
In der 3D-Druck-Szene hat vor allem der Maker „Ratdoux“ zuletzt von sich reden gemacht, da er mit einem Orca-Slicer-Fork an den Start gegangen ist, der das sogenannte „Full Spectrum“-System bietet. Hierbei handelt es sich, ganz vereinfacht gesagt, um ein experimentelles Farbmischsystem, das die Möglichkeiten eines regulären Mehrfarbdruckers massiv erweitert.
So lassen sich hier schon dadurch viel mehr Farbnuancen erstellen, indem man zwei oder mehr Farben Schicht für Schicht abwechselnd drucken kann, was dann optisch für ein Vermischen und damit eine neue Farbe sorgt. Bei einer Schichthöhe von 0,1 mm nimmt das menschliche Auge aus normalem Betrachtungsabstand zwei alternierende Schichten – sagen wir Schwarz und Weiß – einfach als Grau wahr.
Klar, bei genauerer Betrachtung fällt der Trick dennoch auf, aber hier wird sich mit Sicherheit noch einiges in Zukunft herausholen lassen. Radu, wie der Gute eigentlich heißt, wurde mittlerweile von Snapmaker engangiert und bringt seine Lösung unter anderem nun auch in deren Orca-Slicer.
Nun stellt Prusa Research mit ColorMix eine neue Open-Source-Softwarelösung vor, die das Farbspektrum im 3D-Druck durch optische Mischung drastisch erweitert. Anstatt nur die geladenen Filamentfarben zu nutzen, erzeugt das System auch hier durch abwechselnde dünne Schichten verschiedener Materialien zahlreiche neue Farbtöne.
Die Technologie basiert auf dem CMYKW-Farbmodell und nutzt mathematische Korrekturen, um die Farbergebnisse auf Basis realer Druckmessungen präzise vorherzusagen. Diese Neuerung wird direkt in PrusaSlicer und EasyPrint integriert, um den Workflow für Nutzer intuitiver zu gestalten. Ziel des Projekts ist es, den mehrfarbigen 3D-Druck so einfach und kreativ wie das Malen auf einer Leinwand zu machen. Durch die Veröffentlichung unter der MIT-Lizenz lädt Prusa die Community ein, das Modell durch eigene Daten und Messungen stetig zu verbessern.
Prusa hat den Ansatz von Ratdoux aufgegriffen und mit ColorMix nun ein eigenes System entwickelt, das direkt in den Slicer integriert ist und auf gemessenen FDM-Drucken basiert. Ein wichtiger Unterschied zu bisherigen Systemen liegt im Farbmodell. Viele bestehende Lösungen setzen auf CMYW, also Cyan, Magenta, Gelb und Weiß. Das Problem dabei: Ohne echtes Schwarz entstehen tiefe Töne oft nur als unsauberes Blaugrau. Prusa ColorMix erweitert das um ein dediziertes Schwarz zum CMYKW-Modell, was kontrastreiche und farbechtere Mischungen ermöglicht. Wie das alles genau funktioniert, könnt ihr hier nachlesen.
Hardwareseitig ist das System nicht auf einen bestimmten Drucker festgelegt. Es funktioniert mit Toolchangern wie dem Prusa XL oder dem CORE One INDX genauso wie mit Single-Nozzle-Systemen mit Filamentwechseleinheiten wie der Bambu Lab X1C oder dem Prusa MK4S MMU. Toolchanger profitieren dabei von schnelleren Abläufen, benötigen aber präzise XY-Offsets. Single-Nozzle-Systeme produzieren bei jedem Farbwechsel systembedingt etwas Ausschuss durch den Spülvorgang.

Softwareseitig läuft die Integration über die Materialdatenbank OpenPrintTag und ist ab PrusaSlicer 2.9.6 sowie in EasyPrint verfügbar. Die Oberfläche ist so gestaltet, dass geladene Filamente direkt als Farbpalette erscheinen und ähnlich wie in einem einfachen Zeichenprogramm auf das 3D-Modell aufgetragen werden können. Das Repository prusa3d/prusa-fdm-mixer enthält neben dem TypeScript-Code auch einen C 17-Port sowie Browser-Anwendungen, mit denen sich eigene LAB-Farbwerte per Colorimeter einpflegen lassen – damit die Vorhersagegenauigkeit auch für Drittanbieter-Filamente mit der Zeit besser wird.
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