
Microsoft hat mit seiner Qualitätsoffensive für Windows 11 kürzlich versprochen, das System wesentlich reaktionsfreudiger und damit für seine Nutzer schneller zu gestalten. Der Konzern kündigte an, an einigen Stellschrauben in Windows 11 zu drehen, um jene Kritik zu adressieren, dass Windows 11 bei der Performance zu wünschen übriglässt.
Die versprochene Lösung kommt nun in Form des Juni-2026-Patchday-Updates mit der Bezeichnung KB5094126. Microsoft liefert damit eine Funktion aus, nämlich das „Low Latency Profile“. Im Kern ist das Low Latency Profile ein spezieller Performance-Modus, dessen Ziel es ist, die Benutzeroberfläche und App-Starts spürbar schneller wirken zu lassen. Die Idee dahinter ist vergleichsweise simpel, auch wenn Microsoft sie nicht im Detail offenlegt. Sobald das System eine als wichtig eingestufte Interaktion erkennt, etwa das Öffnen des Startmenüs, der Suche, eines Flyouts oder das Starten einer Anwendung, hebt es den Prozessortakt für einen sehr kurzen Moment auf das Maximum an. Diese Taktspitze dauert nur etwa ein bis drei Sekunden. Danach fällt der Takt wieder auf ein niedrigeres, energieeffizienteres Niveau zurück. Der Prozessor läuft also nicht dauerhaft am Anschlag, sondern legt gezielt einen kurzen Sprint hin, genau dann, wenn es darauf ankommt.
Das erwartete Ergebnis ist ein flüssigeres Bedienerlebnis. Unterm Strich soll sich das System „snappier“ anfühlen – besonders auf Geräten, die bislang eher träge wirkten.
Es gehört zu jener Sorte von Verbesserungen, die nicht durch ein neues Icon oder ein umgestaltetes Menü auf sich aufmerksam machen, sondern unter der Haube arbeiten. Genau dieses subjektive Gefühl von „Feels Faster“ steht im Mittelpunkt. Es geht weniger um Benchmark-Rekorde als um den Eindruck, dass Apps schneller starten und dass UI-Elemente wie Startmenü, Schnelleinstellungen, Suche und Action Center beim Antippen unmittelbar reagieren statt mit einer kleinen, kaum greifbaren Verzögerung.
Der Haken an der Sache: Microsoft kommuniziert das Feature auffallend zurückhaltend. In den offiziellen Release Notes findet sich nur eine vage Andeutung, dass App-Starts und zentrale Shell-Erfahrungen beschleunigt wurden. Tiefere technische Details, Konfigurationsmöglichkeiten oder belastbare Zahlen sucht man dort vergeblich. Das nährt eine berechtigte Skepsis: Wie groß ist der Effekt wirklich, und warum hält sich Microsoft so bedeckt?
Manuelle Aktivierung notwendig
Ein möglicher Grund für die technische Vagheit könnte auch darin liegen, dass der Konzern den tatsächlichen Effekt erst testen muss. Der Konzern hat die Funktion zwar mit KB5094126 ausgerollt, allerdings ist sie aufgrund des Controlled Feature Rollouts (CFR) nicht bei allen Nutzern standardmäßig aktiviert.
Wer nicht auf Microsofts Freischaltung warten möchte, kann mit dem ViVeTool nachhelfen. Für das Low Latency Profile sollte mindestens Windows 11 24H2 im Build 26100.8655 oder neuer beziehungsweise mindestens 25H2 Build 26200.8655 installiert sein. Besondere Hardware ist nicht erforderlich, allerdings fällt der Effekt auf älteren und schwächeren Geräten deutlich stärker aus als auf moderner Hardware.
vivetool /enable /id:58989092
Die ID 58989092 steht dabei für das Low Latency Profile beziehungsweise das Paket, das Microsoft für diesen Monat vorgesehen hat. In der Praxis hat sich allerdings gezeigt, dass diese eine ID nicht immer ausreicht, da das Feature aus mehreren Teilkomponenten besteht. Um alle relevanten Bestandteile zu aktivieren, kannst du stattdessen den erweiterten Befehl verwenden:
vivetool /enable /id:58989092,60716524,48433719,61391826
Die zusätzlichen IDs schalten die einzelnen Unterfunktionen frei, darunter das Profil für den Anwendungsstart und weitere Optimierungen der Benutzeroberfläche. Da Microsoft hierzu keine offizielle Dokumentation bereitstellt, ist diese Kombination das Ergebnis von Community-Tests und kann sich theoretisch noch ändern.
Erst nach dem Neustart wird das Feature tatsächlich wirksam.
Eine der Eigenheiten des Low Latency Profile ist, dass es keinerlei sichtbare Rückmeldung gibt. Ob die Funktion arbeitet, lässt sich daher nur indirekt über das Verhalten des Prozessors feststellen. Beobachtet vor und nach der Aktivierung der Option die Taktrate beim Öffnen einer Anwendung, wahlweise über den Task Manager oder Tools wie hwinfo. Diese Taktspitzen sollten nur sehr kurz auftreten, allerdings sollte die CPU dabei in der Lage sein, kurz ihren Maximaltakt zu erreichen.
Was das Juni-Update sonst noch mitbringt
Das Low Latency Profile ist der spannendste Aspekt des Updates, aber nicht die einzige Neuerung. KB5094126 bringt mehrere weitere Verbesserungen mit.
Da ist zum einen ein Multi-Kamera-Modus, der es mehreren Apps erlaubt, gleichzeitig auf denselben Kamera-Stream zuzugreifen. Künftig müssen sich Programme also nicht mehr um die Kamera streiten, sondern können gleichzeitigen Zugriff darauf erlangen
Hinzu kommt Shared Bluetooth Audio: Windows 11 verbessert die gemeinsame Nutzung von Bluetooth-Audio, sodass sich etwa zwei Bluetooth-LE-Audio-Geräte denselben Audiostream teilen können.
Schließlich erhält der Task-Manager weitere Verbesserungen: Im Zuge dieses Updates kommen unter anderem zusätzliche Spalten hinzu, die das Monitoring detaillierter machen. Wer den Task-Manager ohnehin zur Beobachtung des Low Latency Profile nutzt, bekommt hier also gleich ein etwas mächtigeres Bordmittel an die Hand.