
Microsoft startet eine der tiefgreifendsten Design‑Überholungen seit dem Release von Windows 11. Der Konzern will, wie man in einer Antwort auf Twitter verkünden ließ, alle verbliebenen Legacy‑Dialoge von Dateioperationen bis hin zum Durchsuchen-Dialog in WinUI3 neu schreiben. Die ersten Schritte sind bereits getan.
Video: Neue Startmenü-Anpassungen
Seit Jahren hat Windows das Problem, dass Microsoft regelmäßig neue Umgebungen, Design-Prinzipien und Entwicklungsframeworks einbringt, allerdings die vielen Win32-Legacy-Komponenten aus XP-, Vista- und 7er-Zeiten nicht entsprechend anpasst. Fenster wie der klassische „Ausführen“-Dialog, der allgemeine Dateiöffnen- bzw. Durchsuchen-Dialog oder die Dateioperations-Fenster wurden seit Jahrzehnten nicht grundlegend erneuert. Entsprechend haben diese schon zu Windows 8-Zeiten nicht mehr wirklich zum Konzept des Rests des Betriebssystems gepasst. Das soll sich nun ändern. March Rogers, Partner Director of Design bei Microsoft, bestätigte auf Twitter, dass das Unternehmen aktiv daran arbeitet, alle veralteten Dialoge in WinUI 3 umzuschreiben.
Konkret nannte Rogers den Dateikopierdialog als bereits abgeschlossenes Projekt: Microsoft hat den Kopieren-Dialog in Windows 11 bereits seit einiger Zeit etwas modernisiert und einen echten Dark Mode eingeführt. Als nächstes steht der allgemeine Dateiöffnen- bzw. Durchsuchen-Dialog auf der Liste, jenes Explorer-Fenster also, das beim Suchen einer Datei innerhalb einer anderen Anwendung erscheint. Es gibt allerdings eine ganze Liste an potenziellen Problemen, die hier auf Microsoft warten könnten.
Drittanbieter-Integration als Bremse
Konkret der Durchsuchen-Dialog ist in Windows eine sehr wichtige Systemkomponente, welche so gut wie in jeder Anwendung Einsatz findet, wo Dateioperationen stattfinden. Hier birgt eine Modernisierung eine erhebliche Gefahr für Instabilität und Inkompatibilität, denn viele Anwendungen nutzen das Explorer-Fenster nicht nur für die Auswahl von Dateien, sondern haben daneben auch eigene Steuerelemente integriert. Wie Microsoft dies bei einer Umstellung auf WinUI3 umsetzen möchte, bleibt offen. Wir dürfen immerhin nicht vergessen, dass bei der Entwicklung von Startmenü und Taskleiste für Windows 11 zahlreiche beliebte Funktionen verlorengingen.
Wird WinUI Windows 11 langsamer machen?
Eine zweite, berechtigte Frage begleitet dieses Vorhaben: WinUI3 ist zwar die neue, schöne Benutzeroberfläche für Windows 11, allerdings ist das moderne Design auch deutlich ressourcenhungriger als ihr schlanker Win32-Vorgänger.
Doch Microsoft hat offenbar Fortschritte gemacht. Als Beleg dient der neu entwickelte „Ausführen“-Dialog: Der klassische Win32-Dialog benötigte im Median 103 Millisekunden, um zu erscheinen. Die neue WinUI-Version lädt in knapp 94 Millisekunden, also sogar etwas schneller. Das zeigt, dass das Framework inzwischen ausgereift genug ist, um performante Ergebnisse zu liefern, sofern die Implementierung sorgfältig erfolgt.
Option statt Umstellungszwang

Ebenfalls eine positive Entwicklung ist, wie Microsoft diese neuen Dialoge einführt. Hier könnte man sich auch in Zukunft am Beispiel des „Run“-Dialogs orientieren: Der Konzern lässt Nutzer selbst entscheiden, ob sie die neue Funktion bereits aktivieren möchten oder nicht. Der neue „Ausführen“-Dialog wird künftig über die Erweiterten Einstellungen aktiviert werden müssen. Es ist davon auszugehen, dass Microsoft diese Strategie auch bei anderen Dialogen verfolgen wird: erst als Option anbieten, Feedback sammeln und dann schrittweise als Standard einführen.
Die Modernisierung der Windows-11-Dialogboxen ist längst überfällig und ein wichtiger Schritt hin zu einer konsistenten Benutzeroberfläche. Die Einblendungen für Lautstärke und Helligkeiten wurden mittlerweile immerhin angepasst, aber der AutoPlay-Dialog, welcher beim Einsetzen von SD-Karten erscheint, hat ebenfalls schon seit Windows 8 kein Upgrade gesehen.