
Man kennt das Spiel: Ein neues Gadget kommt auf den Markt und prompt hagelt es Bestnoten von Leuten, die das Teil vermutlich nie in der Hand hielten. Galaxus und Digitec ziehen nun die Reißleine und stellen das Bewertungssystem radikal um. Ab sofort dürfen nur noch Kunden eine Rezension verfassen oder Sterne vergeben, wenn sie das Produkt tatsächlich beim Händler gekauft und erhalten haben. Bisher reichte ein einfaches Nutzerkonto aus, was Tür und Tor für Manipulationen öffnete. Zwar wurde ein verifizierter Kauf markiert, doch in die Gesamtwertung flossen alle Stimmen ein.
Auslöser für den harten Schnitt war ein Vorfall um ein Sicherheitssystem namens Kevin, bei dem wohl Umfeld und Mitarbeiter des Herstellers das eigene Produkt mit Lob überhäuften. Solche Gefälligkeitsbewertungen verfälschen das Bild, gerade bei Nischenprodukten oder Neuerscheinungen. Die Verantwortlichen wollen zudem das sogenannte Backlashing unterbinden. Dabei lassen Kunden ihren Frust über Lieferverzögerungen in der Produktbewertung ab, was nichts mit der eigentlichen Qualität der Hardware zu tun hat.
Der Onlinehändler macht reinen Tisch und löscht im Zuge der Umstellung rund 380.000 alte Rezensionen, die ohne Kaufnachweis erstellt wurden. Das entspricht etwa vier Prozent des gesamten Bestands. Während die Texte und Sterne verschwinden, bleiben erreichte Level und Punkte im Community-System für die Verfasser bestehen. Das Ziel: Das Vertrauen der Käufer in die Sterne-Ratings soll wiederhergestellt werden, indem Marken und Hersteller von der direkten Einflussnahme ausgeschlossen werden.
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