„Stillstand und Trägheit können wir uns nicht erlauben“: Wie Opels neuer Kapitän seine Mannschaften für künftige Aufgaben motiviert

Der neue Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz an der im Stammwerk Rüsselsheim gefertigten Limousine Insignia. Foto: Opel
Der neue Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz an der im Stammwerk Rüsselsheim gefertigten Limousine Insignia. Foto: Opel

Uwe Hochgeschurtz steht seit 60 Tagen an der Spitze des deutschen Traditionsherstellers und will die Teams der „Blitz“-Marke schnellstens von seiner Strategie überzeugen.

Dazu hat der Topmanager jüngst ein Schreiben verfasst, das zentrale Herausforderungen für Opel aufgreift und Lösungen anbietet. Business Insider liegt der interne Brief vor.

Die Einbindung in den von Carlos Tavares geführten Stellantis-Konzern soll „Freiheiten lassen und Synergien geben“, heißt es mit Blick auf Opels Werke in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach.

Der neue Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz wendet sich in unruhigen Zeiten mit einem internen Brief an die Belegschaft. Das Schreiben des 58-jährigen Topmanagers liegt Business Insider vor.

„Die kritischen Stimmen, die derzeit über Opel zu hören sind, blenden leider zu oft die vielen positiven Fakten aus“, betont Hochgeschurtz in der ausführlichen Mitteilung. Opels Mannschaft habe in den vergangenen vier Jahren, also unter der Ägide seines Amtsvorgängers Michael Lohscheller, „viele Hausaufgaben erfolgreich erledigt“ und „ein Comeback hingelegt, das in der Automobilindustrie seinesgleichen sucht“. Dies habe Zehntausende Jobs gesichert. „Bei Opel, aber auch bei den Händlern und Zulieferern“, wie Hochgeschurtz anfügt.

Opel ist Teil des aus den Fahrzeugkonzernen PSA und FAC formierten Stellantis-Verbunds. Als Mitglied des Top Executive-Teams von Stellantis berichtet Hochgeschurtz direkt an den Stellantis-CEO Carlos Tavares.

„Es ist ein großer Vorteil, Teil eines so starken Verbunds zu sein“, hebt Hochgeschurtz in seinem Brief an die Mitarbeiter hervor. Daher verwunderten ihn Schlagzeilen wie „Opel ist nur noch eine Marke von vielen“.

Die entsprechende Erklärung des vormaligen CEOs von Renault Deutschland hebt ab auf die Gepflogenheiten internationaler Wettbewerber wie Ford, Toyota und VW: „Ja, Opel ist eine von 14 Marken im Stellantis-Konzern – genauso wie es andere Automobilmarken gibt, die Teil anderer großer Konzerne sind.“ 

Zudem sei Opel – einziges deutsches Label im Konzern –  „als eine von nur zwei Marken in der Stellantis-Markengruppe ‚Upper Mainstream’ angesiedelt und für den Konzern deshalb von großer strategischer Bedeutung – in Europa und global“.

Mit Blick auf aktuell vielfach verbreitete Einwände gegen manche Pläne der Rüsselsheimer legt Hochgeschurtz nach: „Die Kritik an Opel blendet aus, dass es angesichts des enorm schwierigen Wirtschaftsumfelds absolut notwendig ist, weiter an unserer Wettbewerbsfähigkeit zu arbeiten.“ Dabei werde „gerne vergessen, dass wir massiv in unsere Standorte investieren“.

Als Beispiele für derlei Zukunftssicherung führt Opels CEO an, dass „in Rüsselsheim der neue Astra designt, entwickelt und produziert“ werde, das Flaggschiff Insignia „und – ein großer Vertrauensbeweis von Stellantis – das Premiummodell DS 4 unserer französischen Schwestermarke DS Automobiles“. Im Werk Kaiserslautern wiederum ziehe Opel mit dem Mutterkonzern eine Gigafactory für Batteriezellen hoch.

Hochgeschurtz weiter: „Die Entwicklung ist positiv, weil die Traditionsmarke Opel Teil eines großen Verbunds ist, der Freiheiten lässt und Synergien gibt. Das ist bei uns nicht anders als bei anderen Großkonzernen unserer Branche, wo zum Beispiel auch nicht jede Einzelmarke die rechtliche Hoheit über alle Werke hat“. Daher – „und um die Zusammenarbeit und Flexibilität innerhalb des Stellantis-Produktionsverbunds weiter zu stärken“ – prüfe man, „die Produktionsstätten Rüsselsheim und Eisenach in eigene Rechtsorganisationen zu entwickeln“

Seine persönliche Wertung dieser Gedankenspiele schildert Hochgeschurtz in aller Deutlichkeit: „Das ist sicherlich keine, wie Kritiker behaupten, ‚Zerschlagung’, sondern eine geplante, interne Umstrukturierung“. Vor der angeblichen Gefahr einer Zerschlagung Opels hatte unter anderem die IG Metall vor Kurzem gewarnt. 

Dass sich die gesamte Fahrzeugindustrie mitten in einem fundamentalen Wandel befindet und aufgrund zahlreicher Sonderfaktoren schwierige Aufgaben zu lösen hat, führt Hochgeschurtz seinen Teams besonders eindringlich vor Augen: „Die Welt ändert sich schnell, die Automobilindustrie noch schneller.“ Und er mahnt zu nochmals höherer Geschwindigkeit: „Wir müssen uns diesem Tempo gemeinsam anpassen, wenn wir erfolgreich sein wollen.“ 

Opels seit dem 1. September dieses Jahres amtierender Kapitän ist überzeugt: „Stillstand und Trägheit können wir uns nicht erlauben. Es gibt viele Herausforderungen, insbesondere die Corona-Pandemie, Halbleiter-Knappheit und die allgemeine Transformation der Branche, die Investitionen in Milliardenhöhe erfordert.“

In derlei kniffligen Zeiten seien unterschiedliche Positionen zwischen den Sozialpartnern keinesfalls ungewöhnlich. Hier gelte es, sich „im Sinne eines guten sozialen Dialogs auszutauschen und zu verhandeln“.

Unter dem Strich zeigt sich Hochgeschurtz zuversichtlich mit Blick auf die Zukunft Opels und nennt in seinem Schreiben eine Reihe konkreter Gründe für seinen Optimismus. So laufe eine große Elektro-Offensive auf Hochtouren, „beim Thema CO2-Ausstoß haben wir sogar eine Vorreiterrolle eingenommen“. 

Des Unternehmens Stammsitz Rüsselsheim sei und bleibe die Wiege und die globale Zentrale von Opel. Hochgeschurtz: „Mehr als das: Rüsselsheim ist auch die neue Zentrale der Vertriebsorganisation von Stellantis in Deutschland.“ Der Konzern komme im bisherigen Jahresverlauf auf einen Marktanteil in Deutschland von 14,5 Prozent und sei damit die klare Nummer zwei am deutschen Markt (hinter VW; Anm. d. Red.).

„Klar ist“, so Hochgeschurtz, „wenn wir die richtigen Entscheidungen treffen“, werde Opel gestärkt aus dem Umbruch hervorgehen. Warum er sich dabei so sicher sei, stellt sich der Opel-Lenker eine rhetorische Frage. Die Antwort der Führungskraft: „Weil Opel eine starke Marke mit langer Tradition und hervorragenden Autos ist.“  

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Cake Ösa Lite: Ich bin das schwedische Elektro-Bike in minimalistischer IKEA-Optik gefahren — so fühlt es sich an

Der Autor auf dem elektrischen Cake-Bike.
Der Autor auf dem elektrischen Cake-Bike.

CAKE

Die schwedische E-Bike-Marke Cake drängt auf den deutschen Markt.

Dabei sind die Modelle, trotz puristischem Design, nicht gerade günstig: Zwischen 7.500 und 14.000 Euro kosten sie.

Unser Autor ist die kleinere Variante des zweiten Modells, das Ösa Lite, Probe gefahren. Der Vorteil: Für diese Version reicht auch ein Autoführerschein.

Der Schub drückt mich nach hinten, ich bin überrascht: So schnell hatte ich mir die Beschleunigung bei einem auf 45 km/h gedrosselten Bike nicht vorgestellt. Und erst recht nicht bei einem elektrifiziertem Motorrad, das mehr Ähnlichkeit mit einem Klapprad als mit einer Harley-Davidson hat und nach einem Süßgebäck benannt ist.

Die Rede ist von Cake. Die junge schwedische Marke hatte von Anfang an nur elektrisch angetriebene Fahrzeuge im Angebot. Ursprünglich hatte sich der Gründer Stephan Ytterborn mit seinem bisherigen Unternehmen POC Sports auf Helme und Profi-Ausrüstung für Fahrrad- und Skifahrer, sowie Snowboarder spezialisiert. Vor rund acht Jahren weckten elektrisch angetriebene Motorräder sein Interesse und er beschloss, 15 Modelle verschiedener Hersteller zu kaufen, um einen guten Überblick über den Markt zu bekommen. Er war aber mit keinem der Produkte richtig zufrieden, sodass er beschloss, sein eigenes zu bauen. Im September 2016 gründete er Cake.

Eigenwilliges und reduziertes Design

„Wir wollten das Motorrad inklusive jeder noch so kleinen Schraube von Grund auf neu entwickeln“, sagt der Schwede im Gespräch mit Business Insider. Daher dauerte es bis Anfang 2018, bis das erste Modell bereit für seine Premiere war. Ein Jahr später begann schließlich die Massenfertigung von Cakes Erstling, dem Offroad-Bike Kalk, das sowohl mit Straßenzulassung oder als reine Geländemaschine erhältlich ist. Inklusive Batterie wiegt es nur rund 75 Kilo und ist somit deutlich leichter und wendiger als die gängigen Maschinen mit Verbrennungsmotor.

Da sich die üppigen 252 Newtonmeter Drehmoment des 13,5 PS starken E-Motors entlang des Drehzahlbandes sehr gleichmäßig verteilen und die über eine Kette übertragene Power sehr direkt anliegt, dürfte das über 100 km/h schnelle Motorrad aber auch auf der Straße sehr viel Spaß machen. Allerdings ist die Straßenversion nicht gerade günstig: Die Preise beginnen für dieses Modell bei 14.000 Euro. Dafür bekommen die Kunden aber ein echtes Designerstück. Die minimalistische Optik, bei der aus Gewichtsgründen komplett auf Verkleidungen verzichtet wurde, mag zwar nicht jedermanns Sache sein. Die Fachwelt scheint aber von dem funktional gestalteten Bike begeistert zu sein. Das Kalk gewann 2019 sogar den renommierten Red Dot Design Award.

Im August veranstaltete Cake auf Gotland das erste offizielle Rennen, an dem nur Kalks teilgenommen haben.
Im August veranstaltete Cake auf Gotland das erste offizielle Rennen, an dem nur Kalks teilgenommen haben.

CAKE

Für das Ösa lite reicht ein Autoführerschein

Im Folgejahr wurde diese Ehre auch dem zweiten Cake-Modell zuteil, dem mit einem Einstiegspreis von 7.500 Euro deutlich günstigeren Ösa lite. Dabei erinnert das E-Bike mit seinem funktionalem und minimalistischem Design an die Möbel des schwedischen Möbelriesen Ikea, dessen Produkte für ihren Skandi-Style bekannt sind. Für den Basistarif des Ösa lite bekommt man eine schwächere und bei 45 km/h abgeregelte Variante des Zweirads, für die man keinen Motorradführerschein benötigt. Ein Autoführerschein der Klasse B reicht wie bei einem klassischen Motorroller vollkommen aus. Wer das 13,5 PS starke und über 90 km/h schnelle Ösa haben möchte, sollte mindestens 9.500 Euro bereithalten.

Während das Kalk auf eine möglichst hohe Geländegängigkeit ausgelegt ist, soll das Ösa praktischer und variabler sein. Bei Bedarf lassen sich beispielsweise eine zweite Sitzfläche oder ein Gepäckmodul montieren. Die unter dem Fahrer sitzende Batterie mit einer Kapazität von 2,5 kWh lässt sich innerhalb kürzester Zeit austauschen und soll bei der gedrosselten Version im Stadtverkehr eine Reichweite von über 90 Kilometern bieten. Wenn der Stromspeicher komplett leer ist, dauert das Vollladen an einer herkömmlichen Steckdose drei Stunden. Ein Ladestand von 80 Prozent ist nach zwei Stunden erreicht.

So fährt sich das in Schweden produzierte Bike

Business Insider hatte in Berlin Gelegenheit, das Ösa lite zu testen. Bevor man losfahren kann, muss man erst einmal die Batterie per Knopfdruck betriebsbereit machen. Danach startet man das Fahrzeug, indem man den kleinen Button neben der Digitalanzeige drückt. Auf letzterer werden neben der aktuellen Geschwindigkeit auch der Ladestand der Batterie und der eingestellte Fahrmodus angezeigt.

Je nachdem, wie viel Leistung man abrufen möchte, kann man zwischen drei Stufen wählen. In der höchsten reagiert der Motor blitzschnell auf jede noch so kleine Bewegung am Gasdrehgriff. Obwohl bei dem mit Batterie 87 Kilogramm schweren Bike „nur“ 5,4 PS zur Verfügung stehen, beschleunigt es überraschend rasant auf die Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Laut einem Cake-Mitarbeiter dauert der Sprint circa drei Sekunden, wenn man jedoch selbst hinter dem Lenker sitzt, fühlt sich das Ganze noch deutlich schneller an. In der niedrigsten Stufe lässt es der E-Motor etwas ruhiger angehen. Langeweile kommt trotzdem nie auf. Der Topspeed ist in diesem Modus auf rund dreißig Kilometer pro Stunde begrenzt.

Vor allem die gerade Sitzstange ist für das Auge ungewohnt, gibt dem Bike aber seinen eigenen Charakter.
Vor allem die gerade Sitzstange ist für das Auge ungewohnt, gibt dem Bike aber seinen eigenen Charakter.

Cake

Satte Straßenlage und eine ordentliche Federung

Übrigens kann man auch die Motorbremse des Gefährts je nach Bedarf dreistufig einstellen. Aber nicht nur der Antrieb des Ösa lite überzeugt. Das Stadtfahrzeug liegt satt auf der Straße und die Federung lässt sich auch von gröberen Unebenheiten nicht aus der Ruhe bringen. Aufgrund des vergleichsweise niedrigen Gewichts lässt sich das Bike zudem leicht auf den Ständer stellen. Der einzige Kritikpunkt, neben den nicht gerade günstigen Preisen: Beim Tragen einer Sonnenbrille oder bei einer starken Sonneneinstrahlung, lässt sich das Informationsdisplay kaum noch ablesen.

Für preisbewusste Kunden, die möglicherweise auch mit dem ungewöhnlichen Design des Ösa nichts anfangen können, bieten die Schweden ab Anfang 2022 ihr drittes Modell Makka an. Im Vergleich zu den anderen Cake-Bikes wirkt es nahezu gewöhnlich. Cake plant zwei Varianten: in der „Moped-Kategorie“ ein auf 25 km/h gedrosseltes Einstiegsmodell namens Range, das bei 3.500 Euro startet. Die 45 km/h-Variante Flex soll nur 300 Euro teurer sein, obwohl sie mit ihren 4,8 PS doppelt so viel Leistung hat. Dafür bietet die schwächere Version mit ihren 60 Kilometern etwas mehr Reichweite.

Das neue Einstiegsmodell Makka sieht vergleichsweise konventionell aus.
Das neue Einstiegsmodell Makka sieht vergleichsweise konventionell aus.

CAKE

CO2-Reduzierung und Showrooms in Planung

Der Firmengründer Ytterborn hat neben dem Ausbau der Modellpalette aber noch andere Pläne. Bis 2025 sollen in den Metropolen Europas und Nordamerikas 25 Showrooms entstehen. Bisher vertreibt der Hersteller seine Bikes ausschließlich über Partner oder online über seine Website. Cake hat zudem eine Kooperation mit dem schwedisch-chinesischen Elektroautobauer Polestar in der Pipeline, während das Unternehmen gemeinsam mit dem heimischen Energiekonzern Vattenfall am ersten komplett fossilfreien Motorrad der Welt arbeitet.

Wenn alles nach Plan läuft, soll das umweltfreundliche Zweirad zur Mitte des Jahrzehnts marktreif sein. Stephan Ytterborn gibt nämlich offen zu, dass es auch bei der Herstellung elektrisch angetriebener Fahrzeuge noch einen großen Optimierungsbedarf gibt. Vor allem die Gewinnung der für die Batterien benötigten Rohstoffe kritisiert er. Zudem würden chinesische Unternehmen bei der Produktion der Batteriezellen teilweise klimaschädlichen Kohlestrom verwenden.

Eine Kooperation mit Northvolt steht an

„Zurzeit ist es ähnlich schlecht, ein Elektrofahrzeug zu fahren, wie eines mit Verbrennungsmotor zu nutzen“, sagt der Cake-Chef im Gespräch mit Business Insider. Er ist aber davon überzeugt, dass sich die Grundvoraussetzungen in den nächsten Jahren verbessern werden. Deshalb wird Cake seine Batteriepacks bald zusammen mit Northvolt entwickeln und diese auch von dem schwedischen Unternehmen produzieren lassen. Aktuell bezieht der Motorradhersteller seine Zellen noch von dem japanischen Produzenten Panasonic.

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