Fynn Kliemann: Chronik eines Influencer-Fiaskos

Shitstorms, Anzeigen und enttäuschte Geschäftspartner: Viel ist passiert, seit Betrugsvorwürfe gegen Fynn Kliemann öffentlich wurden. Die wichtigsten Ereignisse zusammengefasst.

Vom „Heimwerkerking“ zum Influencer und schließlich zum mutmaßlichen Betrüger: Fynn Kliemann.

Vom „Heimwerkerking“ zum Influencer und schließlich zum mutmaßlichen Betrüger: Fynn Kliemann.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Clemens Niehaus/Geisler-Fotopress

Seit Anfang Mai halten die Betrugsvorwürfe gegen Influencer Fynn Kliemann das Netz in Atem. Der 34-Jährige soll nach Recherchen des Redaktionsteams um TV-Satiriker Jan Böhmermann bewusst falsche Angaben beim Handel mit Atemschutzmasken gemacht, Geschäftspartner getäuscht und die Lieferung fehlerhafter Masken an Flüchtlinge zumindest mit organisiert haben. Zudem habe Kliemann von den Geschäften – anders als behauptet – auch finanziell profitiert.

Gegen Kliemann liegen inzwischen nicht nur erste Anzeigen vor. Auch zahlreiche Geschäftspartner haben sich zuletzt von ihm distanziert und Kooperationen beendet. Gründerszene fasst die wichtigsten Schlüsselmomente des Influencers zusammen – vom Aufstieg bis zum tiefen Fall:

April 2015: Fynn Kliemann lädt sein erstes Heimwerker-Video hoch – eine Anleitung zum Bau eines Schwebestativs. „Zum Spaß, um meinen Freunden zu zeigen, dass man für sowas keinen Tausender hinblättern braucht“, erzählt ­Kliemann später dem Magazin t3n: „Es wurde geteilt wie bescheuert.“ Zehntausende sehen sich den Clip an. Als selbsternannter „Heimwerkerking“ postet der gelernte Mediengestalter daraufhin weitere Videos mit teils kuriosen Projekten: So filmt sich Kliemann in seiner Garage etwa dabei, wie er einen Streitwagen oder ein Trainingsgerät für Astronauten baut.

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Durchbruch dank ZDF-Kooperation

August 2016: Mit einem Filmteam aus Hannover kaufte Kliemann zuvor einen Bauernhof in Rüspel bei Bremen, mitten in der niedersächsischen Pampa. Angeblich nur, „um ein bisschen mit dem Traktor rumzuballern“ oder DIY-Raketen „abzuschießen“, wie Fynn Kliemann sagt. Schnell wird daraus aber mehr: Der Youtuber tauft das drei Hektar große Areal in „Kliemannsland“ um, will so den „ersten, besten und freiesten Interaktiv-Staat der Welt“ aufbauen. Freiwillige könnten auf dem Hof mit anpacken. Was es vor Ort konkret zu tun gibt, sagt einem die von Kliemann programmierte Web-App „Fynnder“.

Filmisch produziert wird das Projekt für das ZDF-Jugendformat Funk. Zusätzlich zu Kliemanns persönlichem Youtube-Kanal entsteht unter dem Namen „Kliemannsland“ ein zweiter. Für den Jungunternehmer markiert die Kooperation den Anfang einer steilen Influencer-Karriere.

Oktober 2016: Fynn Kliemann steigt in den Handel mit Merchandise ein. Unter der Marke „Oderso“ verkauft er selbst gestaltete Kapuzenpullis und Mützen im eigenen Webshop. Die Produktion übernimmt die Textilfirma Global Tactics, die nach eigenen Angaben fair und nachhaltig in Europa produziert.

September 2018: Kliemann, der laut eigener Aussage seit seiner Jugend Musik macht, veröffentlicht sein erstes Musikalbum „Nie“. Die Besonderheit: Den Vertrieb organisiert er selbst, auf ein professionelles Plattenlabel verzichtet er. Über eine Art Crowdfunding-Kampagne generiert er 80.000 Vorbestellungen. Insgesamt verkauft sich das Album 100.000-mal. Dafür erhält er die Goldene Schallplatte.

November 2018: Mit Kumpel und Ex-Sidekick von Joko und Klaas, Olli Schulz, kauft Kliemann das Hausboot des verstorbenen Musikers Gunter Gabriel. Für das abgewohnte Objekt im Hamburger Hafen bezahlen beide insgesamt 30.000 Euro. Was genau Kliemann und Schulz mit dem Hausboot planen, ist zunächst nicht klar. Nur soviel: Es soll wieder zum Leben erweckt werden.

Erste Deals mit Sponsoren

Januar 2020: Kliemann hat sich inzwischen eine beachtliche Reichweite aufgebaut. Seine beiden Youtube-Kanäle kommen zusammengezählt auf rund eine Million Abonnenten. Auch auf Instagram hat Kliemann mehrere hunderttausend Follower. Von seinem Credo, grundsätzlich alle Anfragen für bezahlte Werbepartnerschaften abzulehnen, ist der Influencer inzwischen abgerückt. So unterhält Kliemann unter anderem Kooperationen mit der Trinkwasserschutzorganisation Viva con Agua. Später kommt unter anderem der Energieversorger EWE hinzu, der das Kliemannsland energiesparend umrüstet. Weitere Werbepartner in der Kliemann-Vita: Die Biermarke Jever und die Baumarkt-Kette Toom.

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Fynn Kliemann

April 2020: Sein Image als Weltverbesserer weiß Kliemann auch in der Corona-Pandemie zu nutzen. Um Arbeitsplätze an den europäischen Produktionsstätten der Textilfirma Global Tactics zu sichern, stellt Kliemann mit einem Geschäftspartner die Produktion auf Schutzmasken um. Gleichzeitig bezeichnet der Influencer bisherige Masken-Anbieter als „Profitgeier“, er wolle zeigen, dass man Masken auch in Europa zu fairen Preisen und Arbeitsbedingungen fertigen könne. Aufsehen erregt Kliemann zudem mit der Ankündigung, rund 100.000 Masken an Flüchtlinge zu spenden. Auch Business Insider berichtet, schreibt von zwei Unternehmern, die sich „gesellschaftlich verantwortlich fühlen.“

Finanzielle Erfolge mit Musik und NFTs

März 2021: Fynn Kliemann verzeichnet einen beachtlichen finanziellen Erfolg mit sogenannten NFTs. Er versteigert insgesamt 100 digitale Abdrucke selbst kreierter Kunstwerke auf einer Krypto-Plattform. Darüber nimmt er circa 170 Ether ein – nach damaligem Kurs umgerechnet 250.000 Euro.

März 2021: Wie sehr sich auch der Ausflug von Fynn Kliemann in die professionelle Musikwelt gelohnt hat, zeigt ein Geschäftsabschluss seines neu gegründeten Two Finger Records. Demzufolge hat der Musiker 2019 mit seinen Werken einen Vorsteuergewinn von 818.000 Euro erzielt.

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März 2021: Drei Jahre, nachdem Kliemann mit Olli Schulz das Hausboot des verstorbenen Musikers Gunter Gabriel gekauft hat, erscheint auf Netflix eine Dokuserie über das Projekt. Die Doku zeigt, wie Kliemann und Schulz das Hausboot sanieren und neu einrichten. Wieder berichten zahlreiche Medien über das Projekt, was Fynn Kliemann zu weiterer Bekanntheit verhilft.

August 2021: Erneut macht Fynn Kliemann selbst kreierte Gemälde zu Geld. Diesmal in physischer Form als Echt- oder Kunstdruck. 1,3 Millionen Euro kommen so laut Nord24.de zusammen.

Februar 2022: Neues Jahr, neues Projekt – Kliemann startet unter dem Namen LDGG („Lass dir gut gehen“) ein eigenes Vermietungsportal für Ferienwohnungen mit ungewöhnlicher Architektur. Die Immobilien (zum Beispiel einen Wasserturm oder ein Tiny House) erwirbt Kliemann meist im sanierungsbedürftigen Zustand und möbelt diese neu auf – auch durch Sponsoren.

Betrugsvorwürfe von Jan Böhmermann

3. Mai 2022: Fynn Kliemann veröffentlicht in einem Instagram-Video einen kritischen Fragenkatalog der „ZDF Magazin Royale“-Redaktion, die er „von der Chefredakteurin“ per Mail erhalten habe. Worum es dem Redaktionsteam von TV-Satiriker Jan Böhmermann geht, wird zunächst nicht ganz klar. Die Fragen beziehen sich vor allem allgemein auf Details zu Kliemanns Maskengeschäften im Frühjahr 2020.

Kliemann selbst gibt sich in dem Video gelassen: Er sei ja eigentlich „ein Fan von transparenten Gesprächen miteinander“, sagt er. Zudem finde er es gut, „Dinge zu hinterfragen und nicht einfach so hinzunehmen“, ebenso wie investigative Journalisten, die hinterfragten. Kliemann beantwortet die Fragen anschließend aus seiner Sicht in knapp 30 Minuten. Fans feiern den Influencer für seine vermeintliche Offenheit: „Krass transparent“, schreibt etwa ein Anhänger bei Instagram.

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6. Mai 2022: Das „ZDF Magazin Royale“ um TV-Satiriker Jan Böhmermann veröffentlicht über Nacht eine neue Folge. In dem knapp halbstündigen Video wirft Böhmermann Kliemann vor, falsche Angaben beim Handel mit Atemschutzmasken gemacht zu haben. Statt wie von Kliemann und dessen Textilpartner Global Tactics im Frühjahr 2020 behauptet, stammten die Masken nicht aus fairer Produktion in Europa, sondern aus Bangladesch und Vietnam. Zudem sollen die rund 100.000 Masken, die Kliemann medienwirksam an Flüchtlinge gespendet hat, fehlerhaft gewesen sein. Auch habe sich der Influencer an Maskendeals sehr wohl bereichert. Die Rede ist von einem Millionengewinn. Böhmermann beruft sich bei seinen Recherchen auf Lieferscheine, Whatsapp-Chats sowie Foto- und Videoaufnahmen. Das Enthüllungsvideo kommt schnell auf über eine Million Abrufe bei Youtube.

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6. Mai 2022: Am Abend reagiert Fynn Kliemann auf die Vorwürfe. Er wolle sich „in aller Form bei allen Personen, Organisationen, Institutionen entschuldigen“, die nun „enttäuscht und geschockt“ seien, teilt er auf Instagram mit. Er nehme die Vorwürfe sehr ernst. „Für einige muss ich mich entschuldigen und andere muss ich dringend richtig stellen, da jene Betrugsvorwürfe einfach nicht stimmen.“ Er liest ein mehrseitiges Statement vor und versucht, die erhobenen Vorwürfe zu entkräften.

6. Mai 2022: Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis (DNP), die Kliemann in 2020 noch für sein Maskenprojekt einem Sonderpreis ausgezeichnet hatte, erkennt ihm diesen ab.  „Weil er unlautere Methoden angewendet und uns mit Greenwashing hintergangen hat“, so die Begründung der Stiftung.

7. Mai 2022: Getäuscht worden sein soll außerdem der Online-Modehändler About You. Der hatte die Atemschutzmasken von Fynn Kliemann in sein Sortiment aufgenommen, wohl in der Annahme, die Masken stammten tatsächlich aus europäischer Produktion. Fynn Kliemann gibt in seinem Statement an, About You habe davon gewusst. Das bestreitet About-You-Mitgründer Tarek Müller bei Instagram umgehend. Das Unternehmen entfernt die Atemschutzmasken aus seinem Sortiment.

Erste Anzeigen bei der Polizei

9. Mai 2022: Fynn Kliemann veröffentlicht auf Instagram ein zweites Statement zu den Vorwürfen. Das fällt dieses Mal deutlich kürzer aus. Nach „Zehntausenden Nachrichten“ und „Fragen über Fragen“ habe er einen „riesigen Knoten im Kopf“, schreibt er. Er wolle sich demnächst noch einmal äußern. Dafür brauche er jedoch erst einmal etwas Zeit, bis er „Klarheit über die Details“ habe.

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10. Mai 2022: Die Betrugsvorwürfe haben für Fynn Kliemann erste juristische Folgen. Wie die Syker Kreiszeitung berichtet, seien bei der Polizeiinspektion im niedersächsischen Rotenburg „eine Handvoll Hinweise“ sowie eine Strafanzeige aus der Bevölkerung eingegangen. „Die Leute haben mitbekommen, dass Fynn Kliemann in diesem Landkreis wohnt“, sagte ein Sprecher der Kreiszeitung. Die Behörde stehe zudem im Austausch mit der Staatsanwaltschaft. Auch gegen die Textilfirma Global Tactics, an der Kliemann als Gesellschafter beteiligt ist, liegt laut der Wirtschaftswoche eine Strafanzeige vor.

12. Mai 2022: Weitere Geschäftspartner trennen sich von Fynn Kliemann. Nachdem sich bereits die Trinkwasserschutzorganisation Viva con Agua, der Modeshop About You und der Energieversorger EWE vom Influencer losgesagt haben, stoppen nun auch der Getränkehersteller Berentzen und die Baumarkt-Kette Toom die Zusammenarbeit. Kurz darauf zieht zudem die Biermarke Jever nach.

20. Mai 2022: Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) legt ein geplantes Fernsehprojekt mit Fynn Kliemann vorerst auf Eis. Laut dem Branchendienst DWDL soll der NDR mit dem Influencer ein Comedy-Format geplant haben. Das Projekt hätte demnach mit knapp 500.000 Euro bezuschusst werden sollen.

21. Mai 2022: Nach den Betrugsvorwürfen gegen Fynn Kliemann und den Maskenlieferanten Global Tactics, tritt der Geschäftsführer des Unternehmens, Tom Illbruck, zurück. Tom Illbruck ist Gründer der Textilfirma Global Tactics und arbeitete seit 2020 mit dem Influencer zusammen.

Entschuldungs-Video auf Instagram

25. Mai 2022: Wie der Spiegel durch neue Dokumente, E-Mails, WhatsApp-Nachrichten herausgefunden hat, wollte sich Kliemann schon seit mehreren Monaten von dem Masken-Projekt distanzieren. Demnach untersagte der Influencer, in diesem Zusammenhang mit seinem Gesicht zu werben. Daraufhin habe etwa die Drogeriekette Rossmann eine größere Bestellung storniert. Aus juristischen Kabbeleien habe Kliemann sich bewusst zurückgehalten und auf seine Geschäftspartner verwiesen. Angesprochen auf gerichtliche Schreiben antwortete er laut Bericht „ich will das gar nicht sehen hahahaha“. Um einen ersten Schritt in Richtung einer Aufbesserung seines Image zu gehen, wolle Kliemann nun den vermeintlichen Gewinn – überprüft ist die Summe von rund 280.000 Euro nicht – aus den Maskengeschäften an gemeinnützige Institutionen spenden. Indes outete sich OMR-Chef Philipp Westermeyer als stiller Teilhaber an Kliemanns Aktivitäten. Vor wenigen Jahren habe er sich mit 25.000 Euro beteiligt.

28. Mai 2022: Fynn Kliemann meldet sich knapp drei Wochen nach Bekanntwerden der Betrugsvorwürfe mit einem neuen Video auf Instagram zurück. Darin entschuldigt er sich für die Vorwürfe und verspricht einen Regelkatalog für seine zahlreichen Firmen. Innerhalb weniger Tage wird das Video rund eine Million Mal abgerufen. Die Reaktionen sind überwiegend positiv.

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29. Mai 2022: Auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wird das neue Kliemann-Video rege diskutiert. Nicht jeder sieht darin aber eine aufrichtige Entschuldigung. Ein Twitter-Nutzer, der sich als „ehemaliger PR-Berater“ bezeichnet, sieht in dem Video ein Beispiel für Krisenkommunikation, wie es sie sonst nur in Konzernen gibt. Der Thread ist durchaus lesenswert:

Als ehemaliger PR-Berater möchte ich hier mal meine Meinung zum neuen Video von #kliemann sagen.#lmaafk #kliemannsland #fynnkliemann
Let's go.
Vorab: Nach seinem letzten Video dachte ich nur “Hätte er mal besser Profis gefragt”. Nun, das hat er. Aber ob das gut war? (1/x)

— This is this 💪🏼🇺🇦 (@barbcore) May 29, 2022“>

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Diese Chronik wird fortlaufend aktualisiert.

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So machten vier Ingenieure ihr Flugtaxi-Startup Lilium zum Börsenkandidaten

  • Tesla der Lüfte?

  • Profielfoto Daniel Hüfner

Teils spektakuläre Videos haben Lilium den Ruf als deutscher Flugtaxi-Pionier eingebracht. Schon bald sollen die Elektrojets abheben. Doch kann sich das Startup gegen seine Zweifler behaupten?

Die Lilium-Gründer Sebastian Born, Patrick Nathen Daniel Wiegand und Matthias Meiner (von links)
Die Lilium-Gründer Sebastian Born, Patrick Nathen Daniel Wiegand und Matthias Meiner (von links)

Lilium Aviation

Wer an Flugtaxis denkt, denkt schnell an Lilium. Dem Münchner Startup ist gelungen, wovon viele Gründer träumen: Obwohl noch ohne massentaugliches Produkt auf dem Markt, verbinden viele Menschen die Firma bereits mit einer besonderen Innovation.

Ähnlich wie Tesla, das trotz anfänglich geringer Stückzahlen schnell den Ruf als Elektroautopionier innehatte, werden die batteriebetriebenen Senkrechtstarter von Lilium als Blaupause für eine urbane Mobilität angesehen, in der Menschen autonom und zum Taxipreis ins Büro schweben. Diese Vision jedenfalls will Lilium-Gründer Daniel Wiegand realisieren. „Das wird zirka zehn Jahre dauern“, sagte er 2017 zu Gründerszene.

An Geld mangelt es dem jungen Flugtaxi-Bauer bisher nicht. Seit Gründung sind schon mehr als 300 Millionen Euro in die Entwicklung des Jets geflossen, unter anderem vom Tech-Konzern Tencent und Szenekopf Frank Thelen. Auf mehr als eine Milliarde US-Dollar wird der Wert des Startups taxiert, Lilium zählt damit zum Kreis der wachsenden Unicorns in Deutschland. Auch über einen Börsengang wurde in der Branche schon mehrfach spekuliert. Gründerszene zeichnet die wichtigsten Meilensteine in der noch jungen Firmengeschichte in einer Chronik nach.

2015

Februar: Der studierte Raumfahrttechniker Daniel Wiegand meldet die Lilium GmbH offiziell beim Amtsgericht in München an. Unterstützt wird der damals 29-Jährige von den drei Ingenieuren Sebastian Born, Matthias Meiner und Patrick Nathen. Alle vier haben an der Technischen Universität München studiert. Die Idee für das Flugtaxi geht jedoch auf Wiegand zurück. „Ich habe schon als Kind Modellflugzeuge gebaut, mit 14 Jahren habe ich dann einen Segelflugschein gemacht“, erzählt der Gründer dem Handelsblatt. Irgendwann habe er dann auf Youtube ein Video von einem senkrecht startenden Militärflugzeug gesehen. „Und da dachte ich: Eigentlich hätte ich gern so ein Ding für mich privat.“

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Vom Studentenprojekt zum Millionen-Nutzer-Fintech: So wurde Trade Republic groß

  • Firmengeschichte

  • Profielfoto Timo Brücken

Was als kleines App-Projekt mit Piraten-Wortspiel im Namen begann, ist heute eines der gefeiertsten Finanz-Startups des Landes. Doch mit dem Erfolg kam für Trade Republic auch die Kritik.

Die Gründer von Trade Republic (v.r.): Thomas Pischke und Christian Hecker lernten sich 2011 im Studium kennen. Marco Cancellieri stieß kurz vor der Gründung 2015 zum Team.
Die Gründer von Trade Republic (v.r.): Thomas Pischke und Christian Hecker lernten sich 2011 im Studium kennen. Marco Cancellieri stieß kurz vor der Gründung 2015 zum Team.

Trade Republic

Für die einen versprechen sie die Demokratisierung des Aktienmarktes und Umverteilung von Reich nach Arm. Für die anderen sind sie Zocker-Tools mit gefährlich hohem Suchtfaktor, bei denen am Ende doch nur wieder die gleichen alten Finanzunternehmen abkassieren: Neobroker wollen extrem kostengünstigen Aktienhandel per App möglich machen und so eine besonders junge Zielgruppe ansprechen.

Der wohl bekannteste ist das US-Startup Robinhood, das bald selbst an die Börse gehen soll, aber auch in Deutschland gibt es Nachahmer der Idee. Allen voran Trade Republic, gegründet in München und mittlerweile in Berlin ansässig – ein Startup, das es im Börsen-Boom der Pandemie zur mittleren dreistelligen Millionenbewertung gebracht hat, zuletzt aber auch Kritik für sein Geschäftsmodell einstecken musste.

Wir erzählen die Entstehungsgeschichte der Trading-App von Anfang an:

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