Vodafone Gigacube: stationärer LTE-Router im Test

Strom rein, Internet da. Das verspricht Vodafone mit dem LTE-Router Gigacube. Wir haben das Gerät getestet, zeigen seine Stärken und stellen die Tarife dazu vor.

Der weiße, runde Plastikturm des Gigacube sieht gefällig aus. Er ist in die die Höhe gebaut ist und braucht weniger Standfläche als etwa eine breit stehende Fritzbox 7580 (Testbericht) oder eine flach liegende Fritzbox 7590 (Testbericht). Die sich nach oben hin leicht verjüngende Turmform erlaubt im Inneren auch eine gute Positionierung der LTE- und WLAN-Antennen.

Besonders praktisch ist, dass der Gigacube, der eigentlich ein umbenannter Huawei B528s-23a ist, neben den normalen Anschlüssen (Strom, LAN-Buchse, Festnetztelefon) zwei TS-9-Buchsen mitbringt. Damit lassen sich externe Antennen anschließen, die den Empfang in schwierigen Umgebungen verbessern. Antennen mit dem größeren SMA-Stecker lassen sich per Adapter oder über passende Pigtail-Kabel anschließen.

Ansonsten ist der Lieferumfang spartanisch: Neben dem Gigacube gibt es ein Netzteil, ein LAN-Kabel sowie eine Anleitung.

Der Gigacube funkt auf den hierzulande wichtigsten 4G-LTE-Frequenzen bei 800, 1800 und 2600 MHz. Sollte er auf allen diesen Bändern kein Internet bekommen, sei es nun wegen Netz-Überlastung oder mangels Flächenausbau, kann er auf das langsamere 3G-UMTS oder 2G-GSM zurückschalten. Im WLAN überträgt der Gigacube das Internet an die Endgeräte per 802.11 b/g/n/ac bei 2,4 GHz und 5 GHz an bis zu 64 WLAN-User.

Interessant ist, dass der Router hinten eine Buchse für die Festnetztelefone bietet. Diese wird von Vodafone nicht näher beschrieben und offenbar auch nicht beworben. Vermutlich verkauft Vodafone lieber einen gesonderten Handy-Vertrag und gibt einen Rabatt für Kunden, die einen Gigacube-Tarif dazu kombinieren.

Die Einrichtung geht erfreulich einfach und schnell. Unten die mitgelieferte SIM-Karte einstecken, 230-Volt-Strom anschließen und 27 Sekunden später hat sich vorne die Farbe der Signal-LED von Rot auf Blau geändert. Ab diesem Moment stand das Internet auch mit LTE-Speed im WLAN-Hotspot auf 2,4 GHz und 5 GHz bereit. Nicht einmal eine SIM-PIN wurde vom Router abgefragt. Die für die WLANs notwendigen Passwörter sind am Boden des Gigacubes aufgedruckt. Nach der Eingabe konnte unser Test-Smartphone sofort online gehen.

Bei den Messungen im Haus geht es um die Frage, ob der Gigacube einen herkömmlichen DSL- oder Kabel-Router samt eingebautem WLAN dauerhaft ersetzen kann. Zu diesem Zwecke stellen wir den Gigacube an die gleiche Position im Dachgeschoss (DG) einer Wohnung, an der zuvor auch schon die DSL-Fritzboxen zeigen mussten, wie weit sie das Internet per WLAN in die umliegenden Zimmer transportieren konnten.

Dann wandern wir mit dem Test-Smartphone, einem Sony Xperia XZ Premium (Testbericht), sechs Räume ab und messen den Durchsatz. Die vorsätzliche Router-Position rechts oben in der Grafik ist für eine gleichmäßige WLAN-Durchdringung der Wohnung gewollt ungünstig, weil dadurch in den Räumen 3 und 4 nur wenig WLAN ankommt. Just deshalb zeigt die Speed-Kurve bei schwachen WLAN-Routern in Zimmer 3 und 4 oft einen Durchhänger.

Für den LTE-Empfang dagegen ist die Router-Position rechts oben im DG vorteilhaft, weil hier ein Fenster per Zufall just in die Richtung eines großen Vodafone-Funkturmes zeigt, der etwa 600 Meter Luftlinie entfernt steht.

Die Testwohnung erreicht mit Telekom-VDSL-100 stabile 100 Mbps und Vodafone-Kabel-500 mit stabilen 500 Mbps. Diese Downloadwerte waren fast rund um die Uhr mit sehr geringen Schwankungen verfügbar. Das LTE aus dem Gigacube mit der zugehörigen SIM von Vodafone dagegen hatte am gleichen Standort je nach Uhrzeit enorme Schwankungen von unter 5 Mbps bis über 50 Mbps. Die folgenden Messungen fanden im August 2018 mittags gegen 13:00 Uhr statt, um diese Zeit maßen wir die schöneren Werte. Eine Erklärung für die Schwankungen sind die Shared-Medium-Nachteile von LTE: Je mehr Anwender an einer Zelle angemeldet sind, desto weniger Bandbreite ist für alle verfügbar.

Seinen großen Vorteil spielt der Router da aus, wo es kein Breitband aus der Dose gibt. Für die Messung haben wir den Gigacube samt einem tragbaren 230-Volt-Powerpack von Pearl eingepackt. Mit diesem Gespann besteigen wir die Münchner Flughafen-Linie-S8 bei Daglfing und fahren über München-Ostbahnhof quer durch die City, über Pasing bis zum Westkreuz und dann übers flache Land mit der S6 zum Starnberger See hinaus und wieder zurück.

Bei diesem Hindernislauf muss der Gigacube in der S-Bahn viele unterschiedliche LTE-Situationen bewältigen: oberirdisch, unterirdisch, dicht besiedelte Stadtgebiete, locker bebaute Vororte, sowie eine kilometerlange Waldstrecke im Würmtal, kurz vor Starnberg.

Die Messwerte notieren wir immer nur beim Ausfahren aus den 21 S-Bahnhöfen. Da sich die Gleise, Bahnhöfe und damit unsere Messpunkte über einen längeren Zeitraum hinweg nicht verschieben, können wir diese Messfahrten auch mit anderen LTE-Routern (und anderen LTE-SIM-Karten) vergleichbar wiederholen. Zwischen den Bahnhöfen dagegen nahmen wir nur Stichproben, vor allem in der langen Waldstrecke, die vor lauter Bäumen keinen markanten Fixpunkt hat.

Das Beste gleich vorweg: Der Gigacube von Vodafone hat sich auf der gesamten Strecke von Daglfing im Münchener Osten bis zum Starnberger See und Retour wacker geschlagen.

Der beste Download-Speed kam rund um den oberirdischen S-Bahnhof München-Pasing mit 102 Mbps Download (DL) und 26,4 Mbps Upload (UL). Die zweitbeste LTE-DL-Versorgung hatten wir rund um die oberirdische Haltestelle Hackerbrücke mit 52 Mbps DL und satten 41,7 Mbps UL. Sogar im kilometerlangen Würmtal-Waldstück kurz vor Starnberg kam nonstop ein brauchbares Internet. Das ist besonders nennenswert, weil die meisten kleineren LTE -Router in unseren Messungen das Internet in der S-Bahn nur sporadisch hereinholen konnten. Hier kann die größere Bauform des Gigacube punkten.

In der Tabelle zeigen wir die Werte an den 21 Messstationen. Dazu notieren wir auch den Ping. Positiv ist, dass der Gigacube in den fünf unterirdischen Bahnhöfen vom Rosenheimer Platz bis einschließlich Hauptbahnhof das Internet zwar langsamer in die S-Bahn holt als oberirdisch, die Verbindung aber anders als beim kleinen Huawei-LTE-Router E5788 nie komplett abreißt.

Den Router gibt es in zwei Versionen: Die Vodafone-Edition als Gigacube samt SIM-Karte oder als Geräte mit entsperrter SIM, letztere allerdings nur über Ebay. Wer den Router direkt über Vodafone kauft, zahlt einen Euro für die Hardware und entsprechend mehr für die monatlichen Kosten. Bei Amazon wird das Gerät ebenfalls verkauft, allerdings über einen Umweg: Der Versender Crebyte liefert im Grunde nur eine Karte mit dem Link auf www.vodafone.de/spezialangebote. Das kann man sich sparen, wir haben das Angebot der Übersicht halber in unseren Preisvergleich aufgenommen. Sollten sich die Angebote ändern, aktualisiert sich die Übersicht automatisch.

Die von Vodafone mitgelieferte SIM-Karte funktioniert in ganz Deutschland, aber leider nicht im Ausland. An optimalen Standorten werden theoretisch bis zu 200 Mbps Download-Speed versprochen: Das wäre viermal schneller als VDSL-50 und doppelt so schnell wie VDSL-100. Das ist aber abhängig vom Ausbau, Vodafone stellt dazu eine Online-Karte bereit.

Im August 2018 gab es zwei Volumen-Angebote für Dauernutzer:

  • 50 GB für Normalsurfer für knapp 35 Euro pro Monat.
  • 200 GB für Vielsurfer für knapp 45 Euro pro Monat.

Die Verträge laufen 24 Monate. Ist das Volumen aufgebraucht, wird der Speed massiv gedrosselt, tröpfelt aber weiter. Weitere Informationen stehen auf der Webseite zum Gigacube. Einen potentiellen Pferdefuß gibt es im Kleingedruckten. Dort schreibt Vodafone: "Vodafone behält sich vor, dass Videos auf SD-Qualität (480p) beschränkt sind, sofern dies rechtskonform (insbesondere in Einklang mit Verordnung (EU) 2015/2120) unter Berücksichtigung der Verwaltungspraxis und der Rechtsprechung erfolgt."

Ja, das mag Sinn machen, um das Netz vor Verstopfung durch Streamer und den Kunden vor zu schnellem Verbrauch seines Volumens zu schützen. Gleichzeitig fühlt es sich einfach komisch an, wenn ein Konzern pauschal in den Datenstrom eingreift und die Bildqualität herunterregelt.

Daneben bietet unser Testgerät eine Tarif-Variante namens Gigacube Flex: Da wird der Monatspreis nur fällig, sofern der Gigacube auch wirklich genutzt wurde. Das klingt perfekt für gelegentliche, nomadische Nutzung irgendwo im Inland. Wird der Gigacube monatelang nicht genutzt, dann sollte man ihn vorsichtshalber erst gar nicht an den Strom stecken, damit nicht aus Versehen Daten gezogen werden.

Sollte der Kunde mit dem Daten-Volumen nicht über den Monat kommen, so kann er jederzeit auch einzelne Pakete nachbuchen. Diese Nachschläge sind allerdings relativ teuer: Etwa 25 GB für 24,99 oder 1 GB für 2,99 Euro. Im Test war das Nachbuchen geradezu erschreckend einfach: Der Tester drückte beim teuersten Häppchen auf „Jetzt kaufen“ und schon war es passiert. Das Guthaben schnellte sofort über die 200 GB hinaus und die 24,99 Euro waren weg. Eine zusätzliche Abfrage oder einen Storno-Knopf gab es nicht.

Rein technisch klingt LTE Cat6 mit 300 Mbps LTE nicht mehr so aufregend. Immerhin gibt es schon viel kleinere Router mit 1000 Mbps LTE wie dem Huawei E5788 (Testbericht). Doch im echten Leben kommt es beim Funk auf die Antennen an: Der Gigacube hat große LTE- und WLAN-Antennen im Bauch und das mit ordentlichen Abständen. Das gibt ihm robuste Sende- und Empfangseigenschaften, sowohl bei LTE wie auch beim WLAN.

Im stationären Betrieb hat er das Internet nicht schlechter aus der Luft geholt und lokal verteilt, als eine FRITZ!Box 7590 am VDSL-50-Anschluss im gleichen Standort. An einem guten VDSL-100 schneidet die 7590 allerdings besser ab. Außerdem kommt VDSL mit weniger Schwankungen als LTE. Wo sonst nur langsames Internet vorhanden ist, liefert der Gigacube eine sinnvolle Alternative, solange man sich nicht für das Thema Streaming interessiert.

Schade, dass Huawei den Router nicht direkt in Deutschland vertreibt, denn die Hardware hat uns im Test sehr gut gefallen. So ist man auf Ebay-Käufe angewiesen, wenn man den Router ohne Vodafone-Bindung betreiben möchte.

Kompletter Beitrag


Danke: bestboyzde

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