Reisemobile sind derzeit besonders begehrt. Das Münchner Startup war schon vor der Corona-Krise profitabel und baut mit bekannten Kapitalgebern nun sein Geschäft massiv aus.

Zwei Pärchen und ein Freund: Markus Dickhard, Stephie Niemann, Christoph Niemann, Jean-Marie Klein und Susanne Dickhardt sind das Gründer-Team hinter Roadsurfer
Zwei Pärchen und ein Freund: Markus Dickhard, Stephie Niemann, Christoph Niemann, Jean-Marie Klein und Susanne Dickhardt sind das Gründer-Team hinter Roadsurfer
Roadsurfer

Der Artikel erschien erstmalig am 22. März 2021 und ist nun aktualisiert worden.

Die Camping-Branche befindet sich in Aufbruchstimmung. 2020 verzeichnete der Markt Rekordumsätze und die Nachfrage nach Wohnmobilen war weitaus höher als das Angebot. Mit einer Finanzierung in Höhe von 28,5 Millionen Euro gibt das Münchner Campervan-Startup Roadsurfer jetzt die Richtung vor, wo die Reise für die Branche noch hingehen könnte.

Bekannte Geldgeber wie HV Capital und Heartcore Capital haben im März die Series B mit 24 Millionen Euro angeführt. Die Serie B ist nun um 4,5 Millionen Euro erweitert worden. Eingestiegen sind unter anderem bekannte Szenegrößen wie Tier Mobility-Gründer Lawrence Leuschner sowie die Trivago- und Flaschenpost-Macher.

Roadsurfer vermietet moderne Wohnmobile. Seit seiner Gründung 2016 hat das Unternehmen die Anzahl seiner Fahrzeuge jährlich verdoppelt. Mit 2.500 Leihfahrzeugen ist Roadsurfer bald in acht europäischen Ländern präsent. So soll es weitergehen, wenn es nach Mitgründer Markus Dickhardt geht. Dabei hat alles ganz klein im familiären Rahmen mit einem Bankkredit angefangen.

Mit Krediten zum profitablen Business

Die Idee sei aus der Not geboren, so Dickhardt zu Gründerszene. Er, seine Frau und zwei Freunde wollten 2016 mit einem Wohnmobil in den Urlaub fahren. Das habe sich allerdings schwierig gestaltet, weil die Verfügbarkeit miserabel gewesen sei, sagt Dickhardt. Letztlich fand die Gruppe noch ein akzeptables Fahrzeug und überlegte bei der Reise, wie man das selbst besser mit einer Vermittlung angehen könnte. Ende 2016 hat das Gründerteam die ersten 25 VW-Bullis mit Bankkrediten angeschafft und nebenberuflich die Fahrzeuge online vermittelt.

„Die Nachfrage war größer als gedacht, weshalb wir schon nach dem ersten Jahr profitabel waren“, sagt Dickhardt, der noch immer zusammen mit seiner Frau und seinen Freunden das Unternehmen leitet. Aus der Nebentätigkeit wurde allmählich ein Vollzeitjob.

Im Jahr 2019 folgte dann die erste Eigenkapital-Finanzierung im mittleren siebenstelligen Bereich. Business Angels wie Robert Wuttke, Andreas Etten, Jan Becker und Felix Haas stiegen ein. Die Runde wurde nie öffentlich kommuniziert.

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Mittlerweile arbeiten nach eigenen Angaben rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Roadsurfer an acht europäischen Standorten. Im März waren es noch halb so viele. Die meisten Angestellten sitzen in München. Die Kundenanzahl soll sich nach eigenen Angaben im fünfstelligen Bereich bewegen.

Nicht nur mit der Vermietung von Campern wird verdient

Im Schnitt gibt ein Kunde 115 Euro für ein Fahrzeug pro Tag auf der Roadsurfer-Plattform aus. Es stehen Fahrzeuge der Marken VW, Mercedes Benz, Ford, Westfalia und Bürstner zur Auswahl. Kunden holen die Fahrzeuge an einer der acht Niederlassungen ab. Die durchschnittliche Urlaubszeit beträgt etwa zehn bis 14 Tage. Für 2021 plant Dickhardt einen mittleren achtstelligen Umsatz – und will weiter profitabel wirtschaften. Geld verdient Roadsurfer jedoch nicht allein durch die Vermietung.

Das Startup verkauft seine bereits benutzten Fahrzeuge auch. „Wir sind einer der größten Gebrauchtwagenhändler in dem Bereich. Wenn ein Kunde das Fahrzeug haben will, dann bekommt er es auch. Das ist unser Credo.“ Das ist über die eigene Seite, aber auch über öffentliche Portale wie Mobile.de möglich.

Neuerdings verdient Roadsurfer sein Geld noch durch die Vermittlung von individuellen Camping-Spots. Bauernhöfe, Surfschulen oder Weingüter sind bereits im Programm unter den 120 Gastgebern, die auf ihren Grundstücken insgesamt rund 1.000 Stellplätze anbieten. Weitere sollen folgen. Dafür bezieht das Startup ähnlich wie Airbnb eine Service-Pauschale.

Die Camping-Branche wächst – jedoch unter Vorbehalt

Der Wettbewerb ist groß. Auch der ADAC bietet beispielsweise mit Pincamp eine Plattform für Stellplätze und Camping-Möglichkeiten. Andere Anbieter fungieren stattdessen als reiner Fahrzeug-Vermittler für gewerbliche Anbieter. So auch die im vergangenen Jahr von Erento übernommene Camper-Plattform Campanda. In Deutschland sind allein 3.000 Fahrzeuge auf der Seite, darunter auch welche von Roadsurfer. Campanda bestätigt ebenfalls die steigende Nachfrage, die lediglich durch den Lockdown gedrückt worden sei, jetzt aber wieder kräftig anziehe.

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Der französische Anbieter Yescapa hat kürzlich den deutschen Wettbewerber Shareacamper übernommen. Die Plattform vermittelt ebenfalls Fahrzeuge von Roadsurfer. 2020 seien „Höchstwerte“ bei Yescapa erreicht worden, heißt es vom Unternehmen. Im Sommer seien es sogar 15.000 Anfragen an einem einzigen Tag gewesen.

Das Berliner Startup Paulcamper vermittelt hingegen ausschließlich private Wohnmobile. Gründer Dirk Fehse betätigt ebenfalls die gestiegene Nachfrage, allerdings sei die Planungsungewissheit für Urlauber ebenso problematisch wie für das Geschäft. Die Folge: Kunden buchen vor allem Fahrzeuge für Kurztrips.

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