
Die Connectivity Standard Alliance (kurz: CSA) veröffentlicht im halbjährlichen Rhythmus neue Updates für den Matter-Standard. Zuletzt hatte man mit Matter 1.5.1 Kameras mehr Flexibilität spendiert, nachdem diese mit Matter-Version 1.5 endlich Einzug gehalten hat. Ab sofort legt man nach und gibt Matter 1.6 frei. Hierbei handelt es sich um Erweiterungen für die bisherigen Releases. Sprich: Es gibt keine neuen Gerätetypen, sondern man erleichtert das Setup und man verfeinert Grundlagen, wie die Koordination zwischen Ökosystemen sowie die Interpretation von Steuerbefehlen.
Bislang fallen Installation und Inbetriebnahme bei vielen Geräten zeitlich auseinander – Deckenleuchten, Unterputzschalter und Co. müssen oft konfiguriert werden, bevor sie montiert werden und dann schwer erreichbar sind. Matter 1.6 erlaubt nun eine vollständige Inbetriebnahme über bidirektionale NFC-Kommunikation, und zwar selbst dann, wenn das Gerät noch nicht mit Strom versorgt ist.
Das baut auf dem in Matter 1.4.1 eingeführten NFC-Onboarding auf, bei dem ein NFC-Tag lediglich die Setup-Informationen als Alternative zum QR-Code lieferte, das eigentliche Commissioning aber weiterhin über Bluetooth LE lief. Jetzt wickelt NFC den kompletten Vorgang ab.
In der Praxis heißt das: Eine Glühbirne lässt sich einrichten, bevor sie in die Fassung kommt, ein Unterputzschalter, bevor die Netzspannung anliegt. Bei größeren Installationen können mehrere Geräte vorab provisioniert und später am Einsatzort aktiviert werden. Für Nutzer bleibt der Vorgang denkbar einfach – Smartphone ans Gerät halten, fertig.
Beim Thema Multi-Ökosystem geht man mit Joint Fabrics einen neuen Weg. Während das mit Matter 1.4 eingeführte Enhanced Multi-Admin den Gerätezugriff zwischen getrennten Ökosystemen (Apple Home, Alexa, etc.), sogenannten Fabrics, teilt, erlaubt Joint Fabric mehreren autorisierten Controllern, ein einziges gemeinsames Matter-Netzwerk zu verwalten.
Über einen zentralen Datastore ist jedes Gerät, das der Joint Fabric hinzugefügt wird, für alle beteiligten Controller erreichbar. Administratoren lassen sich unabhängig von den Geräten hinzufügen oder entfernen, und die Teilnahme an einer Joint Fabric zählt für ein Gerät nur als eine einzige Fabric – es bleibt also Platz für klassische Ökosystem-Fabrics parallel.
Gedacht ist das für Szenarien, in denen mehrere Parteien koordinierten Zugriff brauchen: Neubauübergaben, Haushalte mit mehreren Plattformen oder professionell verwaltete Immobilien.
Eine weitere Neuerung richtet sich an die Steuerbefehle, die künftig kontextorientiert ausgeführt werden. Bislang senden Ökosysteme Befehle direkt an Thermostate, die diese ausführen – egal, was der Nutzer kurz zuvor eingestellt hat. Künftig übermittelt ein Controller stattdessen einen zeitlich begrenzten Vorschlag, der an eine der unterstützten Voreinstellungen des Thermostats gebunden ist. Man spricht also eine Empfehlung anstelle eines Befehls aus.
Das Gerät wertet diesen gegen die Nutzerpräferenzen und die aktuellen Umgebungsbedingungen aus, bevor es (kontextbezogen) reagiert. Um ein konkretes Praxisbeispiel zu nennen: Habt ihr an einem Thermostat händisch (oder auch per App) die Temperatur eben angepasst, dann wird ein kurz später eintreffender Steuerbefehl, etwa durch eine Automation, diese abermals zu ändern, als unerwünscht deklariert und ignoriert. Wird ein Vorschlag nicht befolgt, gibt das Thermostat eine standardisierte Erklärung ab, die sowohl Nutzern als auch Ökosystemen Transparenz zum Geräteverhalten gewähren.
Dazu kommen einige Verbesserungen unter der Haube sowie Verfeinerungen. Geräte können mit Matter 1.6 ihre Funktionen und Grenzen nun standardisiert kommunizieren. Das schafft Transparenz und erlaubt es Matter Controllern, Geräte präziser ökosystemübergreifend abzubilden.
Sicherheitssensoren melden interoperabel ihren Event-Verlauf, liefern also nicht nur den Echtzeitstatus, sondern auch vergangene Aktivitäten. Rauch- und CO-Melder erhalten einen Status, wenn diese nicht montiert („unmounted“) sind und zeigen damit an, wenn sie aus ihrer Halterung entfernt wurden und damit nicht ihrem regulären Betrieb nachkommen können.
Und die mit Matter 1.4.2 eingeführten Certificate Revocation Lists lassen sich jetzt partitioniert verwalten, also in kleineren, unabhängig aktualisierten Teilen statt in einem einzigen großen Datensatz.
Wie immer bei Matter gilt: Wann genau welche Funktion in welchem Ökosystem ankommt, bleibt offen. Hier müssen Nutzer auf entsprechende und zeitnahe Implementierungen der Hersteller und Plattformen hoffen.
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