollten.


    Um den Transport zu erleichtern, haben die Tinyhouses eingebaute ausfahrbare Haken, die sie kranfähig machen.


    Und alle kleinen Wohneinheiten sind zudem in wasserdichtes Gewebe verpackt, sowohl um Rost zu vermeiden als auch um eine einfache Kontrolle zu ermöglichen.


    Die Exemplare in Großbritannien werden es potenziellen Kunden ermöglichen, „direkt mit Nestron-Geräten in Berührung zu kommen“, so Toh. „Die Erfahrung wird definitiv das Marktinteresse und die Kaufkraft beeinflussen.“

    hier.

Aktuelle News

Während Verfolgungsjagd mit der Polizei: Frau hält bei McDonald’s, um sich Chicken Nuggets zu kaufen

Ein McDonald's Drive-In in Cleveland
Ein McDonald’s Drive-In in Cleveland
picture alliance / Newscom | Image of Sport

Während einer zweistündigen Verfolgungsjagd mit der Polizei überfuhr eine Frau aus Massachusetts in den USA mehrere rote Ampeln und rammte Polizeifahrzeuge.

Die Verfolgungsjagd endete, als die Frau an einem McDonald’s Drive-In anhielt, um Chicken Nuggets zu bestellen und dabei gefasst wurde, sagte ein Augenzeuge.

Die Frau wird nun in 15 Punkten angeklagt, darunter unter anderem Widerstand gegen die Festnahme und Sachbeschädigung.

Manche Geschichten sind zu kurios, um sie nicht zu erzählen. Eine dieser Geschichten hat jetzt das US-Nachrichtenportal „Boston.com“ ausgegraben: In Worcester im US-Bundesstaat Massachusetts wurde eine Frau an einem McDonald’s Drive-In verhaftet, nachdem sie dort mitten in einer wilden Verfolgungsjagd mit der Polizei angehalten hatte – um Chicken Nuggets zu bestellen.

Die 38-jährige Johanna Gardel wurde von der Polizei gejagt, da sie in einem Auto saß, das zuvor als gestohlen gemeldet worden war, so das Worcester Police Department. Die Polizisten verfolgten Gardell, etwa zwei Stunden lang, da sie sich weigerte, anzuhalten, berichtet „Boston.com“.

Während der Verfolgungsjagd überfuhr sie rote Ampeln, fuhr in die falsche Richtung und rammte mehrere andere Fahrzeuge, darunter auch zwei Polizeiwagen, heißt es in dem lokalen Medienbericht. Dabei kamen aber auch Menschen zu Schaden: Ein Polizist wurde mit nicht-lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem sie ihn gerammt und mitgeschleift hatte, berichtete die „New York Post„.

Die Frau versuchte noch, den Polizisten zu entkommen

Gardell wurde schließlich in einem McDonald’s Drive-In mit Hilfe des GPS-Ortungsgeräts des gestohlenen Autos lokalisiert, so Boston.com. „Sie bestellte Chicken Nuggets, als die Polizisten sie stellten“, sagte Raymond James Simoncini, der Besitzer des gestohlenen Trucks.

Sie habe noch versucht, den Polizisten zu entkommen, sagte Simoncini, aber sei dabei mit dem gestohlenen Fahrzeug in einem Blumenbeet gelandet. Wie die die New York Post berichtet, habe Gardell noch einen Polizisten geschlagen, bevor sie festgenommen wurde. Gardell wurde schon einmal für den Verkauf von MDMA, Kokain, Heroin, und Fentanyl verhaftet, lässt sich einer Pressemitteilung des Worcester Police Departments aus dem Juli 2020 entnehmen.

Die Staatsanwaltschaft von Worcester sagte, Gardell werde nun in 15 Punkten angeklagt – einschließlich Körperverletzung mit einer gefährlichen Waffe, Verlassen des Unfallortes mit Sachschaden und Widerstand gegen die Festnahme.Bis zu einer Anhörung, in der darüber entschieden wird, als wie gefährlich sie einzustufen ist, wird sie ohne Kaution festgehalten, schreibt das Portal „Telegram & Gazette“.

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Dieser Text erschien zuerst im Englischen. Ihr könnt das Original hier lesen.

„Gehorche Mir! Gehorche!“: Labortechniker entwickelt Twitter-Bot, der sich für Gott hält


Fred de Noyelle/Getty Images

Wer öfter auf Twitter unterwegs ist, der rechnet inzwischen vermutlich mit Vielem. Und hat sich auch auf ein gewisses Maß verwirrten Staunens (oder Grauens) eingestellt. Was Travis DeShazo aber in den Wirren des Netzwerks gebaut hat, dürfte in vielen Timelines trotzdem wirken wie ein Deus ex Machina — der griechische Theatergott, der aus der Bühnentechnik auftaucht und dem dramatischen Geschehen seine überraschende Schlusswendung gibt.

Mit dem Theatertrick teilt DeShazos Account „@gods_txt“ aber nicht nur den Überraschungseffekt, sondern auch, nunja, das Göttliche. Denn unter diesem Namen hat der Labortechniker einen Twitter-Bot eingerichtet, der sich ausgerechnet für einen Gott zu halten scheint. Das berichtet das Tech-Nachrichtenportal „Digital Trends“.

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„Kein Gott der Leere oder des Chaos, sondern ein Gott der Weisheit. Dies ist das Wissen der Gottheit, das Ich, das Höchste Wesen, euch gewähre“, tönt es hier beispielsweise aus den Twittersphären. Und“Gehorche mir! Gehorche!“ De Shazo selbst nennt das „synthetic scripture“, zu deutsch etwa „synthetische Heilige Schrift“. Synthetisch deshalb, weil diese Sentenzen von einer künstlichen Intelligenz geschrieben werden, die DeShazo mit einer ganzen Bandbreite religiöser Texte trainiert hat. Als Basis dient das GPT-2-Lernmodell von OpenAI.

„Meine Sprüche sind ein Heilmittel für all eure biologischen Übel“

Im Prinzip brüte der Bot also wie ein Benediktinermönch ununterbrochen über diesen Schriften, so „Digital Trends“, und teile seine neuen Einsichten dann mit der Welt — beziehungsweise mit bisher knapp 3.500 Followern. Manche dieser Perlen lesen sich fast wie eine dadaistisch-sakral überdrehte Version der Achtsamkeitsbotschaften auf Yogi-Teebeuteln: „Meine Sprüche sind ein Heilmittel für all eure biologischen Übel. Geht hinaus aus diesem Ort und meditiert. Vielleicht werden eines Tages euer Blut warm und eure Knochen stark werden.“

Er habe die Künstliche Intelligenz mit den englischen Übersetzungen der Texte trainiert, sagte DeShazo zu „Digital Trends“. „Der Output übernimmt den Stil, die Themen und die Diktion des Ausgangsmaterials sowie Kombinationen davon.“ Es entstünden aber, wie bereits bei anderen Experimenten mit computergestützter Kreativität, durchaus völlig neue Ergebnisse. Als Textgrundlage diente ihm eine ganze Reihe alter religiöser Texte und Mythen, darunter die Bibel (Altes und Neues Testament), das Gilgamesch-Epos, die Rigveda — eine vedische Hymnen-Sammlung, die zu den wichtigsten hinduistischen Schriften gehört. Außerdem die Bhgavad Gita, Fragmente der zoroastrischen Avesta und ausgewählte Texte des Neoplatonismus.

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Computergenerierte surreale Bilder zu computergenerierten sakralen Texten

Andere sind bereits auf den Zug aufgesprungen. So hat der 22 Jahre alte Bokar N’Diaye, der Religionsanthropologie und Kunstgeschichte studiert, einen Bildgenerator entwickelt, der auf Basis von Texten, mit denen man ihn konfrontiert, gemäldeartige Bilder und Videos synthetisiert. In einigen Beispielen nutzt N’Diaye dafür auch die erhabenen Ergüsse von „gods_txt“ als Grundlage:

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Hier improvisiert sein Generator beispielsweise über den Tweet: „Durch die Kontemplation des Materiellen, des Unsterblichen und des Transzendenten können wir die Unwirklichkeit betrachten. Mit dem Fleisch sind wir nur mit einem Modus der Erkenntnis ausgestattet.“ N’Diaye interessiert daran vor allem der Aspekt der Interpretation religiöser und künstlerischer Texte. Denn denen würden wir mit einer anderen Erwartungshaltung begegnen als sachlichen. Anstatt aus den Tweets zu schließen, dass die K.I. wohl nicht weiß, wie ein realistischer menschlicher Satz aussieht, würden wir versuchen, einen geheimen Sinn zu entziffern — und dabei einen erheblichen subjektiven Input dazugeben, sagte er „Digital Trends“.

Religion und Tech-Eschatologie

Natürlich werde hier, indem man künstliche Intelligenz mit religiöser Ikonografie kombiniere, auch ein kontroverses Gebiet betreten, so „Digital Trends“ weiter. Aber die Verbindung der beiden sei vielleicht gar nicht so dünn, wie sie scheine. Das Gebiet der Künstlichen Intelligenz sei zwar einerseits „hyperrational“ und lasse sich dazu verleiten zu denken, Geist und Verstand könnten durch Hardware nachgebildet werden. Andererseits aber hätten die Zukunftsvisionen prominenter Tech-Vertreter auch oft einen zutiefst religiösen Touch. So würden etwa Apple Stores in bestimmten Aspekten Kathedralen ähneln und bei Fans fast eine religiöse Erfahrung auslösen.

Und nicht zuletzt gebe es auch in Bezug auf künstliche Intelligenz geradezu religiöse Endzeitvisionen: Beispielsweise ein eigenes Jüngstes Gericht, also den Tag, an dem die Menschen aus ihren leiblichen Hüllen befreit werden können, indem man ihr Bewusstsein digitalisiert und in die Cloud hochlädt — die Tech-kritische Netflix-Serie „Black Mirror“ lässt grüßen. Oder, so eine zweite Vorstellung: einen Punkt, an dem wir unsere biologischen Grenzen hinter uns lassen und durch technische Prothesen zu Androiden oder gar unsterblich werden — schon KI-Pionier Marvin Minsky habe diese Vorstellung formuliert.

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sb

Toxische Professionalität: Wie es das Arbeitsklima vergiftet, wenn Schwächen und Fehler nicht sichtbar sein dürfen


duchic/Shutterstock

Möglichst perfekt sein, keine Fehler machen, private Sorgen zu Hause lassen: Das traditionelle Bild von professionellem Verhalten lässt menschliche Züge noch immer außer Acht.

Das muss sich ändern, sagt Anja-Simone Michalski, Programmleiterin beim De Gruyter-Verlag. Der Wunsch nach Professionalität sei oft nur der Versuch, etwas zu kontrollieren, das nicht immer kontrolliert werden kann – oder sollte.

Michalski schlägt eine neue Professionalität vor, in der Menschen mit all ihren Facetten und Schwächen auf der Arbeit sichtbar werden dürfen. Dies schaffe eine neue Fehlerkultur und erleichtere nebenbei Berufsanfängern den Start.

Professionelles Verhalten ist die Eintrittskarte in den Traumjob, so lernen es junge Erwachsene. Die Professionalität kann wie ein Schutzschild wirken, der die vermeintlich fehlerhafte Menschlichkeit überdeckt. Glücklich werden Arbeitnehmende so aber nicht, kritisiert Anja-Simone Michalski, Programmleiterin im De Gruyter-Verlag. Und Unternehmen dient die professionelle Maske auch nicht: Fehler bleiben unentdeckt, fehlende Qualifikationen werden versteckt und deshalb gar nicht erst aufgebaut. So wird die toxische Professionalität zur Gefahr für die Zusammenarbeit in Teams und den Erfolg der Firma.

Michalski schlägt eine neue Professionalität vor, eine modernere, die besser zu den Menschen passt. Und von der Mitarbeitende und Organisationen gleichermaßen profitieren. Im Gespräch mit Business Insider erklärt sie, was sie damit meint.

Frau Michalski, Sie beklagen „toxische Professionalität“. Worum geht es dabei?

In meinen ersten Berufsjahren dachte ich, ich darf auf keinen Fall Fehler machen. Es darf niemand sehen, wenn ich irgendwas nicht gut kann. Oder, dass ich auch mal unsicher bin. Dazu kamen Fragen aus dem privaten Leben: Was mache ich eigentlich, wenn es mir mal nicht so gut geht? Wenn es zu Hause nicht gut läuft? Wenn ich einen Trauerfall in der Familie habe? – Wie viel davon darf ich mit zur Arbeit bringen? Wie viel davon dürfen vielleicht auch meine Kundinnen und Kunden oder mein Netzwerk sehen?

Wie haben Sie sich diese Fragen beantwortet?

Ich habe mich anfangs bemüht, möglichst wenig davon zu zeigen – obwohl ich dafür wirklich nicht der Typ bin. Aber ich dachte, das gehört zum professionellen Auftreten dazu. Je älter ich werde, desto mehr finde ich das toxisch. Am Anfang des Berufslebens denken wir, wir müssen diesen ganzen Katalog an Anforderungen erfüllen. Aber das schaffen wir nicht.

Was ist Professionalität?

Für mich hat sich das, was „Professionalität“ bedeutet, im Lauf meines Berufslebens immer wieder verändert. Ich glaube, das geht sehr vielen Menschen so. Viele denken am Anfang der Karriere, dass Professionalität vor allem bedeutet, Schwächen nicht zu zeigen. Aber in der Debatte um New Work und Neue Arbeit taucht mittlerweile auch immer wieder die Vorstellung auf, als ganzer Mensch zur Arbeit zu kommen. Das bricht eher traditionelle Professionalitätskonzepte auf.

Sie benutzen den Begriff #newprofessionalism. Wie sieht diese Neue Professionalität in Ihrem Team aus?

Als Teamleiterin schätze ich es, wenn Menschen auch mal sagen: „Ich kann das nicht. Ich brauche an dieser Stelle Hilfe“. Oder: „Ich habe heute keinen guten Tag. Kann jemand anderes das Protokoll schreiben? Ich bin heute nicht aufmerksam genug.“ Oder: „Mir ist ein Fehler passiert, können wir darüber reden?“ Das ist alles so viel besser, als wenn jemand ständig versucht, Schwierigkeiten zu verstecken. Für mich steckt in diesem offenen Umgang mit den eigenen Schwächen die eigentliche professionelle Leistung. Zur Professionalität sollte es auch gehören zu sagen: „Ich kann die nächsten zwei Wochen wahrscheinlich nicht so gut arbeiten, weil das Kind zu Hause ist. Wieder mal, weil wir es wegen Corona nicht in die Kita bringen können.“

Warum fällt das den Menschen gerade am Beginn des Berufslebens so schwer?

Weil sie unsicher sind. Sie starten in die Arbeitswelt und finden Schablonen vor. Die erste Schablone ist das Anforderungsprofil, auf das sie sich bewerben. Benannt ist nur die Rolle, der Mensch soll dann hineinpassen. Gleichzeitig haben Berufsanfängerinnen und Berufsanfänge eine schlechte Verhandlungsposition. Sie wollen rein in das Unternehmen. Sie wollen gemocht werden. Sie wollen wirken, als seien sie perfekte Kandidatinnen und Kandidaten für den Job.

Dann erschwert das traditionelle Bild von Professionalität auch für Führungskräfte den Einstellungsprozess?

Ja. Ich kämpfe in Bewerbungsgesprächen oft damit, überhaupt die Person zu greifen zu bekommen, die da eigentlich vor mir sitzt. Dabei gelingt es mir inzwischen ganz gut, mich mit den Menschen zu verbinden. Das muss man aber ganz aktiv machen. Sonst sind vor allem junge Bewerberinnen und Bewerber ständig damit beschäftigt, zu erzählen, was sie alles können – und bloß nicht zuzugeben, an welchen Stellen es noch nicht so gut läuft. Sie wollen den Eindruck erwecken, alles zu können, jede Anforderung der Stellenausschreibung zu erfüllen. Und werden sie gefragt, was ihre Schwächen sind, dann antworten viele immer noch brav: Perfektionismus.

Diese professionellen Rollen sind nicht neu. Warum sind sie überhaupt entstanden?

Sie erfüllen eine Funktion. Wenn Menschen die Anforderungsprofile für Bewerberinnen und Bewerber schreiben, dann wissen sie, was sie idealerweise brauchen. Sie wollen eine Lücke im Team oder gleich im Organigramm des Unternehmens füllen. Wer so genau sagt, was er oder sie sich wünscht, sagt auch: Ich will mich auf etwas verlassen können.

Klingt eigentlich ganz gut.

Ja. Aber in der Realität geht die Rechnung nie vollständig auf. Wann immer ich jemanden auf eine freie Stelle in einem Team setze, bleibt Raum für Überraschungen. Aber wir meinen, wenn wir möglichst viel Perfektion verlangen, dann könnten wir die Kontrolle über künftige Interaktionen und die Entwicklung einer Person im Unternehmen vorgeben. Das ist eine Illusion.

Was genau passiert bei der toxischen Professionalität im Unternehmen?

Ob wir toxische Professionalität an den Tag legen oder nicht, entscheidet zum Beispiel darüber, wie wir mit unvorhergesehenen Situationen umgehen. Ein riesiges Projekt stellt sich als schwieriger heraus, als alle dachten. Prozesse geraten ins Stocken. Das passiert regelmäßig und überall. Wer dann toxisch professionell agiert, Fehler vertuscht, eigene Schwächen nicht mit in die Rechnung nimmt, wird solche Situationen nicht gut lösen können und das Ding an die Wand fahren. Bewegen wir uns in einem toxisch professionellen System, ist es schwieriger, Fehler und Überforderung zuzugeben oder Ideen noch einmal neu zu besprechen, zurückzunehmen oder zu modifizieren.

Wie geht es besser?

Wenn ich mich nicht toxisch-professionell verhalte, kann ich sagen: „Super Aufgabe! Das interessiert mich – aber ich brauche begleitend vielleicht ein Sprachtandem mit einer Kollegin aus den USA.“ Diese Offenheit trägt die Handlungsfähigkeit der Organisation. Und denken wir an die menschliche Komponente, dann können wir mit einem neuen Verständnis von Professionalität bestenfalls verhindern, dass Menschen ausbrennen, weil sie den Mut haben, rechtzeitig über ihre Grenzen zu sprechen.

Wie wirkt sich toxische Professionalität auf die Menschen aus?

Ein Beispiel: Jemand hat einen Trauerfall im Freundeskreis. Bei falsch verstandener Professionalität würde die Person vielleicht versuchen, sich nichts davon anmerken lassen. Die Wahrscheinlichkeit, seelisch gesund zu bleiben, wird das bei den meisten Menschen allerdings nicht erhöhen. Diese Form von toxischer Professionalität macht weder Personen noch die Unternehmen, in denen sie arbeiten, resilient.

Mit der Abkehr von der klassischen Professionalität ändert sich etwas, das über eine sehr lange Zeit konstant war. Warum eigentlich?

Heute können die Menschen selbstbewusst sagen: So nicht. Wir müssen uns nicht mehr alles abverlangen. Das liegt sicher auch an der Digitalisierung, an der hohen Vernetzung. Und generell an einer höheren Bereitschaft zu Jobwechseln.

Wie können wir die Kultur der toxischen Professionalität ändern?

Jede und jeder in einer Organisation kann sich fragen, mit welcher Haltung wir unseren Kolleginnen und Kollegen begegnen. Wie interagieren wir? Freue ich mich bei Fehlern insgeheim, dass sie Gott sei Dank nicht mir passiert sind? Taktiere ich gegen andere, setze ich Ellenbogen ein? Oder bin ich nett, wohlwollend, unterstützend? Diese Entscheidung können wir alle jeden Tag und immer wieder aufs Neue treffen.

Wenn jemand morgen anfangen will, die Kultur der toxischen Professionalität in einer Organisation aufzulösen: Was ist der erste Schritt?

Geh‘ mit der Person Mittagessen, bei der du am ehesten das Gefühl hast, mit ihr in einem unguten Konkurrenzverhältnis zu stehen. Wenn du dich für ein kooperatives Miteinander starkmachen willst, dann sprich offen darüber. Sprecht darüber, wie ihr gemeinsam einen guten Job machen könnt. Für das Unternehmen oder für ein Projekt. Führungskräfte können ebenfalls gute Impulse setzen. Sagt deutlich: Ich honoriere nicht die Person, die unter Einsatz der Ellenbogen nach oben kommt. Honoriert kooperatives, faires Verhalten. Diese Haltung verlange ich mir als Führungskraft ab – das Gleiche erwarte ich auch von anderen.

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