Rund 400 Tageszeitungen haben in den USA Klage eingereicht und sprechen im Zusammenhang mit KI und ChatGPT vom „Todesläuten für den Lokaljournalismus“.

Eine Koalition aus Verlagen, die knapp 400 US-amerikanische Zeitungen vertritt, hat vor dem US-Bundesbezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York Klage gegen Microsoft und OpenAI eingereicht. Der Vorwurf: Die beiden Technologieunternehmen sollen jahrelang und systematisch Artikel und andere redaktionelle Inhalte ohne Genehmigung und ohne Vergütung für das Training ihrer KI-Modelle verwendet haben, darunter auch Inhalte, die eigentlich hinter Paywalls gesichert waren.

Microsoft und OpenAI setzen auf das „Fair Use“-Argument

Ähnlich wie sich YouTube-Kanäle von Teenagern lange versuchten, die Verwendung von urheberrechtlich geschützten Musikwerken für ihre GTA IV-Montage durch einen „Fair Use“-Abschnitt in der Videobeschreibung zu argumentieren, verteidigen OpenAI und Microsoft ihre Vorgehensweise mit dem Verweis auf das US-amerikanische Urheberrechtsprinzip „Fair Use“. Dieses gestattet die Nutzung geschützter Werke unter bestimmten Umständen, darunter für bildungsrelevante Inhalte oder, wenn diese stark verändert wiedergegeben werden bzw. genaugenommen, wenn dadurch ein argumentativ ein neues, einzigartiges Werk entsteht.

OpenAI argumentiert, ChatGPT sei mit öffentlich zugänglichen Daten trainiert worden und, dass dieser Prozess durch Fair Use gedeckt sei. Das Unternehmen, welches auch Tausende WindowsArea.de-Artikel ungefragt aufgesammelt hat, ist der Auffassung, dass KI-Training mit geschützten Inhalten aus dem Internet nicht per Urheberrecht verboten sei. Anders wäre es allerdings auch gar nicht möglich, wie selbst CEO Sam Altman zuletzt wissen ließ.

„Todesläuten für den Lokaljournalismus“

Die Verlage warnen eindringlich vor den Folgen für die Medienbranche. Während Google KI immer tiefer in seine Suchergebnisse integriert und die Klickzahlen traditioneller Nachrichtenportale einbricht, stehen viele Redaktionen vor dem Aus. Erfahrene Journalistinnen und Journalisten verlieren ihre Stellen, Lokalzeitungen schließen. Die Kläger sehen in der unkontrollierten KI-Nutzung ein „Todesläuten für den Lokaljournalismus“, sollten die Unternehmen weiterhin ohne Konsequenzen Inhalte abgreifen dürfen.


Hinzu kommt eine strukturelle Gefahr für die KI-Branche selbst: Berichten zufolge stoßen KI-Unternehmen an Grenzen, weil hochwertiger Trainingsinhalt zunehmend knapper wird. Sterben Nachrichtenredaktionen, schwindet auch die Datenbasis, auf der leistungsfähige Sprachmodelle aufgebaut werden können. Manche Forscher warnen bereits, dass Sprachmodelle, die überwiegend mit minderwertigen Inhalten trainiert werden, in ihrer Genauigkeit und Urteilsfähigkeit deutlich nachlassen.

Diese Rechtsstreitigkeiten werden für die Zukunft den Ton angeben, ob sich nämlich auch kleinere Medien wie WindowsArea.de irgendwann gegen das unerwünschte Training von KI wehren werden können. Trotz technischer Maßnahmen wurden Crawlerdaten, wo auch WindowsArea.de-Artikel enthalten sind, von OpenAI für das Training von ChatGPT genutzt. Eine Möglichkeit, sich gegen dieses Training zu wehren, es nun gar rückgängig zu machen oder Schadenersatz zu fordern, gibt es momentan für die meisten kleinen Betreiber solcher Seiten nicht.