„S.T.A.L.K.E.R. 2: Heart of Chornobyl“ im Test: Sowohl das beste als auch das schlechteste Spiel des Jahres

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„S.T.A.L.K.E.R. 2: Heart of Chornobyl“ ist am 20. November 2024 nach mehreren Verzögerungen für die Xbox Series X|S sowie Windows-PCs erschienen. Entwickelt worden ist das Spiel vom ukrainischen Studio GSC Game World, das wegen des russischen Angriffskriegs auf sein Heimatland in den letzten Jahren vor einigen Herausforderungen gestanden hat. Somit ist es irgendwo auch ein kleines Wunder, dass dieser Titel nach etlichen Rückschlägen nun überhaupt erschienen ist. Im Test der PC-Version hat sich für mich dann ein wahres Wechselbad der Gefühle ergeben.

Im Übrigem habe ich auch das 2007 erschienene „S.T.A.L.K.E.R.“ damals ausgiebig gespielt, allerdings nicht die Fortsetzungen „S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky“ und „S.T.A.L.K.E.R.: Call of Pripyat“. Somit war es für mich eine lange Pause, bis ich jetzt also mit „Stalker 2“, wie ich es der Einfachheit halber mal kürze, wieder in „die Zone“ eintauche. Allerdings hat sich zwar einiges verändert, vieles ist aber gleich geblieben. So etwa der Rat, den man schon damals beherzigen musste: Es lohnt sich ein paar Monate abzuwarten, bis ihr den Titel von GSC Game World intensiv anzockt. Denn es hat gute Gründe, dass dieses Spiel für mich gewissermaßen sowohl das beste als auch das schlechteste Spiel des Jahres 2024 in einem darstellt.

Zunächst aber zum Grundlegenden: „Stalker 2“ ist erneut ein Shooter mit Survival-Elementen, in welchem es den Spieler in die offene Spielwelt der nuklear verseuchten Zone rund um Tschernobyl zieht. Ihr bewegt euch durch eine postapokalyptische Welt, in welcher mörderische Mutanten, Anomalien und Söldner die Zone bevölkern. Hinter jeder Ecke können also einerseits verborgene Schätze oder andererseits der Tod lauern. Damit ihr nicht völlig einsam durch die Welt zieht, könnt ihr euch mit mehreren Fraktionen zusammentun, die sich allerdings untereinander nicht wirklich grün sind. Helft ihr also der einen Seite, wird das unweigerlich den Zorn der anderen Seite auf euch ziehen. Im Ergebnis könnt ihr euch auf niemanden so ganz verlassen und müsst für euer eigenes Überleben sorgen.

Der dunkle Sog der Zone

Die Story von „Stalker 2“ ist aber eher ein grober Leitfaden, der euch durch unterschiedliche Bereiche der Zone dirigiert. Erwartet hier also keinen emotionalen Spannungsbogen oder charismatische NPCs, die im Gedächtnis bleiben. So hat die enorme Gameplay-Freiheit den Preis, dass der Plot eher zur Nebensache wird. Das eigentliche Highlight des Spiels ist die kreativ gestaltete Spielwelt, die oft einen sehr rauen Charme und eine rustikale Schönheit entwickelt, die in ihren Bann zieht. Je nach Spielweise seid ihr wahrscheinlich 40 Stunden oder mehr beschäftigt, bis der Abspann über den Screen flimmert.

Zumal „Stalker 2“ ziemlich oldschool ist: Zwar startet ihr anfangs in einem „entschärften“ Gebiet mit weniger Bedrohungen, bevor man euch quasi in die größere Spielwelt wirft, doch Handholding betreibt das Spiel sonst nicht. Euch steht es also frei, euch sofort in Situationen zu bringen, in denen euer Ableben garantiert ist oder aber Taktiken zu entwickeln, mit denen ihr ziemlich früh an mächtige Ausrüstung kommen und euch mit übermächtigen Gegnern duellieren könnt. Das ist ziemlich erfrischend. Hier ploppen also nicht ständig blinkende Pfeile auf, die euch den Weg weisen und Charaktere plappern auch nicht unentwegt, um Rätsel und Aufgaben für euch durchzukauen.

Und genau da ist „Stalker 2“ fast allen aktuellen Spielen voraus: Ihr habt unheimliche Freiheit, um die Spielwelt zu erkunden, Gefahren zu meistern und mit echtem spielerischem Können und Taktik Erfolgserlebnisse zu erhalten. Wenn man nachts einer Söldnergruppe aus dem Weg geht, mächtige Mutanten in Anomalien lockt und dann neue und tatsächlich nützliche Waffen entdeckt, die man zuvor noch nicht im Spiel gesehen hat, ist dieses Game absolut faszinierend. Wären da eben nicht die endlosen Bugs.

„Stalker 2“: Bugs sind gefährlicher als die Zone selbst

So habe ich mich in „Stalker 2“ über weite Strecken weniger vor den monströsen Gegnern und mehr vor Bugs gefürchtet, die sogar den Missionsfortschritt verhindern können. Und es gibt nichts Schlimmeres, als ein Feuergefecht mit Ach und Krach zu gewinnen, nur damit einem dann der endgültige Triumph verwehrt bleibt, weil der letzte Gegner als Zitterbacke in irgendeiner Wand feststeckt und sich nicht erledigen lässt. Da hilft nur: Spielstand laden und von vorne das Ganze.

Solche eklatanten Fehler sind zwar zum Glück nicht Teil jeder Session, es gibt sie aber auch nach dem Day-Zero-Patch noch. Dazu kommen viele kleinere Fehler, welche der Atmosphäre schaden. Mal verstummen die Waffen plötzlich und geben keinen Ton mehr von sich, dann scheint einer der gewaltigen Stürme in der Spielwelt nicht enden zu wollen – während in anderen Szenarien plötzlich Feinde kein Interesse mehr an der Spielfigur haben. Das alles sorgt geballt dafür, dass ich mir in jeder Session nicht nur um die brutale Umwelt der Zone Sorgen gemacht habe, sondern auch darum, ob ich wirklich Fortschritte erziele, ohne dass ein Bug mich zwingt, einen Spielstand zu laden und alles Fortkommen über Bord zu werfen.

Das ist schade, denn während ich die Welt von „Stalker 2“ erkundet habe, gab es immer wieder diese Aha-Momente, die kaum ein anderer aktueller Titel bietet. Ich kann experimentieren, auf eigene Faust völlig neue Gebiete erkunden, auch wenn mich die Story noch nicht einmal in die Nähe geführt hat und Ausrüstung abstauben, die mir völlig neue Chancen in meinem Kampf gegen die Natur der Zone eröffnet.

Prächtige Grafik mit Ecken und Kanten

Grafisch hinterlässt „Stalker 2“ einen ähnlich gemischten Eindruck wie die restliche Technik. So ist die Umwelt unheimlich detailliert gestaltet und strotzt nur so vor ausladenden Panoramen und knackscharfen Texturen sowie beeindruckenden Lichtstimmungen. Recht hölzern sind dagegen die Charakteranimationen, die nicht auf der Höhe der Zeit liegen. Dazu kommt eine englische Sprachausgabe, auf Deutsch gibt es nur Untertitel, die ebenfalls aus der Zeit gefallen ist und streckenweise fast schon amateurhaft wirkt. Da ist man fast verlockt für eine bessere Atmosphäre die Dialoge auf Ukrainisch auszugeben.

Im Übrigen müsst ihr „Stalker 2“ nicht auf knallhartem Schwierigkeitsgrad spielen, sondern könnt auch herunterschalten. Allerdings ist das ein zweischneidiges Schwert. Denn zwar ist der Titel dann eben nicht mehr so mörderisch, was gerade am Anfang frustrieren kann, doch Munitionsmangel, Taktieren und Rationieren eurer Items treten dann in den Hintergrund, was das Gameplay simpler macht und die Stimmung verwässert.

Mit einer Nvidia GeForce RTX 4080 und meinem mittlerweile schon etwas betagten AMD Ryzen 7 5800X plus 64 GByte RAM waren 60 fps auf maximalen Einstellungen bei nativer 4K-Auflösung nicht drin. DLSS ist hier also auf jeden Fall Pflicht. Dabei ist „Stalker 2“ in einigen Szenarien, etwa den kleinen Städten mit vielen NPCs, eher CPU-limitiert. Da muss ich also wahrscheinlich bald mal an meinen Gaming-PC und einen größeren Umbau vornehmen. Generell könnt ihr natürlich viele Settings anpassen und auch einen Framerate-Cap setzen. Aber dieses Spiel ist schon recht Hardware-hungrig und hat noch Optimierungsbedarf.

Mein Fazit zu „S.T.A.L.K.E.R. 2: Heart of Chornobyl“

„Stalker 2“ ist ein erfrischendes Spiel, das den Spieler im massiven Kontrast zu einem „Dragon Age: The Veilguard“ nicht für dumm hält, sondern ihm enorme Freiheiten einräumt. Dazu gehört eben auch die Freiheit zu scheitern und sich in missliche Lagen zu manövrieren. Hier könnt ihr wirklich eueren eigenen Spielstil finden und eine massive und einzigartige Spielwelt nach Herzenslust erkunden. Genau das wird dann auch so gut wie immer belohnt. Deswegen ist „Stalker 2“ auch großartig und hat kaum einen ebenbürtigen Gegenpart.

Leider ist „Stalker 2“ aber immer noch sehr verbuggt, sodass es am Ende oft nicht Flora und Fauna oder die Söldner der Zone sind, die euer Fortkommen behindern, sondern technische Bugs. Zumal der ganze Anstrich des Spiels, inklusive der Menüs, etwas altbacken und rustikal wirkt. Diese Ecken und Kanten sind zum Teil hinnehmbar, aber sehr ärgerlich, wenn sie die grandiosen Erfolgserlebnisse vernichten, weil man einen alten Spielstand laden muss.

Im Ergebnis bin ich von „Stalker 2“ einerseits fasziniert und versinke gerne in dessen Spielwelt, es gab aber auch genügend Frustmomente, in denen ich den Titel fast impulsiv deinstalliert hätte, weil ein Bug mich herausgerissen hat. Insofern: Wägt ab, wie viel Geduld ihr mitbringt und bahnt euch je nachdem vielleicht noch nicht jetzt, sondern erst in ein paar Wochen den Weg in die Zone.

Hinweis: Der Test wurde vor dem Erscheinen des Patches geschrieben.

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