„Star Wars Outlaws“ im Test: Gut, aber (noch) nicht großartig

„star-wars-outlaws“-im-test:-gut,-aber-(noch)-nicht-grosartig

Über mehrere Jahre hatte Electronic Arts die exklusiven Rechte an PC- und Konsolenspielen rund um die Marke „Star Wars“. Dabei kamen sowohl gute als auch schlechte Spiele heraus. Sehr gefallen haben mir zum Beispiel „Star Wars Jedi: Fallen Order“ und „Star Wars Jedi: Survivor“. An jenen beiden Titeln messe ich auch ein wenig das brandneue „Star Wars Outlaws“ von den Entwicklern Massive Entertainment („Tom Clancy’s The Division“), das im Vertrieb von Ubisoft seit gestern zu haben ist.

Dabei gibt es im Gameplay Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Waren die beiden Abenteuer um den Jedi Cal Kestis allerdings eher MetroidVania-Titel mit kleineren Levels, speziell im ersten Teil, so wagt sich „Star Wars Outlaws“ an mehrere, offene Spielumgebungen auf Planeten wie Tatooine. Auch das Missionsdesign ist deutlich offener, was sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Beispielsweise hat mir die Story in beiden „Star Wars: Jedi“-Titeln richtig gut gefallen und auch die Charaktere waren mir sympathisch bzw. wuchsen mir ans Herz. So habe ich neben Cal Kestis auch Nebenfiguren wie Merrin oder Greez im Gedächtnis behalten.

Hingegen ist die Protagonistin von „Star Wars Outlaws“, Kay Vess, je nach Situation wie ein blankes Blatt Papier oder ein nerviger Sprücheklopfer. Man erfährt zu wenig über die Gesetzlose, die im Spielverlauf mit verschiedenen Fraktionen wie den Hutten paktieren kann, um ihre Gefühls- und Gedankenwelt wirklich nachvollziehen zu können. Zumal sie auch in den unpassendsten Situationen nach Marvel-Manier noch einen dummen Spruch heraushauen muss. Was wohl lustig sein soll, erzeugt oft eher ein Fremdschäm-Gefühl und nimmt dem Spiel jeden Ansatz von erzählerischer Konsistenz.

„Star Wars Outlaws“: Technisch beeindruckend

Doch „Star Wars Outlaws“ hat andere Stärken. Ich habe den Titel an meinem Gaming-PC mit (fast) maximalen Details mit DLSS-Upscaling im Qualitätsmodus gezockt und konnte bis auf wenige Framerate-Einbrüche, vor allem bei Fahrten mit dem Speeder, konstante 60 fps erzielen. Dabei ist Ray-Tracing ein zentrales Merkmal des Spiels und sorgt vor allem in Innenräumen für sehr coole Lichtstimmungen. Ich habe allerdings das Glück auf eine GeForce RTX 4080 zurückgreifen zu können und die wird hier schon sehr gefordert. Auf Ultra-Einstellungen, ohne Nvidia RTX Direct Illumination, sind stets 12 bis 15 GByte des VRAMs belegt.

Generell macht das Spiel technisch eine extrem gute Figur. Wichtige Charaktere sehen detailliert aus und sind flüssig animiert, die Spielwelt protzt je nach Planet nur so mit wuchernden Gräsern oder wehenden Sandpartikeln. Abzüge erteile ich für die „unwichtigeren“ NPCs, die oft wirken wie aus der PS4-Generation und teilweise nicht einmal bei Gesprächen blinzeln, sondern stattdessen mit gläsernen Augen ins Leere blicken. Das machen andere Spiele, wie „Horizon Forbidden West“, deutlich besser.

Die Bugs haben sich dabei in Grenzen gehalten. Manchmal ließen NPCs bei Gesprächen amüsanterweise plötzlich ihre Waffe fallen. Auch konnte ich ab und an Personen plötzlich nicht mehr ansprechen. Hier half es aber bereits, mich vom jeweiligen NPC zu entfernen und erneut auf diesen zuzugehen. Obendrein traten bei mir manchmal in Innenbereichen leichte Grafikfehler auf – da wucherte etwa plötzlich Gras durch den Boden einer Cantina. Dennoch ist „Star Wars Outlaws“ im Gesamtbild ein sehr hübsches Spiel, das mit aktiviertem Filmkorn und chromatischen Aberrationen an den Look der ersten Trilogie erinnert.

Kein typisches Ubisoft-Spiel

In Sachen Gameplay ist „Star Wars Outlaws“ glücklicherweise kein typisches Ubisoft-Spiel mit rübergebügeltem Star-Wars-Skin. Stattdessen erinnert mich das Gameplay an eine Mischung aus „Uncharted“ (viel Klettern, Cover-Shooter) und „Metal Gear Solid“ (viel Schleichen und Verstecken) – ohne die jeweiligen Qualitäten der Vorbilder allerdings vollends zu erreichen. Zum Glück ist die Karte der jeweiligen Planeten im Gegensatz zu anderen Ubisoft-Titeln nicht mit Hunderten von Icons vollgepackt und ihr stoßt eher durch das natürliche Entdecken auf Nebenaufgaben, Schätze oder auch zufällige Ereignisse.

Solltet ihr es auf ein Ballerspiel angelegt haben, seid ihr im Übrigen bei „Star Wars Outlaws“ komplett falsch. Vielmehr muss man in fast jeder Mission schleichen, sich verstecken und Feinden, wenn möglich, aus dem Weg gehen. Euren kleinen Alien-Begleiter Nix könnt ihr dabei zur Ablenkung einsetzen. Er kann auch Feinde anspringen und attackieren, sodass ihr nur noch heran sprinten und ihnen eine Kopfnuss verpassen müsst. Alternativ zwängt sich Nix durch kleine Öffnungen, um für euch Schalter umzulegen, schafft unentdeckt aus der Ferne Objekte für euch heran oder sabotiert Geräte und explosive Fässer, um Gegner auszuknocken.

Das alles versorgt euch mit ausreichend Optionen, um Missionen auf verschiedenen Wegen zu erledigen. Hereinstürmen und drauflosschießen, führt aber nur selten zum Erfolg, dazu ist Kay zu schnell erledigt. Allerdings lernt sie durch das Erledigen bestimmter Aufgaben dazu und wird dann z. B. widerstandsfähiger oder erlernt im Kampf nützliche Kniffe. Um diese Optionen zu haben, müsst ihr im Spielverlauf aber erst „Experten“ kennenlernen. Ihr seht dann im Menü, welche Voraussetzungen ihr erfüllen müsst, um von ihnen automatisch Skills zu erhalten – z. B. eine gewisse Anzahl von Gegnern mit Nix ablenken und währenddessen ausschalten.

Auch euer Blaster wird mit der Zeit verbessert und erhält Modifikationen, um z. B. Schilde zu zerstören oder bestimmte Wände zu durchbrechen. Schade: Über den einen Blaster hinaus kann Kay nur temporär Waffen von Gegnern einsammeln. Diese lässt sie aber sofort wieder fallen, wenn ihr euch wieder auf ihren Speeder setzt, klettert oder z. b. in einen Schacht krabbelt. Das Arsenal der Gegner steht euch also immer nur sehr kurz zur Verfügung.

Mein Fazit zu „Star Wars Outlaws“

Im Übrigen hat es auf die Hauptgeschichte nur marginalen Einfluss, mit welchen Fraktionen ihr euch gut stellt und mit welchen ihr euch meistens anlegt. Die herbste Auswirkung ist, dass ihr Gebiete befreundeter Organisationen ohne Ärger durchqueren könnt, während euch weniger wohlgesonnene Banden sofort das Feuer auf euch eröffnen, wenn sie euch in ihrem Revier entdecken. Es gibt zwar Belohnungen, wenn ihr einen besonders guten Ruf bei einer Gang erhaltet, das sind aber im Wesentlichen kosmetische Items. Ihr könnt im Übrigen auch mit Kays Raumschiff fest abgesteckte Gebiete durchfliegen, das machte zumindest mir aber wenig Spaß und die Weltraumkämpfe sind dann auch mehr eine Pflichtübung.

Im Ergebnis empfinde ich „Star Wars Outlaws“ als gutes Open-World-Spiel, das gut und gerne 40 Stunden Unterhaltung und viel Weltraum-Flair bietet. Narrativ wird hier aber wenig aufgefahren und Kay Vess ist eine vergessenswerte bis eher nervige Protagonistin. Ich persönlich habe mich gut unterhalten gefühlt, aber der große Wurf ist „Star Wars Outlaws“ eben auch nicht. Vielleicht könnte ein Sequel mit den entsprechenden Verfeinerungen dafür sorgen, dass hier eine richtig starke Reihe entsteht.

Bis dahin mag ich „Star Wars Outlaws“ Fans des Franchise auf jeden Fall empfehlen. Zieht man aber den „Star Wars“-Bonus ab, bleibt ein grundsolider Genrevertreter, der an die großen Vorbilder noch nicht herankommt.

Transparenz: In diesem Artikel sind Partnerlinks enthalten. Durch einen Klick darauf ge­lan­gt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalten wir ei­ne kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Partnerlinks haben keinerlei Einfluss auf unsere Berichterstattung.

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies