
Nicht jede Neuerung ist ein Feature. Nicht jede Neuerung ist notwendig. Nicht jede Neuerung trifft auf Begeisterung. So könnte man die Windows-Entwicklung in den letzten Jahren in vieler Hinsicht zusammenfassen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Einführung des Copilot-Knopfes auf neuen Windows-PCs. Dieser ist nämlich die Definition einer Funktion, die eher aus Hype und ihrem werbenden Charakter für die (kommende) Funktionalität implementiert wurde und tatsächlich kaum bis gar keinen Mehrwert für Nutzer bietet. Ich habe seit einigen Wochen PCs mit Copilot-Tasten und die versprochene Funktionalität oder gar Zweckmäßigkeit der dedizierten KI-Taste ist nonexistent.
Vollkommene Redundanz
Die Copilot-Taste erscheint mir nicht nur auf den ersten Blick wie eine vollkommen überflüssige Ergänzung: In Deutschland, wo der Windows Copilot weiterhin nicht verfügbar ist, öffnet die dedizierte KI-Taste aktuell nur die Windows-Suche. Insbesondere, da die Bing-Suche in der EU deaktiviert werden kann, bleibt die Funktion der Taste auf das Durchsuchen von lokalen Programmen und Dateien beschränkt. Diese Aufgabe wird jedoch bereits seit Windows Vista effektiv von der Windows-Taste übernommen. Die Frage stellt sich: Warum benötigen wir eine zusätzliche Taste für eine Funktion, die bereits vorhanden und gut integriert ist?
Mangelhafte Implementierung
Die technische Umsetzung der Copilot-Taste lässt allerdings ebenfalls viel Raum für Kritik: Microsoft hat nämlich nicht einen neuen Standard geprägt für KI-Tasten, sondern im Grunde nur seine Herstellerpartner dazu drangsaliert, eine simple Tastenkombination für die Taste zu implementieren. Der Copilot-Knopf ist nämlich einfach ein Ersatz für das Drücken von Windows, Shift und F23. In diesem Sinne hätte der Copilot auch einfach mit der Cortana-Tastenkombination Windows C aufgerufen werden können. Was er übrigens bereits kann und tut. Es musste allerdings eine weitere, dedizierte Taste auf der Tastatur sein.
Noch schlimmer als die Implementierung über eine willkürliche Tastenkombination, für die ohnehin im System bereits eine andere Tastenkombination existiert, ist jedoch die Tatsache, dass die Copilot-Taste zwar die Suche öffnet, diese allerdings bei erneutem Drücken nicht wieder schließt. Dies ist vor allem bei versehentlichem Drücken der Taste sehr nervig, denn im Gegensatz zum Startmenü wird die Suche beim erneuten Drücken der Copilot-Taste nicht geschlossen. Dies führt zu einer unnötigen Unterbrechung des Arbeitsflusses, da man entweder mit der Maus außerhalb des Suchfeldes klicken oder die Windows-Taste nutzen muss, um das versehentlich geöffnete Such-Menü zu schließen.
Wozu wurde die Copilot-Taste implementiert?
Die Copilot-Taste wirkt undurchdacht und ist in Europa vollkommen unnötig. Sie verschlechtert sogar das Benutzererlebnis, insbesondere weil sie bei versehentlichem Drücken störender ist als ein versehentlich gedrückter Start-Knopf. Wer Games zockt weiß, wie ärgerlich ein versehentlich gedrückter Start-Knopf sein kann. Die Suche ist noch hartnäckiger.
Die Idee hinter der Copilot-Taste lässt sich entweder durch Microsofts blinde Überzeugung von einer Funktion erklären, welche weder für alle Nutzer ausgerollt wurde, noch jene Nutzer begeistern konnte, denen sie weniger angeboten als penetrant aufgezwungen wurde in der Taskleiste, als dedizierter Knopf und mittlerweile teils sogar als zweite, schwebende Suchleiste am Desktop. Oder aber es war von Anfang an als aufdringliche Werbung für den unterwältigenden Copilot-Dienst gemeint, welcher trotz sehr begrenzter Funktionalität direkt eine dedizierte Taste bekommen hat.
In ihrer aktuellen Form ist die Copilot-Taste aber definitiv eher ein Ärgernis als eine Hilfe.