Social Media: Über 50 % der Jugendschutzfunktionen funktionieren laut Studie nicht

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In den USA hat man sich in einer wissenschaftlichen Studie die Jugendschutzfunktionen sozialer Netzwerke wie Instagram, TikTok oder auch YouTube angesehen. Gerne werben die Plattformen damit, Kinder und Jugendliche zu schützen – etwa vor Grooming. Doch während sich die Netzwerke als Saubermänner hinstellen, kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass ca. die Hälfte der Jugendschutzfunktionen gar nicht korrekt funktioniert.

So hat das Cybersafety Research Center, ein gemeinsames Projekt der New York University und der Northeastern University, viele Mängel in den Schutzfunktionen nachgewiesen. Beispielsweise ist es zum Zeitpunkt der Untersuchung bei Snapchat für Erwachsene möglich gewesen, Minderjährige ohne jegliche Einschränkungen über die Suche zu finden und zu kontaktieren. TikTok wiederum fiel negativ dadurch auf, dass von den Forschern für den Test angelegten Teenager-Profilen ohne Zutun bedenkliche Suchbegriffe vorgeschlagen wurden, die etwa aus der Pro-Anorexie-Szene stammen.

Wie ihr schon erkennt: Für die Untersuchung legten sich die Wissenschaftler unterschiedliche Scheinkonten an, um das Verhalten von Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen zu simulieren. Drei Szenarien standen im Fokus: 1. ein Kind, das die Plattform altersgerecht nutzen will 2. ein Teenager, der versucht, Sicherheitsfunktionen zu umgehen 3. ein Erwachsener, der versucht, Schutzmechanismen von Teenagerkonten auszuhebeln.

Anschließend ordneten die Forscher die entdeckten Gefahren in sechs Risikokategorien ein: Inhalte (Content), Verhalten (Conduct), Verbreitung von Daten (Circulation), Suchtverhalten (Compulsivity), Kontakte (Contacts) sowie Verträge (Contracts). Besonders die Funktionen gegen Belästigung und Cybermobbing kritisierte man vernichtend. Die zehn Funktionen, die man auf verschiedenen Plattformen geprüft hatte, versagten allesamt den Dienst. Entweder sie funktionierten technisch nicht, fehlten im Angebot oder waren so tief in Menüs versteckt, dass kein normaler Jugendlicher sie aufgestöbert hätte.

Unterschiede zwischen den Plattformen

Interessant sind vielleicht noch die Unterschiede zwischen den Plattformen. Besonders negativ fiel Snapchat auf, denn dort funktionierten 8 von 11 Jugendschutzfunktionen nicht (73 %). Instagram war wenig besser mit einer Fehlerquote von 66 % – 19 von 29 Funktionen lieferten, was sie sollten. Bei YouTube konnten immerhin 12 von 22 Funktionen überzeugen, was einer Fehlerquote von 55 % entspricht. Überraschung: Ausgerechnet das viel kritisierte TikTok lieferte mit 50 % die niedrigste Fehlerquote. 12 von 24 untersuchten Features versagten. Immer noch nicht rühmlich, aber immerhin besser als die Konkurrenz.

Die Wissenschaftler bemängeln dabei die „Dummheit“ der Funktionen. Beispielsweise gibt es auf den Plattformen Suchfilter, die sensible Themen wie Essstörungen oder Selbstverletzungen (autoaggressives Verhalten) ausblenden sollen. Diese ließen sich aber im Falle von Instagram, TikTok und YouTube kinderleicht durch bewusste Rechtschreibfehler oder Leetspeak (Beispiel: su1c1de) aushebeln.

Freilich sind sich die Plattformen keiner Schuld bewusst und haben die Ergebnisse der Studie bereits öffentlich in Frage gestellt. Man kritisiert die Studienergebnisse als vage Behauptungen und falsche bzw. irreführende Darstellungen. Die Wissenschaftler würden keine Beweise für die Fehler liefern. Dennoch könnte das Ganze wieder die Diskussion um Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche anfachen.

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