
Die Welt der heimischen Stromerzeugung dreht sich ja gefühlt jeden Tag ein bisschen schneller. Was vor ein paar Jahren noch als simples Balkonkraftwerk mit zwei kleinen Modulen anfing, nimmt mittlerweile Dimensionen an, für die man früher eine fette Dach-Anlage brauchte. Anker hat mit der neuen SOLIX Solarbank 4 Pro (E5000 Pro) nun ein Gerät auf dem Markt, bei dem die Grenzen zum echten Heimspeicher komplett verschwimmen. Ich habe mir das Kraftpaket mal in Ruhe angeschaut und getestet.
Ein echtes Schwergewicht
Machen wir uns nichts vor: Wer an die kleinen Zusatzakkus der Vergangenheit denkt, muss hier umdenken. Wenn die Spedition klingelt, stehen da stolze 50 Kilo vor der Tür. Wer jetzt meint, er wuchtet das Ding nach seinem täglichen 10-Kilometer-Lauf auf dem Laufband noch mal eben entspannt alleine auf den Balkon, vergesst es. Da müssen bestenfalls zwei Leute ran.
Das Gewicht kommt natürlich von den satten 5.024 Wh (ca. 5 kWh) Kapazität, die in den robusten LFP-Zellen stecken. Das Gehäuse ist IP66-zertifiziert und extrem gut gegen Korrosion geschützt (C5). Bedeutet unterm Strich: Auch hier bei uns im Norden kann das Teil bei echtem Schietwetter problemlos draußen stehen bleiben, laut Hersteller sind -20 °C bis 55 °C drin.
Leistung satt und vier Tracker
Unter der Haube hat Anker gleich vier separate MPPT-Laderegler verbaut. Das ist im Alltag richtig stark, die vier unabhängigen Tracker erlauben unterschiedliche Ausrichtungen, ohne dass ein schwacher Strang automatisch alle übrigen Eingänge ausbremst. Theoretisch verträgt das System bis zu 5.000 Watt Solarleistung. Je nach Modulwerten und Parallelverschaltung unterstützt das System insgesamt vier bis zwölf Solarmodule. Das sprengt natürlich die Grenzen jedes normalen Balkongeländers oder meines Gartenhausdachs.
800 Watt oder doch lieber 2.500 Watt?
Spannend wird es beim Anschluss ans Hausnetz. Per Schuko-Stecker seid ihr im klassischen Plug-and-Play-Modus unterwegs und speist die bei uns erlaubten 800 Watt ein. Das ist super für den einfachen Einstieg (Erinnerung: Die installierte Modulleistung darf derzeit aber höchstens 2.000 Watt betragen).
Wer allerdings eine Familie im Haus zu versorgen hat und Großverbraucher wie eine Waschmaschine abfedern will, kann den bidirektionalen Wechselrichter über einen Wieland-Stecker fest installieren lassen. Dann drückt das System satte 2.500 Watt ins Netz. Wichtig fürs Protokoll: Das muss dann aber zwingend vom Elektriker abgenommen und dementsprechend angemeldet werden. Ich habe nur die 800-Watt-Variante bei mir daheim testen können.
App, Display und dynamische Tarife
Was mir im Alltag richtig gut gefällt: Anker hat ein großzügiges Info-Display direkt auf die Front geklatscht. Kein ständiges Gefummel am Smartphone mehr, ein Blick im Vorbeigehen reicht, um Akkustand und Leistung zu checken. Wobei ich da eher in die App schaue, da mein Gartenhaus von der Terrasse aus nicht direkt so sichtbar ist.
In der Anker-App gibt es dann die üblichen intelligenten Ladepläne. Richtig rund wird die Kiste in Kombination mit dem Anker SOLIX Smart Meter für den Schaltschrank (zusätzlich nennt Anker in Deutschland auch Shelly 3EM und Shelly Pro 3EM als kompatible Messgeräte), da die Nulleinspeisung damit exakt nach dem aktuellen Hausverbrauch geregelt wird. Ansonsten müsst ihr das für euch irgendwie justieren. Da sage ich mal vorab: Dazu ist die Kiste zu mächtig, zu gut. Wenn ihr ohne Smart Meter arbeiten wollt, holt euch was anderes.
Anker SOLIX X1: Hochleistungs-Energiespeichersystem angeschaut
Anker kennt ihr hier im Blog ja seit Jahren vor allem für Powerbanks, Ladegeräte und die Solix-Balkonkraftwerke. Mit dem Anker SOLIX X1 griff das Unternehmen…
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Für die Leute mit dynamischem Stromtarif ist die Solarbank 4 Pro ebenfalls interessant: Sie kann dank des bidirektionalen Wechselrichters nämlich auch Strom aus dem Netz beziehen. Also nachts bei günstigen Preisen den Akku füllen und morgens verbrauchen. Behaltet bei eurer Rechnung aber die Wandlungsverluste von rund 15 – 20 Prozent im Hinterkopf.
Off-Grid und USV für die Infrastruktur
Für manche ist noch ein anderes Feature theoretisch goldwert: Das Gerät hat an der Seite eine Off-Grid-Steckdose mit USV-Funktion. Die Umschaltung erfolgt laut Anker innerhalb von zehn Millisekunden. Router, Computer oder NAS sollten damit in vielen Fällen weiterlaufen, eine unterbrechungsfreie Versorgung jedes Geräts kann man daraus aber nicht pauschal ableiten. Bis zu 2.500 Watt zieht man so im Inselbetrieb aus der Einheit. Und: gilt halt nur an der Dose des Kraftwerks, nicht generell im Netz.
Fazit
Braucht man das? Wer in der Mietwohnung lebt und wirklich nur Platz für zwei Standard-Module hat: Nein. Da reicht ein kleineres Modell, den dicken 5-kWh-Akku bekommt man im Herbst und Winter mit so wenig Modulleistung sowieso nie voll.
Wer aber am Haus, auf dem Carport oder im Garten genug Platz für vier, sechs oder mehr Panels hat und den baulichen und finanziellen Aufwand einer großen Dach-PV scheut, bekommt hier eine richtig mächtige Lösung. Anker schließt damit clever die Lücke zwischen dem klassischen Einsteiger-Set und dem professionellen Heimspeicher. Tolles Ding, wenngleich auch vielleicht etwas nischig. Das dickste Ding, im positiven Sinne, von Anker. Spartipp: Auch mal auf Vorjahresmodelle schielen, wenn weniger Bedarf ist.
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