Ratgeber: Fitness- und Lauf-Apps für Android

Mit den passenden Apps werden Smartphones zum digitalen Trainer. Wir stellen Programme und Zubehör vor.

Jedes moderne Android-Handy ist voll mit Sensoren. Es erkennt Schritte, kann dank GPS Position und Geschwindigkeit bestimmen und verbindet sich per Bluetooth mit Fitness-Trackern oder Pulsgurten. Die Speicher und Bildschirme sind groß genug, um Trainingseinheiten zu speichern und Anleitungsvideos unterwegs darzustellen. Wir stellen sechs Apps vor, mit denen man den inneren Schweinehund besiegt und aktiver wird.

Mit dem Galaxy S3 führte Samsung 2012 die Fitness-App Samsung Health ein, seit 2015 ist sie für alle Android-Geräte im Play Store erhältlich. Die App ist für die Koreaner mittlerweile der Mittelpunkt für Sport und Wearables geworden. Geräte wie der Gear Fit 2 Pro (Testbericht) oder die Gear Sport (Testbericht) liefern die Rohdaten, die Samsung in der App weiter aufbereitet. Angenehm ist, dass man sich zwar einen Samsung-Account anlegen kann, dieser aber nicht zwingen notwendig ist.

Zu Beginn legte die App beim Training einen Schwerpunkt auf reines Laufen, inzwischen gibt es auch Bodyweight-Übungen, mit denen sich Muskeln trainieren und Fett abbauen lassen. Diese sind durchaus fordernd, entsprechend sollte man sich langsam herantasten. Beim Laufen kann es ein Nutzer bis zum Marathon bringen, wobei wir Einsteigern von so einem schnellen Anstieg abraten. Doch gerade die einfacheren Programme, etwa rund um einen 5-Kilomenter-Lauf, sind ziemlich gut. Vor allem nervt die App den Nutzer so oft, dass man gar nicht anders kann, als sich eine wenig Zeit zu nehmen – und sei es nur, damit die App Ruhe gibt.

Samsung Health ist nicht nur komplett kostenlos, die App lässt sich auch problemlos auf Nicht-Samsung-Handys installieren. Für die Pulsmessung ist nicht zwingend ein Samsung-Wearable notwendig. Im Test konnten wir einen Polar H7 Pulsgurt problemlos mit der App koppeln und für die Herzfrequenzmessung nutzen.

Wir würden die App jedem empfehlen, der einen einfachen Einstieg mit einem leichten Trainingsprogramm sucht. Die Pläne von Samsung Health sind gut strukturiert und überfordern den Nutzer nicht.

Die Lösung von Huawei ist nicht nur im Namen dem Samsung-Pendant ähnlich. Wer die App mit der von Samsung vergleicht, wird auf einige Parallelen stoßen. Das mag daran liegen, dass auch diese App der Dreh- und Angelpunkt für die Fitness-Tracker von Huawei ist. Im Zweifel gilt aber: Lieber gut kopiert als schlecht selbst gemacht.

Der Schwerpunkt bei Huawei Health ist das Lauftraining, hier gibt es Programme von 5 Kilometern bis hin zum Marathon. Die Fitness-Daten empfängt die App wahlweise von einem Wearable wie dem Huawei Band 2 Pro (Testbericht) oder Bluetooth-Pulsmessern von Fremdherstellern. Explizit unterstützt werden der Polar H7 Pulsgurt, der Suunto Smart Belt sowie die Jabra Sport-Kopfhörer mit Pulsmessung. Mit dem Gurt von Polar gab es im Test keine Probleme, die Verbindung war stabil und zuverlässig.

Wir empfehlen die App allen, die eher an Laufen interessiert sind und vielleicht sowieso ein Wearable von Huawei haben. Auch diese Anwendung lässt sich kostenlos auf aktuellen Android-Handys installieren.

Fitbit ist nicht offen für Bluetooth-Pulsgurte von Drittherstellern. Die App dient vor allem der Kommunikation und Konfiguration der eigenen Wearables, etwa der Fitbit Versa (Testbericht). Neue Trainingseinheiten lassen sich direkt an den Wearables starten. In der App kann man die letzten Trainings anssehen und an virtuellen Wettkämpfen teilnehmen. Wer mehr Anleitung sucht, für den hat Fitbit den Coach im Angebot. Dies ist ein kostenpflichtiges Zusatzprodukt, das derzeit pro Jahr knapp 44 Euro kostet.

Runtastic ist wahrscheinlich eine der bekanntesten Lauf-Apps. Das liegt zum einen daran, dass es die App schon seit 2009 gibt, zum anderen, dass Nutzer Social-Media-Konten gerne mit ihren „runtastischen” Läufe aktualisieren. So oder so, Runtastic hat einen sehr guten Ruf und bietet in der kostenlosen Version bereits ein einfaches Coaching und Aufzeichnen der Läufe. Als eine der wenigen Apps im Vergleich setzt sie dabei nicht nur auf Google Maps, sondern nutzt auch detaillierteren Karten von OpenStreetMap.

Premium-Kunden können verschiedene Pläne abonnieren und werden langsam an immer längere Strecken herangeführt. Die Kosten liegen dabei zwischen 19,90 für drei Monate und 49,90 Euro für ein Jahres-Abo. Alternativ kann man monatlich zahlen, dann wird es etwas teurer. Externe Bluetooth-Pulsgurte sind kein Problem, im Test verband sich der Polar H7 problemlos. Als einzige App zeigt Runtastic auch den Batteriestand des Gurtes an, sehr praktisch.

Alles in allem hat uns die App im Test gut gefallen. Die Aufzeichnung ist sauber, die Daten werden schön aufbereitet. OpenStreetMap kann vor allem in Parks seine Vorteile gegen Google Maps ausspielen, die Karten sind einfach deutlich ausführlicher.

Die große Konkurrenz zu Runtastic ist Endomondo. Diese gibt es seit 2007 in den App Stores, mittlerweile gehört sie zum Sportwäschehersteller Under Armor. Auch hier liegt der Schwerpunkt auf Laufen, auch hier können sich Premium-Kunden einen eigenen Plan passend für ihre Anforderungen erstellen. Der Trainingsplan wird an die jeweiligen Leistungen des Nutzers angepasst und ist so weniger starr. Die Premium-Version kostet jährlich knapp 30 Euro.

In der App hat uns gut gefallen, dass man eigene Trainingsrouten anlegen und für die anderen Endomondo-Nutzer freigeben kann. Gerade in einer fremden Stadt findet man so schnell eine gute Laufroute. Endomondo arbeitet mit Bluetooth-Pulsmessern zusammen, unser Polar H7 koppelte sich ohne Probleme. Interessant ist, dass Samsung Health die Daten von Endomono auswerten und in das eigene Dashboard integieren kann.

Wer mit Herzfrequenzzonen wenig anfangen kann, sollte einen Blick in die Running-App von Freeletics werfen. Diese setzt auf Intervalltraining statt Herzfrequenz und braucht kein externes Zubehör

Die verschiedenen Programme, benannt nach Göttern und Helden der Antike, laufen nach einem ähnlichen Schema ab: Erst muss man X Meter laufen, anschließend darf man Y Minuten zur Entspannung traben. Das ist überraschend motivierend und powert ziemlich aus. Intervalltrainings haben allerdings den Ruf, dass sich Anfänger gerne übernehmen.

Neben Running gibt es von Freeletics auch ein Bodyweight-Programm. Die Übungen verzichten auf zusätzliches Trainingsmaterial wie Hanteln oder ähnliches. Trotzdem sind die Trainingseinheiten überraschend fordernd, den eigenen Körper zu dehnen oder zu strecken produziert ordentlich Schweiß. Gut gefallen hat uns, dass man für die Übungen maximal eine Gymnastikmatte braucht, so dass man auch unterwegs keine Ausrede hat.

Freeletics bietet einen kleinen Teil seiner Apps kostenlos an, wer den vollen Funktionsumfang freischalten will, muss zahlen. Ein Monat kostet ab 12,99 Euro, die Jahreskarte kostet knapp 93 Euro.

Beim Thema Datenschutz sind zwei Apps in der Vergangenheit negativ aufgefallen. Strava und Polar waren zu geschwätzig, aus den veröffentlichten Trainingsdaten ließen sich Rückschlüsse auf Militärbasen und ähnliches ziehen. Das ging so weit, dass das US Pentagon den Einsatz von Apps mit GPS für Soldaten verboten hat.

Wer hiermit ein Problem hat, sollte die verschiedenen Einstellungen zum Datenschutz genau ansehen und im Zweifel eher mehr als zu wenig abschalten. Unsere Kollegen von heise haben in der heiseshow damals diskutiert, warum wir so viele Daten freigeben und welche Vor- und Nachteile dies gerade bei einer Fitness-App hat.

Zu Beginn sollte man sich aber nicht überfordern. Elmar Schuhmacher, Gründer von Aerobis Fitness in Düsseldorf sieht es so: „Für Anfänger gilt: keep it simple.” In unserem Test können wir das bestätigen. Es macht aber durchaus Sinn, sich beim Laufen zu Beginn zumindest grob an die Grenzen der Apps zu halten, selbst wenn einem dies zu langsam vorkommt. Der Körper muss sich umstellen und man sollte sich auf keinen Fall übermäßig anstrengen. Prof. Dr. Christine Graf, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, rät, mehrere Trainingsvarianten auszuprobieren. Man könne nicht sagen, ob Intervall oder Herzfrequenz die richtige Methode ist. Es sei es eine Frage der Neigung, so Prof. Dr. Graf.

Bei den virtuellen Coaches sind sich beide einig, dass man den Apps nicht blind vertrauen sollte. Prof Dr Graf: „Bei den virtuellen Trainern sollten Interessierte darauf achten, welches wissenschaftliche Konzept dahintersteht. Es sollte aktuellen Bewegungsempfehlungen entsprechen und keine Überlastungserscheinungen erzeugen. Im Zweifel sollte man das Programm mit seinem Hausarzt besprechen.” Elmar Schuhmacher sieht das ähnlich: „Virtuelle Coaches sind vor allem eines – virtuell. Trainingsplan hin oder her, der Trainierende muss seinen Allgemeinzustand und Übungsausführung intensiv prüfen, am besten in einem Spiegel. Oft sieht die Ausführung deutlich anders aus, als man es annimmt. Der Körper nimmt automatisch Schonhaltungen ein, die man selbst kaum mitbekommt. Auch die mentale und körperliche Verfassung muss regelmäßig geprüft werden.”

Der große Vorteil vom Lauftraining ist die geringe Hürde bei der Ausstattung. Wir empfehlen aber in jedem Fall gute, bequeme Laufschuhe und einen Pulsmesser, etwa einen Bluetooth-Brustgurt. Wer so etwas nicht möchte, kann zu einem Fitness-Tracker (Vergleichstest) oder einer Sportuhr (Überblick) greifen. Wer mehr unterwegs ist, kann aufrüsten. Im Herbst oder Winter empfiehlt sich eine Funktionskleidung, um nicht zu sehr auszukühlen. Wer gerne Musik hört, sollte sich einen Sportkopfhörer mit Bluetooth (Übersicht) oder Geräte wie den Bose SoundSport Pulse (Testbericht) ansehen, letzterer misst direkt den Puls.

Egal wie viel Sport man macht, Bewegung schadet nicht. Wer es langsam angehen lässt und regelmäßig trainiert, kann in relativ kurzer Zeit bereits erste Erfolgserlebnisse verbuchen. Beim Laufen ist eine App motivierend. Sie zeichnet nicht nur den aktuellen Lauf auf, sondern liefern auch historische Daten. Gerade das motiviert, man sieht, wie man immer besser wird.

Wichtig sind dabei die persönlichen Vorlieben. Und die findet man nur durch Ausprobieren heraus. Die vorgestellten Apps sind kostenlos, zumindest in ihrer Grundfunktion. Bei einem eigenen Test erkennt man recht schnell, auf welche Art von Training man am besten anspricht. Unsere Empfehlung ist aber in jedem Fall ein Pulsmesser, sei es als Fitness-Tracker oder als separater Bluetooth-Pulsgurt.

Kompletter Beitrag


Danke: bestboyzde

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